Gründerzeit. Aus einem Zelt-Alptraum wird bornintents

Angestellt sein ist nicht immer einfach – selbständig werden auch nicht. Trotzdem versuchen Stefan Clauss aus Hamburg und Stefan aus Berlin ihr Glück: Sie wollen der Outdoor-Gemeinde über das Internet individuell ausgestattete und […]

Angestellt sein ist nicht immer einfach – selbständig werden auch nicht. Trotzdem versuchen Stefan Clauss aus Hamburg und Stefan aus Berlin ihr Glück: Sie wollen der Outdoor-Gemeinde über das Internet individuell ausgestattete und designte Zelte liefern. Ihre Idee trägt den Namen bornintents (www.bornintents.com). Auf dem Weg zur Unternehmensgründung begleitet deutsche-startups.de die beiden vom ersten Schritt an. Jede Etappe, jede Gefühlswallung und jeder Stolperstein wird dokumentiert. Da einer der Gründer noch bei einer großen Firma angestellt ist, kann sein Nachname noch nicht preisgegeben werden.

Was bisher geschah:
Bei ihrer Suche nach einem neuen Kooperationspartner für die technische Entwicklung werden Clauss und Stefan fündig: Dr. Christian-André Keun, Geschäftsführer des Entwicklungsbüros Comprise Tec, steigt mit ein. Die drei erhalten einen Präsentationstermin vor dem Entscheidungsfremium des Pro-Ideenfonds.

Folge 10: Förderungen? Es geht doch!
Nachdem eine Dame vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) dem Gründer-Duo Clauss und Stefan erklärt hat, dass das Förderprogramm “Exist” für sie leider nicht in Frage kommt, fällt ihnen beim Durchsuchen ihrer mittlerweile beachtlichen Broschürensammlung ein Flyer der Gründerwerkstatt der HAW Hamburg in die Hände. Kurzentschlossen macht Stefan einen Termin.

Doch dann kommt der große Tag: Gemeinsam mit Dr. Keun präsentieren die beiden ihr Konzept vor dem fünfköpfigen Gremium des Pro-Ideenfonds. Sieben Minuten haben sie Zeit, um die Anwesenden zu überzeugen, anschließend folgen 15 Minuten Frage-und-Antwort-Stehen. Aus Sicht der beiden Zeltfans läuft der Termin gut.

“Wir bauen jetzt ein Zelt!”

Einen Tag später sitzen Clauss und Stefan im Cafe, bevor sie sich zum Treffen bei der Gründerwerkstatt der HAW aufmachen. Plötzlich erreicht sie ein Anruf, auf den sie sehnlichst gewartet haben. Während Clauss telefoniert, versucht Stefan dessen Mimik zu deuten. Als der Anruf getätigt ist, können sie es kaum fassen: Ihr Antrag auf eine Förderung vom Pro-Ideenfonds wurde bewilligt! Euphorisch fallen sie sich in die Arme, so dass die Dame am Nachbartisch verwundert fragt: “Wie schön, haben Sie eine Wohnung bekommen?” Eine Wohnung? „Nein, aber eine Förderung – Wir bauen jetzt ein Zelt!“

Mit diesem positiven Gefühl, das einer großen Erleichterung zuzuschreiben ist, machen sich Clauss und Stefan auf zur Gründerwerkstatt und präsentieren zum x-ten Mal ihr Konzept. Der zuständige Projektleiter findet Gefallen an ihrer Idee. Allerdings erklärt er ihnen auch, dass es die Förderung gar nicht mehr gibt, wegen der sie gekommen sind. Bevor sich die Enttäuschung in ihnen breit machen kann, teilt er ihnen jedoch noch etwas anderes mit: “Ich habe da ein anderes tolles Förderprogramm, das wir für Sie beantragen sollten: Exist.” Die beiden Krefelder schauen sich verwundert an, da ihnen eine Ansprechpartnerin vom BMWi gesagt hatte, dass diese Förderung für sie nicht in Frage käme. Nun geht also doch. Sie mussten nur von verschiedenen Seiten buddeln.

Ein Mentor muss her

Die Beantragungsformulare, die sie nun ausfüllen sollen, sind sehr viel anspruchsvoller als der Businessplan Light, den sie für den Pro-Ideenfonds ausgefüllt haben. Bis in alle Einzelheiten sollen sie ihr Projekt schriftlich darlegen und nicht mehr nur als Ergänzung zu ihrer Präsentation. Außerdem gibt es eine Voraussetzung für die Förderung: Sie müssen einen Mentor für sich und ihr Projekt finden. Bei ihren Überlegungen erinnern sich Clauss und Stefan an den Gründertag in Hamburg, den sie vor einiger Zeit besucht hatten. Dort waren sie auf nicht viel Neues gestoßen, aber an einem Stand hatten sich die “Wirtschaftssenioren” vorgestellt. Dieser Verein bestehend aus Managern und Unternehmern im Ruhestand, die noch immer voller Elan sind und ihr wertvolles Wissen an die nächsten Generationen weitergeben wollen, war ihnen positiv aufgefallen. Also fackeln die beiden nicht lange und schreiben eine Mail, in der sie ihr Projekt kurz vorstellen und um eine Zusammenarbeit bitten.

Worauf muss man als Start-up achten? – Konrad Zinke von den Wirtschafts-Senioren Hamburg:

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Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.