Gigantisch lecker Lieferheld vernascht nun endlich Marktführer pizza.de

Eine Hochzeit der Giganten: Der Delivery Hero-Ableger Lieferheld holt sich pizza.de ins Haus. Details, wie der Zusammenschluss vollzogen wird, nennen die Unternehmen nicht. Nach unseren Informationen steht ein wahnsinniger Kaufpreis von 290 Millionen Euro im Raum. Viel Geld - auch für Delivery Hero.
Lieferheld vernascht nun endlich Marktführer pizza.de

Heute zur Mittagszeit saßen Niklas Östberg von Lieferheld (gehört zu Delivery Hero), und Jochen Grote von pizza.de zusammen und besprachen letzte Details über die Zusammenführung ihrer beiden Plattformen. Grote gab sich dabei gegenüber deutsche-startups.de – wie immer – wortkarg und verwies auf “letzte notarielle Dinge”, die noch geklärt werden müssten. Östberg wiederum verwies auf die vorbereitete Presseaussendung. Darin verkünden die beiden Unternehmen recht maulfaul ihre Fusion (Zitat: “Lieferheld und pizza.de schließen sich zusammen”) und zelebrieren dies als “bedeutsamen Schritt für die deutsche Start-up-Szene und für die Wachstumsbranche der Online-Essenslieferdienste”.

Details, wie der Zusammenschluss vollzogen wird, nennen die Unternehmen nicht. Weder wird verkündet, ob die pizza.de-Macher künftig an Lieferheld beteiligt sind, noch wie sich die Unternehmen genau zusammenschließen, noch ob pizza.de als Unternehmen mit Sitz in Braunschweig bestehen bleibt. Anzunehmen ist aber, dass Lieferheld das Unternehmen pizza.de komplett übernommen hat. Nur so viel teilen die Unternehmen ansonsten mit: Nach dem Zusammenschluss, der vermutlich eher eine Übernahme von pizza.de ist, sollen pizza.de und Lieferheld weiter als “eigenständige Marken mit starken Markenprofilen erhalten” bleiben. Gemeinsam sollen die Plattformen nun “das führende Unternehmen für Online-Essensbestellungen in Deutschland” bilden.

Restaurants, die auf beiden Plattformen aktiv sind, sollen nun aus einer Hand bedient werden. Was vermutlich bedeutet, dass Personal eingespart werden kann. Vermutlich nicht zeitnah, aber wohl nach einer gewissen Stillhaltephase. Nach der Pseudo-Fusion will sich die Delivery Hero-Gruppe nun um die internationale Expansion kümmern – insbesondere in Asien und Lateinamerika. Dort hatte das Unternehmen zuletzt einige Anbieter übernommen -unter anderem ClickDelivery in Kolumbien. Delivery Hero-Chef Östberg freut sich nun darauf, dass sein Unternehmen den Heimatmarkt Deutschland nun mit “zwei starken Marken” bespielen kann. “Mit denen wir uns in einem hart umkämpften Wettbewerbsumfeld noch besser positionieren können”, führt er weiter aus. Knapp 75 % Marktanteil dürfte der neue Verbund in Deutschland wohl haben. Das Wettbewerbsumfeld in Deutschland hatte sich zuletzt durch die Übernahme von Lieferando durch Takeaway massiv verschärft. Über 100 Millionen Dollar sollen dabei geflossen sein.

pizza.de-Macher Grote kommt in der offiziellen Pressemitteilung nicht zu Wort. Wie Gründerszene berichtet, werde Grote das Unternehmen auch verlassen. Delivery-Hero-Chef Östberg werde pizza.de als Geschäftsführer neben Sybille Steinbach leiten. Ende des vergangenen Jahres sprach Steinbach im Interview mit uns über Fusionen, Übernahmen und Co. “Uns erscheint eine Fusion nicht sinnvoll, es gäbe keine Synergien, sich mit einem deutlich schwächeren Portal zu verbinden. Der größte Posten, das Marketing, müsste auch bei einer Fusion für das schwächere Portal aufgebracht werden und dafür müssten dann wir aufkommen”, sagte sie damals. Ließ aber gleich noch eine Tür offen: “Über Fusionsabsichte der anderen Portale untereinander kann ich Ihnen nichts sagen, es gilt aber das zuvor Gesagte. Sollte es Übernahmen geben durch uns oder durch andere, dann nur zu interessanten Konditionen”. Und beim Lieferheld/pizza.de-Deal waren die Konditionen wohl gut. Nach unseren Informationen steht ein wahnsinniger Kaufpreis von 290 Millionen Euro im Raum, welchen das Unternehmen dementiert. Ist auch viel Geld – selbst für Delivery Hero. Das junge Unternehmen sammelte in den vergangenen Jahren bekanntlich zwar rund 300 Millionen US-Dollar ein, gab aber schon viel für diverse Übernahmen, Marketing etc. aus. Viel Geld, um sich in Deutschland, die Marktführtschaft zu sichern. Immerhin soll die große Delivery Hero-Familie nun rund 1 Milliarde Dollar wert sein.

“Ich gratuliere Jochen Grote zu diesem phänomenalen Exit”, sagt Jitse Groen von Takeaway.com gegenüber dem Wall Street Journal. “Jetzt bleiben nur noch zwei Player übrig”. Takeaway.com wolle dennoch weiter auf dem deutschen Markt aktiv bleiben. “Es wird schwieriger, die Nummer eins zu werden, aber wir werden es immer noch versuchen”, sagt er. Für Pizza.de habe Takeaway.com nicht mit geboten. “Wir wurden nicht gefragt. Aber um ehrlich zu sein, wäre die Bewertung für uns wohl auch zu hoch gewesen”, sagt Groen weiter. Delivery Hero ist mit der Übernahme nun endlich auch in Deutschland eine große Nummer.

Passend zum Thema: “Die wichtigsten Learnings der Lieferheld-Gründer

Hausbesuch bei Pizza.de

Im vergangenen Jahr durften wie uns bei Pizza.de einmal ganz genau umschauen. Einige Eindrücke in unserer kleinen, aber feinen Fotogalerie. Es gibt viel Wasser, viele Verzierungen und schöne Teppiche zu entdecken.

Foto: Pizza Margherita from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • G.B.

    Lieferheld/Delivery Hero zieht gerade noch den Kopf aus der Schlinge. Der Preis liegt vermutlich eher um die 150 Mio. Euro, mehr Barmittel dürfte Lieferheld nicht übrig gehabt haben. Lieferheld erkauft sich damit die Quasi-Monopolstellung in Deutschland. Das auch international/global zu erreichen, scheint mir aber illusorisch.

    • ArtOfSenf

      Gerade diese scheinbare Monopolstellung wird Playern wie Lieferando oder Bloomsbury dazu verhelfen, ihrerseits leichter weitere Investments zu bekommen oder spannende Fusionsmodelle durch zu kauen.
      Als Endnutzer ist es mir recht egal – wenn die Monopolstellung dazu führt, dass das Pizza-Imperium die Preise anzieht, dann werden die sich Lieferdienste wieder verabschieden. Pizza bestellen ging schon lange vor Pizza.de & co sehr gut, da mache ich mir über eine monopolistische Aufstellung keine Gedanken.

  • Daniel

  • Salami Pizza

    @G.B.
    Für so einen Deal geben die Banken auch gerne Kredite ggf. mit Bürgschaft von Insight oder Insight selber hat die Schatulle aufgemacht. Pizza.de dürfte hochprofitabel sein.

  • sonja

    “Uns erscheint eine Fusion nicht sinnvoll, es gäbe keine Synergien,
    sich mit einem deutlich schwächeren Portal zu verbinden. Der größte
    Posten, das Marketing, müsste auch bei einer Fusion für das schwächere
    Portal aufgebracht werden und dafür müssten dann wir aufkommen”, sagte
    sie damals.

  • sven

    Na endlich geht die Konsolidierung los. Das bedeutet nichts anderes, als dass endlich das Geld ausgeht. Eine Fusion bietet in der Tat keine Synergien. Die Socialcommerce Player haben sich ja auch nicht gegenseitig aufgekauft.

    Was anderes finde ich das Team bei Lieferheld. Von den Leuten dort habe ich eigentlich nur unprofessionelle Dummheiten gehoert, besonders smart ist das Team wohl nicht, sondern hat halt Glueck gehabt, dass Team Europe frueh genug investieren wollte.

    Mir ist bis heute nicht klar, wo die Reise hier hinfuehren soll. Da werden 300 Mio eingesammelt, um damit M&A zu machen? Also wenn das mal keine genialer Businessplan ist, dann hat man ja sonst keine Fragen mehr. Die sind doch bis heute in keinem Land Marktfuehrer, oder? Da wird irgendein Kaese mit global platform erzaehlt, damit ein paar dumme Banker das dann kaufen. Naja vielleicht doch genial aus Sicht der Aktionaere…

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