"Adressieren ein ernsthaftes Problem" Chris – der neue (digitale) Beifahrer aus Berlin

"Jeder Zweite in Deutschland liest Kurznachrichten am Steuer, jeder Dritte tippt sogar schnell eine SMS. Unser digitales Leben hört nicht einfach auf, sobald wir Auto fahren. Wir lösen dieses Problem mit Chris", sagt Macher Holger G. Weiss, Mitgründer von German Autolabs.
Chris – der neue (digitale) Beifahrer aus Berlin

Schon vor dem Start investierten Target Partners und einige Business Angels im vergangenen Jahr 2 Millionen Euro in die mobile Jungfirma German Autolabs. Nun startet das Unternehmen von Aupeo-Macher Holger G. Weiss und Patrick Weissert (ehemals Here) durch. Der Service von German Autolabs hört auf den Namen Chris. Dahinter verbirgt sich ein Assistent für Autofahrer. Zum Start bieten die Berliner Chris auf Kickstarter an.

“Mit einem Durchschnittsalter von 9 Jahren sind die Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen alles andere als Connected. Die hohe Smartphone-Nutzung am Steuer verwundert nicht, digitale Bedürfnisse wollen auch hier befriedigt werden. Mit Chris bieten wir jedem Autofahrer eine einfach zu installierende Lösung, die sich nahtlos in jedes Fahrzeug – unabhängig von Modell und Baujahr – einfügt und beliebte Smartphone-Dienste bequem und autogerecht nutzen lässt, sagt Mitgründer Weiss.

“Unsere Existenz ist nicht davon abhängig ist”

Im Mini-Interview mit deutsche-startups.de spricht German Autolabs-Macher Holger G. Weiss über Spracherkennung, Smartphones und Kickstarter.

Welches Problem wollt Ihr mit German Autolabs lösen?
Jeder Zweite in Deutschland liest Kurznachrichten am Steuer, jeder Dritte tippt sogar schnell eine SMS. Unser digitales Leben hört nicht einfach auf, sobald wir Auto fahren. Wir lösen dieses Problem mit Chris, ein speziell für Autofahrer entwickelter Assistent, der über eine intelligente Spracherkennung sowie Gestensteuerung den Zugriff aufs Smartphone auch während der Fahrt einfach und bequem ermöglicht.

Jede Woche entstehen dutzende neue Start-ups, warum wird ausgerechnet German Autolabs ein Erfolg?
Wir sehen drei Punkte, die den Erfolg zwar nicht garantieren, aber uns zumindest zuversichtlich machen, dass unsere Firma eine erfolgreiche Zukunft hat. Erstens adressieren wir ein ernsthaftes Problem, dass eigentlich jeden betrifft. Wir nutzen tagein tagaus unsere Smartphones am Lenkrad, gefährden damit uns und viele Menschen um uns herum und begehen dazu ein gesetzliches Vergehen. Zweitens adressieren wir einen internationalen Markt. Digitales Leben im Fahrzeug kennt keine Ländergrenzen. Egal ob in Deutschland oder den USA, wir sehen in praktisch jedem Land Bedarf für das Produkt. Und zu guter Letzt hat sich hier ein sehr erfahrenes Team zusammengefunden, das seit vielen Jahren in den relevanten Bereichen arbeitet und das nachweislich erfolgreich.

Wer sind Eure Konkurrenten?
Das hängt ein bisschen davon ab, von welcher Richtung man unsere Lösung betrachtet. Da Chris ja ein digitaler Beifahrer ist, der hört und spricht, glauben viele, dass die gängigen Sprachassistenten in den Smartphones unsere stärkste Konkurrenz ist. Wir sehen das aber nicht unbedingt so, denn diese sind zum heutigen Zeitpunkt nicht für das Auto optimiert. Womit sich auch erklären lässt, warum deren Nutzung im Fahrzeug nicht weit verbreitet ist. Natürlich gibt es einige Fahrzeughersteller, die an vergleichbaren Lösungen arbeiten. Diese werden aber erst in einigen Jahren verfügbar sein und wie immer nur für Neuwagen, die dann produziert werden. Wir adressieren ja wirklich jedes Auto und zwar heute. In diesem Bereich gibt es beispielsweise Navdy aus dem Silicon Valley. Die spezialisieren sich aber vornehmlich auf das Thema Headup-Display, also die Projektion von Informationen wie Navi etc. in das Blickfeld des Fahrers.

Warum setzt Ihr zum Start auf Kickstarter?
Eine Kickstarter-Kampagne ist eine gute Möglichkeit zukünftige Nutzer mit in das Produkt einzubeziehen. Wir werden der Community hier gut zuhören und auf ihre Wünsche und Anregungen eingehen. Außerdem ist Kickstarter eine tolle Möglichkeit, einer breiten Nutzerschaft das Produkt vorzustellen. Bei Hardware kann man ja nicht einfach eine App in den App Store stellen. Was das Funding betrifft, werden wir das gut einzusetzen verstehen – allerdings haben wir die Firma so aufgebaut, dass die Existenz nicht davon abhängig ist.

Wo steht German Autolabs in einem Jahr?
Im April kommenden Jahres werden wir seit mehreren Monaten auf den gängigen Online-Plattform das Produkt verkaufen. Wir werden kontinuierlich an Verbesserungen arbeiten und diese in schneller Abfolge unseren Kunden zur Verfügung stellen. Wir werden neue Sprachen implementieren. Intern werden wir ein einzigartiges Entwicklungsteam im Bereich AI aufgebaut haben, mit dem wir neue Services launchen und Chris immer weiter verbessern werden. Ich bin sicher, dass wir zu dem Zeitpunkt auch mit Automobilherstellern an entsprechenden Versionen für deren Fahrzeuge arbeiten werden.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.