#Börsencheck Home24 & Marley Spoon: Unterschiede wie Tag und Nacht

Home24 und Marley Spoon stehen vor einem IPO. Gerade der Home24-IPO muss sitzen, sonst ist das Börsenfenster für weitere Startups erst einmal wieder zu. Einen schwachen Marley Spoon-IPO dürfte die Szene dagegen ohne Probleme verschmerzen können.
Home24 & Marley Spoon: Unterschiede wie Tag und Nacht

Mit dem Möbelshop Home24 und der Kochboxendienst Marley Spoon drängen gerade zwei Startups an die Börse, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Home24 plant zum 15. Juni den IPO an der Frankfurter Börse. Marley Spoon wiederum wagt sich am 2. Juli nur im fernen Australien aufs Parkett (ein öffentliches Angebot wird dabei nicht geben!). Der Börsengang soll Home24 mindestens 150 Millionen Euro einbringen. Bei Marley Spoon werden es nur 70 Millionen australische Dollar (derzeit 45,7 Millionen Euro) sein. Der Ausgabepreis von Home24 soll zwischen 19,50 und 24,50 Euro liegen. Marley Spoon bietet seine sogenannten CHESS Depository Interests (CDIs) zum Preis von 1,42 Dollar an.

Weitere spannende Zahlen zu Home24 und Marley Spoon: Die Umsätze von Home24, das rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt, stiegen von 233,7 Millionen Euro (2015) über 243,8 Millionen (2016) auf 275,7 Millionen (2017). Die Verluste (bereinigtes EBITDA) gingen zeitgleich von 75,4 Millionen (2015) auf 40,1 Millionen (2016) und schließlich 21,8 Millionen (2017) zurück. Ab 2020 will Home24 endlich Gewinne einfahren – bezogen auf das bereinigte EBITDA. In den vergangenen Jahren trieb das jetzige Home24-Team (insbesondere Marc Appelhoff und Christoph Cordes), das 2015 über die Übernahme von fasion4Home ins Unternehmen kam, vor allem den Handel mit margenstarken Eigenmarken voran. Der Weg lohnt sich für das Unternehmen: 24 % der angebotenen Waren waren zuletzt Eigenmarken. Home24 erwirtschaftet damit aber bereits jetzt 56 % der Umsatzerlöse (2017).

Marley Spoon, das vom ehemaligen Lieferheld-Macher Fabian Siegel geführt wird, ist deutlich kleiner als Home24: Der Umsatz des Meal-Kit-Anbieters, der 2014 an den Start ging, stieg von 3,9 Millionen Euro (2015) über 20,2 Millionen (2016) auf zuletzt 53,2 Millionen (2017). Die Verluste lagen zeitgleich bei 10,4 Millionen (2015), 24,4 Millionen (2016) und 28,5 Millionen (2017). Für das laufende Jahr plant das Startup einen Umsatz in Höhe von 93 Millionen und einen Verlust in Höhe von stattlichen 32,3 Millionen. Der australische Markt war dabei zuletzt der Umsatztreiber für Marley Spoon, das 661 Mitarbeiter beschäftigt. Eine relevante Größe ist Marley Spoon leider auf keinem Markt so richtig. 2017 entfielen 37,4 % auf den fernen Kontinent. Somit sollte auch klar sein, warum das Unternehmen Down Under an die Börse geht. Zudem wäre ein IPO bei den niedrigen Umsatzzahlen und vor allem den enormen Verlusten in Deutschland enorm schwierig. Wie das Unternehmen zeitnah (was wichtig wäre) den Sprung in die schwarzen Zahlen schaffen will, bleibt offen.

Sowohl bei Home24 als auch bei Marley Spoon ist Rocket Internet als Gesellschafter an Bord. An Home24 hält der Berliner Internet-Investor 41,2 %, an Marley Spoon nur rund 23 %. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik wiederum hält 16,8 % der Home24-Anteile. Bei Marley Spoon ist zudem unter anderem noch Lakestar an Bord. Wichtig: Die Altaktionäre werfen bei beiden Börsengängen keine Papiere auf den Markt. Übrigens: Rocket Internet brachte zuvor schon den Marley Spoon-Wettbewerber HelloFresh an die Börse. Der IPO brachte dem Unternehmen – zuletzt 905 Millionen Euro Umsatz – 318 Millionen Euro ein (Bewertung: 1,7 Milliarden Euro). Die Bewertung von Marley Spoon liegt gerade einmal bei 200 Millionen Dollar (rund 130 Millionen Euro). Das ehemalige Unicorn Home24 kommt maximal auf eine Bewertung in Höhe von 450 Millionen.

Fazit: Bei Home24 könnte der Höhe Ausgabepreis von angepeilten 19,50 Euro für große Probleme sorgen. Zuletzt konnte nicht einmal nfon (immerhin profitabel) seine Preisspanne am Markt durchsetzen. Zudem fehlt Home24 eine gewisse Marktdominanz. Bei Marley Spoon dürften die hohen (noch steigenden) Verluste bei den angepeilten institutionellen Investoren vermutlich auch nicht gerade zu Freudenschreien führen. Gerade der Home24-IPO muss aber sitzen, sonst ist das Börsenfenster für weitere Startups erst einmal wieder zu (zuletzt wurden schon etliche IPOs abgesagt). Einen schwachen Marley Spoon-IPO dürfte die Szene dagegen ohne Probleme verschmerzen können. Alles in allem könnte man auch schreiben: Marley Spoon hat an der Börse nichts zu suchen! Wir lassen uns aber gerne eines besseren belehren.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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