#Ruhrgebiet fleetbird – der unbekannte Motor der Sharing-Szene

"Zunächst waren wir Dienstleister für die Sharing-Betreiber. Nach und nach wurden wir aber von Investoren und Startups angesprochen, ob die Lösung auch als SaaS zur Verfügung stehen würde. So hat sich Fleetbird zu einer Mobilitätsplattform weiterentwickelt", sagt Mitgründer Philip Müller.
fleetbird – der unbekannte Motor der Sharing-Szene

Die Geschichte von fleetbird beginnt in Berlin. Inzwischen residiert das Startup, eine Whitelabel-Plattform für mobile Sharingdienste, in Dortmund. “Zunächst waren wir Dienstleister für die Sharing-Betreiber. Nach und nach wurden wir aber von Investoren und Startups angesprochen, ob die Lösung auch als SaaS zur Verfügung stehen würde. So hat sich Fleetbird zu einer universellen Mobilitätsplattform weiterentwickelt”, sagt Mitgründer Philip Müller.

Das junge Unternehmen ist dabei erfolgreich unterwegs. “Unsere Kunden sind in über 25 Städten weltweit unterwegs und aktuell werden knapp 15.000 Fahrten pro Tag über unsere Plattform abgewickelt. Wir sind profitabel, was wohl eher eine Seltenheit bei den Mobilitätsstartups ist und planen in diesem Jahr nochmal um 150 % zu wachsen”, sagt Müller. Genaue Zahlen nennt er leider nicht.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der fleetbird-Macher außerdem über Vorstellungskraft, Personal und das Ruhrgebiet.

Wie würdest Du Deiner Großmutter fleetbird erklären?
Als meine Großmutter vor 98 Jahren geboren wurde, hat Ford mit dem T-Modell knapp 50 % aller Autos weltweit betrieben. Ihr heute zu erklären, dass wir Autos, Roller, Fahrräder, Transporter etc. via Telefon öffnen, schließen, buchen und bezahlen können, entzieht sich ihrer Vorstellungskraft. Aber, sie hat verstanden das wir die “Computerprogramme” dahinter bauen, um dies zu ermöglichen.

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu fleetbird?
Vor ein paar Jahren waren bereits Carsharing Software-Lösungen auf dem Markt, aber es gab noch niemanden, der ein Auto komplett ohne Schlüssel öffnen, mieten und wieder zurückgeben konnte. Damals waren wir mit Spotcar in Berlin die ersten, die das geschafft haben. Zumindest offiziell auf der Straße.

Nach nur neun Monaten am Markt war Spotcar am Ende. Woran ist Spotcar gescheitert?
Woran Spotacr gescheitert ist, ist uns nicht hundertprozentig bekannt, daher würde ich mich ungerne festlegen. Ich gehe aber davon aus, das zu wenig Investment der Hauptgrund war, sodass man das langfristige Modell nie erreichen konnte.

Wie genau hat sich fleetbird seit dem Start entwickelt?
Zunächst waren wir Dienstleister für die Sharing-Betreiber. Nach und nach wurden wir aber von Investoren und Startups angesprochen, ob die Lösung auch als SaaS zur Verfügung stehen würde. So hat sich Fleetbird zu einer universellen Mobilitätsplattform weiterentwickelt und kann heute verschiedenste Modelle abbilden – Free-Floating, Hybrid-Floating, Subscription-Models, bald Shuttle on Demand etc. Mittlerweile sind ein Großteil der weltweit gesharedten E-Roller bei Fleetbird, aber auch Car-Sharer und Bike-Sharer.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist fleetbird inzwischen?
Im letzten Jahr sind wir um enorm gewachsen und mittlerweile sind wir 13 Leute, wobei die meisten tatsächlich erst 2018 hinzugestoßen sind. Unsere Kunden sind in über 25 Städten weltweit unterwegs und aktuell werden knapp 15.000 Fahrten pro Tag über unsere Plattform abgewickelt. Wir sind profitabel, was wohl eher eine Seltenheit bei den Mobilitätsstartups ist und planen in diesem Jahr nochmal um 150 % zu wachsen.

2017 seid ihr von Berlin nach Dortmund gezogen. Warum?
Ganz einfach: Personal. Wir im Gründerteam haben selbst schon in Berlin und Hamburg gegründet und da ist ein reinster Kauf um Talente. Das Ruhrgebiet ist dahingegen total unterschätzt. Dortmund ist zum Beispiel ein sehr starker IT-Standort und wer will da schon bei den alten Hasen bleiben, wenn es coole Startups gibt? Daher sehen wir nicht nur in den vielen Universitäten in der Nähe, sondern auch der Infrastruktur und dem “Abwerbepotential” Vorteile.

Was spricht ansonsten für Dortmund als Startup-Standort?
Dortmund hat viele Einwohner, gute Universitäten und eine gute Infrastruktur. Die Mieten sind bezahlbar und der Weg zur Erholung Sauerland oder Münsterland ist kurz. Zudem sind Bochum, Essen, Duisburg, Witten etc. alle in der Nähe. Zudem gibt es aktuell die sog. Allianz Smart City, die eine Menge in Dortmund bewegt.

Was macht den besonderen Reiz der Startup-Szene in Dortmund aus?
Wer den Pott mag, wird die Startup-Szene hier lieben. Es sind gemütliche Runden, nicht so überfüllt wie in Berlin. Es bewegt sich gerade sehr viel, von neuen Veranstaltungsreihen bis zu neuen CoWorking-Spaces ist alles dabei.

Was ist in Dortmund einfacher als in Berlin – und umgekehrt?
In Dortmund ist es einfacher sich auf sein Produkt zu konzentrieren. In Berlin gibt es da viel zu viel Ablenkung durch zu viele Möglichkeiten. In Berlin hat man auf jeden Fall mehr Abwechslung. Die Stadt hat viel zu bieten und die Menschen sind vielfältiger.

Was fehlt in Dortmund noch?
Wir brauchen hier auf jeden Fall ein Roller-Sharing. Gibt es leider noch nicht hier.

Zum Schluss noch ein Blick in die Glaskugel: Wo steht fleetbird in einem Jahr?
Wir wollen die größte unabhängige Mobilitätsplattform der Welt sein. Am liebst würde ich auch noch ein Office in den USA eröffnen, um in Nord- und Südamerika Fuß zu fassen. Ich denke wir sind auf einem guten Weg.

Der digitale Pott kocht! Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden großen Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. deutsche-startups.de, die Gründerallianz Ruhrund der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.