So verkauft man Immobilien mit Technik ImCheck24 – Makler mögen dieses Start-up nicht

ImCheck24-Macher Nikolai Roth gab sich bisher sehr bedeckt, wenn es um sein Start-up geht. Nun lässt er seine Zurückhaltung endlich fallen. Roth bezeichnet ImCheck24 als "technologiegetriebenen Immobilienmakler". ImCheck24 mache die Vorteile, die das Internet biete, nutzbar.
ImCheck24 – Makler mögen dieses Start-up nicht

Wenn Nikolai Roth (früher carsale24, Carmio und weblin) auf Events für Makler und Immobilienthemen geht, kann es schon einmal vorkommen, dass er plötzlich alleine am Tisch steht, wenn er in der Runde verkündet, dass er der Gründer von ImCheck24 sei. Makler mögen Roth nicht besonders. Was vermutlich aber auf Gegenseitigkeit beruht. Über ImCheck24 verkauft der Hamburger seit inzwischen rund zwei Jahren Immobilien – und macht den vielen Maklern im Lande damit ein klein wenig das Leben schwer. ImCheck24 ist dabei aber kein Marktplatz, sondern nicht mehr als ein klassisches Maklerkonzept, dass die Vorteile der digitalen Welt nutzt. Das Start-up selbst positioniert sich als “kostenfreier Immobilien-Makler”. Roth wiederum bezeichnet ImCheck24 als “technologiegetriebenen Immobilienmakler”. Was heißen soll, dass ImCheck24 sich Vorteile, die das Internet biete, nutzbar mache, wie Roth im Gespräch mit deutsche-startups.de betont.

Und darum geht es bei ImCheck24: Das Start-up begleitet Verkäufer beim gesamten Verkaufsprozess ihrer Häuser, kümmert sich um die Immobilienprüfung durch einen Gutachter, die Erstellung eines Verkaufexposés, die Platzierung von Anzeigen, die Organisation der Besichtigungstermine, die Auswahl der Kaufinteressenten, die Durchführung eines Käuferchecks und die Kaufvertragserstellung. Punkte wie Objektaufnahme, Besichtigungstermine und die Unterzeichnung des Kaufvertrages sind dabei die Offline-Komponenten des ImCheck24-Konzeptes, die sich nicht digitalisieren und auch kaum skalieren lassen. Die meisten anderen Punkte rund um das Anbieten und Verkaufen von Immobilien finden bei ImCheck24 dagegen komplett digital statt. Verkaufexposés, die das ImCheck24-Team verfasst, können Verkäufer etwa online gegenlesen und ergänzen. Und auch die Findung des Kaufpreises findet online statt. Im sogenannten Bieterverfahren können die Kaufinteressenten ihre Gebote abgeben.

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Dabei entstehe keine Verkaufspflicht für den Verkäufer, auch sei er nicht verpflichtet, das höchste Gebot im Bieterverfahren anzunehmen, stellt Roth heraus. Kosten entstehen bei ImCheck24 nur für die Käufer – und zwar in Form einer Provision von 3,45 %. Was einige Makler stören dürfte, immerhin verlangen diese meist deutlich mehr. Meist auch für weniger Leistung, dass aber steht auf einem anderen Blatt. Eine zweistellige Anzahl an Verkäufen wickle ImCheck24 mittlerweile pro Monat ab, berichtet ImCheck24-Macher Roth, der von Maklerkollegen gerne auch mal als total branchenfremd betitelt wird, weil er über carsale24 früher Autos verkauft habe. Der Hinweis auf carsale24 ist dennoch interessant, immerhin hat Roth da ein mit ImCheck24-ähnliches Konzept umgesetzt – nur halt mit Autos statt mit Immobilien.

Um rund 60 Objekte, was erst einmal nicht nach viel klingt, kümmert sich das zwölfköpfige ImCheck24-Team derzeit. “3 von 4 Objekten verkaufen wir”, sagt Roth stolz. Dank einer Mischkalkulation, immerhin bekommt der Online-Makler bei Nicht-Verkäufen, trotz der vielen Arbeit, gar kein Geld, sei das Start-up “über den dicken Daumen Break-Even”. Die Reise für ImCheck24 ist damit aber noch nicht zu Ende, eher das Gegenteil ist der Fall. Roth will noch ein weiteres Stück vom milliardenschweren Immobilienmarkt abbeißen. Zur Seite steht ihm dabei ab November Cord-Christian Nitzsche, den Roth noch aus längst vergangenen Carmio-Zeiten kennt. Demnächst wirkt also noch ein ehemaliger Autohändler bei ImCheck24. Auch künftig soll sich ImCheck24 auf Kaufimmobilien beschränken, Mietimmobilien sind derzeit kein Thema. Vermutlich eine weise Entscheidung, buhlen doch derzeit gefühlt über 50 Start-ups um Vermieter von Mietimmobilien – siehe Mieten, kaufen, wohnen – Start-ups, die man kennen muss“. Die alle mögen Makler garantiert auch nicht. So ist es halt, wenn Start-up in alteingesessenen Branchen wildern. ImCheck24-Macher Roth ist somit nicht alleine.

Foto: Female broker consulting young couple in realtor office from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Tobias Worzyk

    Freu mich, dass ImCheck24 so gut (an)läuft. Weiter so!



  2. s.schneider

    Mit dem Namen wird es aber Probleme geben…



  3. Udo

    Das Konzept ist also einfach “weniger” zu verlangen. Na das sieht doch Erfolgreich aus, wenn man bedenkt das die anderen Makler mit mehr oder weniger Leistungen und auch weniger Personal das Doppelte nimmt. Und von den anderen Makler stirbt in der alle Jahre wiederkommenden Marktschwäche mehr als die Hälfte.

    Das Geschäft ist personalinternsiv und da lässt sich wenig sparen. Wieder mal nur Gründungs und Fremdkaptal verbraten. Es fragt sich wieiviele der Immobilien im Angebot exklusiv sind.

    Übrigens ist es einfach bei dem Markt Immobilien zu verkaufen. Schwer ist es stehts neue Angebote reinzubekommen.

    • @Udo: Danke für deinen Kommentar zu dem ich gerne Stellung
      nehmen möchte.

      Das Konzept sieht nicht nur vor weniger vom Käufer zu verlangen als der traditionelle Immobilienmakler, sondern vielmehr Verkäufer und Käufer totale Transparenz zu liefern.

      Über ein persönliches Kundenkonto haben Eigentümer jederzeit vollen Zugriff auf ihre Immobilie und können genau sehen in welchem Prozessschritt des Verkaufs wir gerade damit stecken. Dazu gehören u.a. die Statistiken der Immobilienportale ebenso wie die Fragen, die bspw. von den Interessenten auf den Besichtigungsterminen gestellt worden sind und wie wir diese beantwortet haben. Alle diese Informationen kann der Eigentümer jederzeit einsehen.

      Der Käufer hat den Vorteil, dass wir u.a. alle kaufrelevanten Informationen seiner Wunschimmobilie in seinem Kundenkonto digital
      vorhalten, so dass bspw. Finanzierungsanfragen bei einer Bank schnell und unproblematisch gestellt werden können. Zusätzlich bieten wir mit dem Online-Bieterverfahren eine transparente Form der Preisfindung an. Also kein Gemauschel nach dem Motto „Ich (Kaufinteressent) zahle ihnen (ImCheck24) mehr Provision, wenn sie mir die Immobilie verkaufen anstatt den anderen“. Genau darauf haben wir nämlich keinen Bock! Denn sowas ist sicherlich auch einer der Gründe für das schlechte Image
      der Immobilienmakler. Damit möchten wir gerne aufräumen und der beste Weg dafür ist einfach mit offenen Karten zu spielen und transparent zu sein.

      Wir werden ausschließlich für unsere Eigentümer tätig, wenn
      wir einen sog. qualifizierten Makleralleinauftrag haben. D.h. alle Immobilien, die wir vermarkten, sind ausschließlich und exklusiv über ImCheck24 zu bekommen.

      Wenn du weitere Fragen hast, meld dich gerne bei mir unter
      040 – 228 178 520.



      • Klaus manz

        Sehr geehrter Herr roth,

        mit Interesse verfolge ihr geschäftsmodell. Leider basiert ihr geschäftsmodell auf einer begrifflichen ungenauigkeit. Das von Ihnen probierte online bieterverfahren ist gar kein bieterverfahren, sondern nichts anderes als eine klassische auktion. Sofern sie sich mit spieltheorie und den Annahmen vollständigen und unvollständigen Informationen beschäftigt hätten, würden sie ihre Version nicht bieterverfahren nennen. Aber so ist es nunmal meistens im web, kein fundiertes wissen aber dennoch mit falsch genutzten begriffen um sich werfen.

        beste grüße, weiterhin viel Erfolg

        k.manz

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