#Interview “Durch unser chatbasiertes Bestellsystem lösen wir den Telefonanruf ab”

"Mit Lupiter entwickeln wir eine Chat-basierte App, mit der professionelle Handwerker in der Baubranche einfacher und schneller bei ihren üblichen Lieferanten Material bestellen können", erklärt Gründer Giuseppe Ruffo das Konzept hinter Lupiter.
“Durch unser chatbasiertes Bestellsystem lösen wir den Telefonanruf ab”

Über Lupiter können Handwerker schnell und einfach Material, das sie gerade benötigen, bestellen. “Durch unser Chat-basiertes Bestellsystem lösen wir den Telefonanruf ab. Dadurch werden Fehler reduziert und Bestellungen können effizienter bearbeitet werden. Ergänzend zum Chat bieten wir dem Handwerker hilfreiche Funktionen, die es ihm erleichtern, eine ganze Bestellliste einzugeben oder aber auch einzelne Produkte direkt bei seinem Lieferanten zu bestellen”, erklärt Gründer Giuseppe Ruffo das Konzept hinter Lupiter.

Sogenannte transaktionale B2B-Messengerdienste im Stil von Lupiter sind derzeit ein extrem heißes Thema in der Startup-Szene. Die Berliner Geldgeber Point Nine Capital und Cherry Ventures investierten bereits in Rekki, einen britischen Messengerdienst, mit dem Restaurants mit Händlern kommunizieren und vor allem Waren bestellen können. MagaLoop wiederum richtet sich an Späti-, Büdchen- und Kioskbetreiber. In Berlin bauen zudem die ehemaligen Rocket Internet-Mitarbeiter Rogério da Silva Yokomizo, Julian Hammer und Daniel Khachab Choco auf. Das Startup konnte bereits wenige Monate nach dem Start Bessemer Venture Partners als Geldgeber (30 Millionen) gewinnen.

Lupiter, in Düsseldorf geboren, aber in Essen zu Hause, ist noch nicht so weit. “Derzeit werden wir stark als Konkurrenzprodukt zu WhatsApp wahrgenommen. Wobei wir lediglich die Chat Funktionalität mit WhatsApp gemeinsam haben. Wir bieten mit Lupiter über den reinen Support-Chat hinaus ein Chat-System mit integrierter E-Commerce-Lösung, dass sich mit den ERP-Systemen der Lieferanten verbinden lässt”, sagt Macher Ruffo, der das Startup gemeinsam mit Evgenij Shyshkin hochzieht. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Lupiter-Gründer Ruffo außerdem noch über Zeitfresser, Künstliche Intelligenz und Autofahrten.

Welches Problem wollt Ihr mit Lupiter lösen?
Mit Lupiter entwickeln wir eine Chat-basierte App, mit der professionelle Handwerker in der Baubranche einfacher und schneller bei ihren üblichen Lieferanten Material bestellen können. Dabei konnten wir das Problem bei der Materialbeschaffung bereits aus eigener Erfahrung erleben. Einer unserer Gründer war vor längerer Zeit selbst als Handwerker in einem Handwerksbetrieb angestellt. Der Betrieb gehörte zwei Inhabern. Die Auftragsbücher waren voll und der Betrieb gut organisiert. Trotzdem musste einer der beiden Inhaber nach drei Jahren Selbstständigkeit aufhören, weil der erwirtschaftete Unternehmerlohn zu niedrig ausfiel. Einer der Gründe, warum einer der Inhaber aufhören musste war, dass die administrativen Nebentätigkeiten so hoch waren, dass am Ende des Tages einfach nicht genug Zeit übrig blieb, um die eigentliche Arbeit zu erledigen. Ein großer administrativer Zeitfresser war dabei die Beschaffung von Material.
Handwerksbetriebe sehen sich bei ihrer täglichen Arbeit damit konfrontiert, dass sie auftragsweise das Material beschaffen müssen. Sich aber ein Materiallager anzulegen macht nur für sehr wenige Produkte Sinn, da von Auftrag zu Auftrag immer wieder andere Artikel benötigt werden. Hinzu kommt, dass aufgrund der extrem hohen Anzahl und Variantenvielfalt der verfügbaren Artikel die richtige Auswahl eines bestimmten Artikels einen erheblichen Suchaufwand darstellt. Um sich diesen Suchaufwand zu ersparen, wird die Auswahl der passenden Artikel auf den Lieferanten verlagert. So kommt es, dass Handwerker und Lieferanten einen großen Teil ihrer Arbeitszeit damit verbringen, telefonisch Bestellungen zu bearbeiten. Bestellungen telefonisch durchzugeben dauert aus verschiedenen Gründen allerdings auch sehr lange und ist dazu auch noch fehleranfällig. Hier setzen wir mit Lupiter an und bieten Handwerkern und Lieferanten unsere Chat-basierte Bestell-App.

Wie genau funktioniert Lupiter?
Durch unser chatbasiertes Bestellsystem lösen wir den Telefonanruf ab. Dadurch werden Fehler reduziert und Bestellungen können effizienter bearbeitet werden. Ergänzend zum Chat bieten wir dem Handwerker hilfreiche Funktionen, die es ihm erleichtern, eine ganze Bestellliste einzugeben oder aber auch einzelne Produkte direkt bei seinem Lieferanten zu bestellen. Dadurch kann der Handwerker zwischendurch und unabhängig von Ort und Zeit seine Beschaffungen organisieren, ohne lange Zeit beim Telefonieren zu verbringen. Zusätzlich zu den bereits genannten Vorteilen werden wir auch den direkten Suchaufwand für ein bestimmtes Produkt reduzieren. Unsere Produktsuche wird mittels Künstlicher Intelligenz das Auffinden eines Produktes und die Auswahl der richtigen Variante erleichtern. So können wir die Effizienz noch weiter steigern und den Bestellprozess noch stärker automatisieren.

Wer sind eure Konkurrenten?
Derzeit werden wir stark als Konkurrenzprodukt zu WhatsApp wahrgenommen. Wobei wir lediglich die Chat Funktionalität mit WhatsApp gemeinsam haben. Wir bieten mit Lupiter über den reinen Support-Chat hinaus ein Chat-System mit integrierter E-Commerce-Lösung, dass sich mit den ERP-Systemen der Lieferanten verbinden lässt. Unser Chat-First Ansatz bietet dabei ein nahtloses Kauferlebnis, besser als es alle anderen kombinationen oder Systeme könnten. So begeistern wir alle unsere Kunden gleichermaßen, ob Handwerker oder Lieferanten. Hinzu kommt, dass für KMU die reine Nutzung von WhatsApp nicht datenschutzkonform realisiert werden kann. Selbstverständlich ist Lupiter vollständig datenschutzkonform.

Reden wir zudem noch über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Der Standort Ruhrgebiet bietet derzeit, was Berlin früher einmal hatte: günstigen Mietraum. Des Weiteren befinden wir uns vom Ruhrgebiet bis zum Köln/Bonner Raum in dem größten Ballungsgebiet in Europa. Hier haben mehr Menschen und Unternehmen ihr Zuhause als woanders. Gerade für Unternehmen wie unseres mit einen Fokus auf B2B macht es Sinn, hier zu sein. Ich kann relativ schnell viele interessante Kunden, ob KMU oder Konzern, innerhalb einer Autofahrt von zwei Stunden erreichen.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Essen aus?
Die Startup-Szene ist hier relativ klein. Das hat, wie so vieles im Leben, Vor- und Nachteile. Man kommt hier relativ schnell mit anderen in Kontakt und fällt auch schneller auf, als wie es in Berlin der Fall wäre. Hinzu kommt, dass wir hier auch über sehr viele Hochschulen verfügen und somit über einen guten Zugang zu Mitarbeitern.

Was ist in Essen einfacher als im Rest der Republik?
Ob es wirklich einfach ist, als im Rest der Republik, kann ich nicht beurteilen, aber die Leute vom Ruhr:HUB in Essen sind wirklich ein super Team. Wir bekommen vom Ruhr:HUB wirklich tolle und einsatzbereite Unterstützung.

Was fehlt in Essen bzw. im Ruhrgebiet noch?
Wir habe zwar zahlreiche kulturelle Angebote, aber ich würde mir wünschen, dass im Ruhrgebiet massiv in die restliche Infrastruktur investiert wird, es wäre wirklich nötig.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Erstens: Den Zusammenschluss der Städte im Ruhrgebiet zu einer neuen großen Stadt. Das schafft mehr Attraktivität und hebt Skaleneffekte. Zweitens: Mehr unternehmerischen Mut der Menschen. Die Zeit der alten großen Konzerne ist überwiegend vorbei. Drittens: Seid Laut! Ihr braucht euch nicht zu verstecken. In Berlin wird viel geredet, im Ruhrgebiet wird gemacht. Wir sind Macher!

Themenschwerpunkt Ruhrgebiet

#Ruhrgebiet: Gemeinsam mit dem ruhr:HUB berichtet deutsche-startups.de regelmäßig über die Startup-Szene im Ruhrgebiet. Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Digital-Gründer – mehr im Startup Guide Ruhrgebiet. Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher” wiederum erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): www.tech-in-construction.de / Stefan Kny

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.