Rocket Internet greift an Vendomo und das leise Sterben der klassischen Makler

Vendomo, das Makler-Start-up von Rocket Internet, startet nun richtig durch. Erik R. Fasten und Sascha Meskendahl übernehmen die Führung des Unternehmens, das zuvor als RightHome bekannt war. Die Berliner wollen "die Vermarktung von Immobilien revolutionieren".
Vendomo und das leise Sterben der klassischen Makler

Seit dem Sommer macht Rocket Internet Maklern das Leben schwer – zunächst unter dem Namen RightHome, inzwischen heißt das Start-up Vendomo. Seit wenigen Wochen führen Erik R. Fasten und Sascha Meskendahl das junge Unternehmen. Zuvor kümmerte sich Johannes Becher, Global Venture Development Director bei Rocket Internet, um die Unternehmung. Das Makler-Start-up Vendomo hat somit seine Gründer gefunden. Bei Rocket Internet sind ja bekanntlich die Ideen vor den Gründern da und nicht umgekehrt. Nun kann das junge Unternehmen damit durchstarten. 20 Leute kümmern sich insgesamt derzeit um Vendomo.

Das Konzept von Vendomo ist schnell umrissen: Das Start-up positioniert sich als Alternative zum klassischen Immobilienmakler. Wer einen Mieter für seine Wohnung sucht, oder sein Haus verkaufen möchte, zahlt bei Vendomo aber keine Provision, sondern einen Festpreis. Und zwar einen “fairen und transparenten”, wie Vendomo-Macher Fasten im Gespräch mit deutsche-startups.de energisch mitteilt. Und dann rechnet er vor: “Makler haben 2014 für den Verkauf von Wohnungen Provisionen in Höhe von 870 Millionen Euro verdient. Beim Festpreis von Vendomo wären es lediglich 187 Millionen Euro gewesen. Käufer und Verkäufer hätten sich 2014 folglich etwa 680 Millionen Euro sparen können, wenn Makler effizienter arbeiten würden und entsprechend die Preise gestalten würden”.

Für 499 Euro kümmert sich das Vendomo-Team um die Vermietung von Wohnungen (aber nur in Berlin). Der Verkauf von Immobilien kostet 2.900 Euro. Dafür erstellt das Start-up Exposés, organisiert Besichtigungen und begleitet den Verkaufsprozess bis zum Notartermin. 400 Sachverständige in ganz Deutschland kümmern sich um dies alles. Ein Rundum-Service, den Makler meist kaum bieten können. Vendomo-Chef Fasten spricht deswegen auch davon, dass es ihm darum geht, “die Vermarktung von Immobilien zu revolutionieren“. Muss er auch, immerhin setzt er auf einen Festpreis. Damit das Vendomo-Konzept aufgeht, muss das Start-up “den gesamten Prozess der Immobilienvermarktung online darstellen und spürbar effizienter gestalten”. Nur so ist ein Festpreis überhaupt möglich.

“Viele klassische Makler werden wahrscheinlich die Professionalisierung der Immobilienvermarktung nicht überleben”, sagt Fasten. Die Makler im Lande werden ihn deswegen ganz genau beobachten. Eine Gefühl, dass auch ImCheck24-Macher Nikolai Roth kennt – siehe “ImCheck24 – Makler mögen dieses Start-up nicht“. Über ImCheck24 verkauft der Hamburger Roth seit inzwischen rund zwei Jahren Immobilien – und macht den vielen Maklern im Lande damit ein klein wenig das Leben schwer. ImCheck24 ist dabei aber kein Marktplatz, sondern nicht mehr als ein klassisches Maklerkonzept, dass die Vorteile der digitalen Welt nutzt. Auf ein vergleichbares Konzept wie Vendomo setzt auch McMakler, ein Projekt von Warpspeed Ventures. Lakestar, Heilemann Ventures, Piton Capital, Mutschler Ventures und Apoletto Limited investieren bereits in das junge Unternehmen.

Neben Vendomo, ImCheck24 und McMakler gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer Start-ups, die sich im Proptech-Tech-Segment tummeln – siehe “Mieten, kaufen, wohnen – Start-ups, die man kennen muss“. Darunter Vergleichsplattformen für Immobilienmakler, Matchingdienste, um den perfekten Mitbewohner zu finden, und Plattformen, die lediglich Aufträge an Makler vermitteln. Makler und Mieterbund wettern gehörig gegen zahlreiche dieser Immo-Start-ups – siehe “Igitt, Technologie“. Den Aufstieg von etlichen Start-ups werden diese Bedenkenträger aber nicht aufhalten können. Ein Selbstläufer sind die vielen Immo-Ideen aber auch nicht, auch Vemdomo wird einen langen Atem haben müssen, um diesen großen Markt zu knacken. Dann dürfte der Markt aber auch groß genug für mehrere Anbieter sein.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.