Lokalisten-Gründer und Samwer-Brüder verkaufen an ProSiebenSat.1

Seit Anfang des Jahres prüft ProSiebenSat.1 intensiv die Übernahme des 2005 gegründeten Social Networks Lokalisten (www.lokalisten.de). Ende 2006 stieg die Sendergruppe mit 30 % beim Münchner Start-up ein und sicherte sich gleichzeitig eine […]

Seit Anfang des Jahres prüft ProSiebenSat.1 intensiv die Übernahme des 2005 gegründeten Social Networks Lokalisten (www.lokalisten.de). Ende 2006 stieg die Sendergruppe mit 30 % beim Münchner Start-up ein und sicherte sich gleichzeitig eine Option auf die restlichen Anteile. Nun ist die Sache in trockenen Tüchern, eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte die Übernahme gegenüber deutsche-startups.de: “Wir haben in der Tat vor kurzem die Anteile an der Lokalisten media GmbH von 30 % auf 90 % erhöht”. Zum Kaufpreis macht ProSiebenSat.1 keine Angaben – spätestens im nächsten Geschäftsbericht ist die Sache aber kein Geheimnis mehr. Martin Weigert berichtet, dass ProSiebenSat.1 25 Millionen Euro für die neuen Anteile auf den Tisch gelegt habe.

Mit über 1,8 Millionen registrierten Nutzern gehören die Lokalisten zu den größten Social Networks des Landes. Die vielen Nutzer brachten die Plattform laut IVW zuletzt auf 27,9 Millionen Visits und 1,2 Milliarden Page Impressions – nur SchülerVZ, studiVZ und T-Online hatten im April höhere Zugriffszahlen. Die AGOF zählte im vierten Quartal des vergangenen Jahres bei den Lokalisten eine monatliche Nettoreichweite von 1,05 Millionen Unique Usern. Damit haben die Lokalisten eine höhere Reichweite als beispielsweise prosiebeneigene Angebote wie kabeleins.de (0,95 Millonen), N24 (0,73 Millionen) und maxdome (0,60 Millionen). Ohne das Social Network wäre SevenOne Interactive, der Vermarkter der Sendergruppe, derzeit nicht der zweitgrößte im AGOF-Ranking. Zu guter Letzt verfügen die Lokalisten über eine sehr spannende, weil werberelvante Zielgruppe – knapp 60 % der Nutzer sind unter 30 Jahre alt. Die Gründe für die Übernahme liegen auf der Hand.

Zu den Investoren des Social Networks aus München gehören unter anderem die Samwer-Brüder mit ihrem European Founders Fund, dem führenden Frühphaseninvestor im deutschen Internet, (auch an deutsche-startups.de beteiligt). Mit dem Verkauf an ProSiebenSat.1 hat das Trio einen weiteren spektakulären Exit hingelegt. Zuvor verkauften die Brüder unter anderem studiVZ an Holtzbrinck und die Video-Plattform myVideo an die Sendergruppe. 19 Millionen zahlte ProSiebenSat.1 Ende des vergangenen Jahres für die restlichen Anteile an myVideo. Zuvor waren die Bajuwaren ebenfalls mit 30 % beim Videodienst an Bord. Inzwischen hat myVideo seinen festen Platz in der Sendergruppe gefunden. Kürzlich exportierte das Unternehmen das Konzept in die Niederlande und nach Belgien. Seit dem Kauf von SBS ist ProSiebenSat.1 in den beiden Benelux-Ländern gut vertreten. Der Beteiligungs- und Übernahmehunger der TV-Firma ist aber noch nicht gestillt, erst kürzlich streckte das Unternehmen seine Fühler Richtung Autoplenum.de (www.autoplenum.de) aus. Zu ProSiebenSat.1 gehören die Preissuchmaschine billiger.de (75 %), das Experten-Netzwerk wer-weiss-was (74,8 %) und der Vorhersagedienst wetter.com (73 %).

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.