Kleine Rakete zündet nicht German Startups Group sagt Börsengang erst einmal ab

Auf die Verschiebung in der vergangenen Woche folgt die erneute Verschiebung, die quasi eine Absage ist. Denn die German Startups Group geht vorerst nicht an die Börse. Die noch sehr junge German Startups Group, die viele Mini-Beteiligungen an diversen Start-ups vereint, wollte an der Börse bis zu 62 Millionen Euro einsammeln.
German Startups Group sagt Börsengang erst einmal ab

Bitter, die German Startups Group sagt ihren geplanten Börsengang ab (also vorerst). Offiziell spricht die German Startups Group deswegen auch von einer Verschiebung des geplanten Börsengangs. An ihrem Ziel, dem IPO des Unternehmens halten, Christoph Gerlinger und Co. weiter fest. Einen neuen Termin, für den Versuch an die Börsen zu springen, nennt das Unternehmen aber anders als bei der ersten Verschiebung, die man offiziell nur eine Fristverlängerung nennt, nicht.

“Die Entscheidung wurde aufgrund des fragilen Kapitalmarktumfelds während der Dauer der seit 17. Juni 2015 laufenden Investor Education und der der seit 8. Juli 2015 durchgeführten Investoren-Roadshow getroffen. In diesem Umfeld sieht das Management keine Möglichkeit, die Gesellschaft zu einem angemessenen Kurs an die Börse zu bringen und die erwünschte Überzeichnung, also einen Nachfrageüberhang zu erzielen”, teilt das Unternehmen mit. Eine weitere Verlängerung der Angebotsfrist kam für die German Startups Group “aufgrund der beginnenden Urlaubszeit nicht mehr in Frage”.

Eigentlich war der IPO der Beteiligungsgsellschaft, die viele Mini-Beteiligungen an diversen Start-ups vereint, für den 17. Juli geplant. In der vergangenen Woche verschob das Unternehmen seinen Börsengang dann aber auf den 24. Juli. Die Verschiebung sollte es “der Gesellschaft erlauben, weitere Gespräche mit interessierten Investoren zu führen”. Was wohl nicht von Erfolg gekrönt war. Nun verschiebt die German Startups Group ihren umstrittenen Börsengang komplett – siehe auch “Gekreische, Hater Klima und Argumentationslücken“.

Die noch sehr junge German Startups Group wollte an der Börse bis zu 62 Millionen Euro einsammeln. Die FAZ hatte die German Startups Group kürzlich als “kleine Rakete” bezeichnet – was die Hauptstädter im Vergleich zu Rocket Internet auch sind, eine sehr, sehr kleine Rakete sogar. Die German Startups Group, die zuletzt im Clinch mit Exciting Commerce wegen eines Artikels mit der Überschrift “Der dreisteste Börsengang seit Rocket Internet” lag, zündet dabei im Gegensatz zur Samwer-Rakete aber überhaupt nicht.

Bitter ist diese Verschiebung für alle, für die German Startups Group und alle anderen Unternehmen, die derzeit an die Börse streben. Das fragile, junge Ökosystem der deutschen Start-up-Szene, dass zuletzt vermehrt Börsengänge als Ziel hat, ist damit erschüttert.

(Update vom 22. Juli) Und so erklärt German Startups Group-Gerlinger die “Verschiebung des Börsengangs”: “Natürlich sind wir nach langer, intensiver Vorbereitung sehr enttäuscht, dass wir heute die Entscheidung treffen mussten, unseren geplanten Börsengang zu verschieben. In den vergangenen Wochen haben bereits diverse Unternehmen ihre IPO-Pläne verändert oder auf Eis gelegt. Unsere Banken und wir waren bis vor kurzem davon überzeugt, uns angesichts unseres davon unbeeinflussten operativen Geschäfts gegen das äußerst schwierige Marktumfeld stemmen zu können. Leider hat sich gezeigt, dass diese Einschätzung offenbar zu optimistisch war. Wie das Feedback von Investoren zeigte, hatte es Auswirkungen auf die Nachfrage, dass neben der Griechenland-Krise in den Zeitraum der seit Mitte Juni 2015 laufenden Gespräche mit Investoren auch ein dramatischer Kurssturz an den Börsen in China fiel sowie der Kursrückgang eines vom Kapitalmarkt trotz aller unserer Einschätzung nach bestehender struktureller Unterschiede als vergleichbar wahrgenommenen deutschen Unternehmens aus der Startup-Szene.

Eine weitere Verlängerung der Angebotsfrist kam aufgrund der beginnenden Urlaubszeit nicht mehr in Frage. Angesichts unseres erfolgreichen Geschäftsmodells waren wir auch nicht bereit, nur wegen eines ungünstigen Timings Abstriche beim Volumen oder dem Angebotspreis der Aktien zu machen. Wir haben also keine Möglichkeit mehr gesehen, die Gesellschaft vor der allgemeinen Sommerpause zu einem angemessenen Kurs an die Börse zu bringen und die erwünschte Überzeichnung, also einen Nachfrageüberhang, zu erzielen. Damit bleiben die Möglichkeiten für Kapitalmarktteilnehmer aus unserer Sicht bis auf weiteres sehr limitiert, an dem Wirken deutscher Startups zu partizipieren.

Wir werden das Kapitalmarktumfeld genau beobachten, um unsere Pläne unter geeigneten Umständen auch flexibel und kurzfristig wieder aufzunehmen. Die Zwischenzeit werden wir für das eigentlich wichtige nutzen, nämlich um das operative Geschäft weiter voranzutreiben. Das gibt uns zeitlich auch Gelegenheit, den Quartalsabschluss für das zweite Quartal 2015 aufzustellen und dessen voraussichtlich erwartetet guten Geschäftsverlauf in den Wertpapierprospekt aufzunehmen.”

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Peter

    Das fragile, junge Ökosystem der deutschen Start-up-Szene, dass zuletzt vermehrt Börsengänge als Ziel hat, ist damit erschüttert. Erschüttert? Gehts noch? Wenn eine Firma ohne nennenswerte Substanz solch eine Börsengang erfolgreich durchziehen könnte, das der Markt so überhitzt wäre, dann wäre es wohl kurz vor dem Crash. So dauerts wohl doch noch 3 Monate.



    • Johann Q

      Man kann auch positives daran sehen, wenn sich nicht alles verkaufen lässt. Stimmt.



    • azrael74

      Die Absage schadet dem Ökosystem, ob man die Startups Group und deren Modell nun gut findet, oder nicht. Ob es ein Warnsignal Richtung Rettung vor Überhitzung ist, muss sich erst noch zeigen. Andere werden es jetzt aber kaum wagen, an die Börse zu gehen.



      • Joachim

        Sorry Peter hat absolut Recht, Beteiligungsgesellschaften mit einer Market Cap unter 100mio haben normalerweise nichts an der Börse verloren. Es gab schon vorher Beispiele wie bmp das es eben nicht funktioniert und das die Anleger das Geschäftsmodell nicht mögen. Das hat nichts mit dem Ökosystem zu tun. Die Deutsche Börse hat enorm positive Resonanz für Börsengänge wie Westwing, Mr. Spex, etc. Die werden alle mit Sicherheit eine gute Bewertung bekommen falls sie sich entscheiden den Weg zu wählen.



  2. LukasD

    Wieso soll es einem “Ökosystem” schaden, wenn eine nicht börsenreife Firma nicht an die Börse geht?

    Ist jede geplatzte Kapitalerhöhung dann gleich eine Erschütterung für ein “Ökosystem”? Das ist ganz normal, das gehört dazu. Man muss ja auch ehrlich sagen können: So, die sind noch nicht so weit, da fehlen Strukturen, da fehlt die Souveränität mit Kritik umzugehen, das Portfolio ist ggf. nicht ganz so spannend und sexy.

    GSG hat Investoren nicht überzeugen können. Aus vielerlei Gründen, die man dort jetzt verbessern kann. Es wurden ja viele Punkte diskutiert, an denen man arbeiten kann und muss – denn es hat sich ja gezeigt, das es so nicht reicht und man nicht glaubwürdig genug eine spannende Börsen- und Investorenstory erzählen kann. Hausaufgaben machen udn später wieder versuchen.

    So weit so normal. Wie oft passiert das? Es wird auch weiter Kapitalerhöhungen und Börsengänge geben nur weil ein Unternehmen dies nicht geschafft hat. Kein Grund zum Weltuntergang und auch keiner zur Schadenfreude.

    Diese ganze Systemrelevanz ist an den Haaren herbeigezogen. Man muss auch mal nüchtern sagen können: Das hat nicht gereicht, die sind nicht börsenreif ohne das gleich ein Ökosystem oder sonst was den Bach runtergeht.

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