Gründerzeit. Aus einem Zelt-Alptraum wird bornintents

Angestellt sein ist nicht immer einfach – selbständig werden auch nicht. Trotzdem versuchen Stefan Clauss aus Hamburg und Stefan aus Berlin ihr Glück: Sie wollen der Outdoor-Gemeinde über das Internet individuell ausgestattete und […]

Angestellt sein ist nicht immer einfach – selbständig werden auch nicht. Trotzdem versuchen Stefan Clauss aus Hamburg und Stefan aus Berlin ihr Glück: Sie wollen der Outdoor-Gemeinde über das Internet individuell ausgestattete und designte Zelte liefern. Ihre Idee trägt den Namen bornintents (www.bornintents.com). Auf dem Weg zur Unternehmensgründung begleitet deutsche-startups.de die beiden vom ersten Schritt an. Jede Etappe, jede Gefühlswallung und jeder Stolperstein wird dokumentiert. Da einer der Gründer noch bei einer großen Firma angestellt ist, kann sein Nachname noch nicht preisgegeben werden.

Was bisher geschah:
Nachdem die beiden Gründer mit Studierenden der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (HFBK) das Grunddesign der Zelte erarbeitet haben, holen sie sich weitere Impulse in einem selbst angesetzten Kreativ-work-shop.

Folge 14: Freud und Leid mit den Banken

Während Clauss und Stefan an der kreativen Fortentwicklung ihres Konzeptes arbeiten, wagen sie sich an das Thema Banken heran. Nachdem sie dem Finanzierungsberater eines Geldinstitutes ihren Businessplan zugeschickt haben, bekommen sie einen Termin und stellen eine Präsentation für das Treffen zusammen. Nervös, mit Anzug und ohne Krawatte, sprechen sie kurz darauf gemeinsam mit ihrem Mentor Konrad Zinke bei der Bank vor. Der zuständige Berater findet ihr Konzept zwar außergewöhnlich und spannend, meldet aber auch Bedenken an. Zum einen könne sein Institut kein Geld in die Produktentwicklungsphase investieren, da die Kosten – aus Sicht der Bank – “verlorene Anlaufkosten” seien. Denkbar sei lediglich die Finanzierung in einer späteren Phase, wo es um die Vermarktung des Produktes und damit um operative Kosten gehe. Ebenso verweist er kritisch auf die Vertriebsstrategie: Seiner Auffassung nach wollen potentielle Käufer das Produkt sehen und anfassen und es lieber “offline” kaufen, so dass man neben dem Onlinehandel besonders den Verkauf durch den stationären Handel verstärken sollte.

Am Ende der Besprechung macht er den beiden einen Vorschlag: “Könnten Sie sich vorstellen, privates Beteiligungskapital in Ihr weiteres Vorgehen mit einzubeziehen?” Er habe einige private Bankkunden, die gerne in interessante Projekte investieren. Obwohl diese Anfrage äußerst verlockend scheint, verneinen Clauss und Stefan. “Unser Projekt soll erst einmal unabhängig sein; Zumindest auf der inhaltlichen und strategischen Ebene möchten wir zunächst alleine entscheiden.” Angeregt durch diesen Vorschlag diskutieren sie eine weitere Möglichkeit, um an Geld zu kommen und das Kreditvolumen der Banken zu reduzieren: Warum nicht statt einer privaten Beteiligung die Beteiligungsgesellschaft (BTG) ins Boot holen? Diese wäre nur für eine vorher festgelegte Zeit an bornintents beteiligt, es gäbe ein fest definiertes Ausstiegsszenario. Die Coaches von MazLevelOne, die Clauss und Stefan bereits die Förderung durch den Pro-Ideenfonds vermittelt haben, stellen den Kontakt zur Firmenkundenbetreuerin der BTG her.

Als Clauss und Stefan bei einer weiteren Bank vorsprechen, gehen sie mit einem guten Gefühl nach Hause: Sie konnten die vorherigen Kritikpunkte miteinfließen lassen und sind auf interessierte Ohren gestoßen. Einige Zeit später erhalten sie allerdings eine Mail, die ihre Hoffnungen zunichte macht: Ihr Konzept habe das Entscheidungsgremium zu sehr polarisiert, um eine Förderung in Angriff zu nehmen. Enttäuscht müssen Clauss und Stefan diese Entscheidung hinnehmen. Immerhin gibt es noch ein weiteres Gespräch mit der ersten Bank, zu dem ihre Ansprechpartnerin von der BTG sogar hinzu kommt. Bei diesem Termin können einige Kritikpunkte geklärt werden, so dass auf beiden Seiten Bereitschaft besteht, weitere Gespräche zu führen. Doch zunächst einmal möchte der Bankberater ein aussagekräftiges Modell vorgestellt bekommen, weswegen die nächsten Schritte nun an der Prototypentwicklung hängen. Eine feste Zusage haben Clauss und Stefan nach dem Gespräch zwar nicht in der Tasche, aber immerhin die Zusage einer Bank und der BTG, ihre Gespräche und Treffen fortzuführen.

Ausblick
In der nächsten Woche lesen Sie, wie die beiden eine folgenschwere Hiobsbotschaft ereilt.

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Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. Steve

    Mein ganz ernst gemeinter Tipp: Keine Zeit mit der BTG oder der KfW verschwenden.

    Wir haben das 12 Wochen lang verfolgt, mehr Unterlagen zusammengetragen, als wir das später bei den VC´lern gemacht haben und hatten keinen Erfolg.

    Ich würde hier gerne einmal einen finden, der mir von positiven Erfahrungen mit den beiden Institutionen erzählen kann.

    Was für uns erfolgreich lief:

    -> Bootstrapping, und zwar bis auf den letzen Euro, daß es wehtut
    -> Parallel Ansprache von Business Angels
    -> Und wenn es immer noch nicht reicht, dann VC



  2. Johannnes Braun

    Mit so einer Idee zur Bank zu gehen ist doch irgendwie strange.

    Kann gut gehen, kann aber auch nich gut gehen…

    80% der Firmen scheitern nach 5 Jahren. Warum sollte zu einem so frühen Zeitpunkt also eine Bank einsteigen?

    Trotzdem, generell ne recht interessante Serie…

    LG

    J



  3. Rima

    Im Prinzip finde ich es lobenswert, dass ihr Gründer unterstützt und diese begleitet. Aber sorry gerade dieses? Ich meine es gibt wirklich deutlich spannendere und interessantere Geschäftsideen.



  4. Peter

    Gerade wegen dieser Geschäftsidee finde ich die Reportage sehr interessant. Ich hoffe, dass die beiden Erfolg haben werden.



  5. Hendrik

    Das Konzept einer Reportage “hautnah am Gründer” finde ich sehr gut und sollte auf jeden Fall weitergeführt werden. “Bornintents” mag ein spezieller Fall sein und es gibt sicherlich interessantere Stories, aber die Jungs stoßen auch auf die üblichen Probleme und daher hat die Story durchaus ihren Mehrwert für andere Gründer.

    Auf jeden Fall lobenswert, daß bornintents so offen über die Gründung berichtet. Sonst hört man ja meist nur Statements wie “wir sind die besten” und “es läuft super, 10 Mio. User, Monetarisierung in der Planung”.

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