Gründerzeit. Aus einem Zelt-Alptraum wird bornintents

Angestellt sein ist nicht immer einfach – selbständig werden auch nicht. Trotzdem versuchen Stefan Clauss aus Hamburg und Stefan aus Berlin ihr Glück: Sie wollen der Outdoor-Gemeinde über das Internet individuell ausgestattete und […]

Angestellt sein ist nicht immer einfach – selbständig werden auch nicht. Trotzdem versuchen Stefan Clauss aus Hamburg und Stefan aus Berlin ihr Glück: Sie wollen der Outdoor-Gemeinde über das Internet individuell ausgestattete und designte Zelte liefern. Ihre Idee trägt den Namen bornintents (www.bornintents.com). Auf dem Weg zur Unternehmensgründung begleitet deutsche-startups.de die beiden vom ersten Schritt an. Jede Etappe, jede Gefühlswallung und jeder Stolperstein wird dokumentiert. Da einer der Gründer noch bei einer großen Firma angestellt ist, kann sein Nachname noch nicht preisgegeben werden.

Was bisher geschah:
Clauss und Stefan wagen sich an das Thema “Banken” heran und erhalten die Anfrage, ob sie privates Beteiligungskapital mit in ihr weiteres Vorgehen einbeziehen möchten – sie verneinen.

Folge 15: Abschiednahme von “Exist”
Die Dinge laufen insgesamt vielversprechend für bornintents: Die Förderung durch den Pro-Ideenfonds ist sicher und sowohl eine Bank als auch die Beteiligungsgesellschaft (BTG) können sich eine spätere Zusammenarbeit vorstellen. Jetzt müsste nur noch der Antrag auf das Förderprogramm “Exist” bewilligt werden und ein weiterer Meilenstein wäre geschafft. Der offizielle Projektantragsteller von der Gründerwerkstatt Hamburg ist äußerst zuversichtlich. Allerdings macht es Clauss und Stefan zunehmend nervös, dass die Antwort des Wirtschaftsministeriums nun schon über zwei Monate auf sich warten lässt. Immer wieder rufen die beiden Gründer an und fragen nach, bis endlich die heiß ersehnte Antwort ins Haus trudelt. Doch statt einer Freudennachricht erwartet sie eine Hiobsbotschaft: Die Förderung wurde abgelehnt.

Es folgen einige schlaflose Nächte, bis die beiden Krefelder wieder Boden unter die Füße bekommen. “Das ist, als wenn die Freundin mit einem Schluss macht. Wir sind echt angezählt worden.” Die Entscheidung erfolgte in Bezug auf drei Kategorien: Gründerteam, Idee/Innovation und Marktbetrachtung. Kritik hat das Entscheidungsgremium unter anderem an ersterem geübt: Es fehle ein technischer Entwickler im Gründerteam. Eine Aussage, die für die beiden Zeltbauer nur schwer nachvollziehbar ist: “Wir haben uns von Anfang an darum gekümmert, dass das entsprechende Know-How reinkommt, wenn auch von außen!” Die zweite Begründung zielt auf die Idee ab: Sie sei nicht innovativ genug, es gebe doch schon aufblasbare Zelte. Clauss und Stefan sind enttäuscht darüber, dass ihr Konzept nicht verstanden wurde. “Wir wollen doch keine Zelte bauen, die einfach nur aufblasbar sind und ansonsten aussehen wie alle üblichen Zelte. Wir wollen das Attribut \’aufblasbar\’ als Designelement aufgreifen, es nach außen kehren!” Dafür haben sie eine junge Zielgruppe ausgemacht, die sich “in der Mitte, zwischen den Dauercampern und den Extrem-Grenzgängern” befindet: Menschen, für die Zelten zum Lebensstil gehört und nicht Mittel zum Zweck ist. “Back-Packer, Festivalgänger, Aktivurlauber, Fun-Sportler – Diese Menschen wollen, dass das Zelt zu ihrem Lifestyle passt! Für sie ist Zelten nicht einfach nur eine kostengünstige Alternative.”

Im Nachhinein hätten sie manche Konzept-Details eventuell noch genauer beschrieben, wenn sie die Bewertungskriterien vorher gekannt hätten, resümieren Clauss und Stefan. Nun ist die Förderung vom Tisch, aber nach dem ersten Schock rafft sich das Gründer-Duo wieder auf: “Exist hätte zwar manches erleichtert, aber wir haben die Förderung finanziell nie mit einkalkuliert. Jetzt kümmern wir uns erst einmal wieder um die Prototypentwicklung und um Produktion und Vertrieb.”

Ausblick
In der nächsten Woche lesen Sie, wie die technische Realisierbarkeit einiges an Kopfzerbrechen bereitet.

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Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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  2. tina Obermeier

    Aufblasbare Zelte….

    wars nicht auch das Problem hier, dass anfangs keiner verstand was denn der Gag an dem Produkt sein sollte…?



  3. Florian

    Da man hier außer es seien Designzelte für eine kleine Zielgruppe nichts erfährt kann ich die Banken mit ihrer Aussage “Sie sei nicht innovativ genug, es gebe doch schon aufblasbare Zelte” langsam verstehen.
    Ich denke ein paar Bilder (sofern überhaupt schon etwas außerhalb des Reißbretts erschienen ist) würde die Berichtserstattung etwas interessanter gestalten.
    Ansonsten bleibt die Reihe so interessant wie das eigentliche Thema selbst: Behördengänge.



  4. tina Obermeier

    ja eben… die Reihe ist – sorry – fad.

    Weil ichs auch bisher eigentlich nicht verstanden hab um was es eigentlich geht. Und ohne zu verstehen was es geht hält sich mein Interesse stark in Grenzen. Nicht zuletzt auch am Produkt.

    Also: Jetzt aber mal her mit dem Marketingewäsch und ein paar stylischen Fotos aber zack zack!
    ;)



  5. tom

    schön zu sehen daß es noch mehr Leuten so geht.. Diese “story” scheint endlos zu werden.
    Endlos uninteressant und inhaltslos ist sie je schon seit mindestens 30 Folgen. Bringt sie doch als Buch heraus. Hier in Berlin gibts noch Ofenheizung.



  6. David

    Absolut! Und das Paradebeispiel ist das Twitterprofil: http://twitter.com/bornintents

    Genau SO sollte man Social Media NICHT benutzen: Content without value…



  7. ManuelS.

    Nach einem abgelehnten Exist-Antrag besteht die Möglichkeit eines Einspruchs. Über diesen ist es auch uns erst gelungen eine positive Rückmeldung zu bekommen. Eine erste Ablehnung seitens Exist sollte man daher nicht gleich als ein “Nein” ansehen, allerdings ist die Frist für einen Einspruch etwa 1 Monat?!

    Greetz

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