#Interview “Wenn man so schnell wächst, bleiben Wachstumsschmerzen nicht aus”

"In 2020 werden wir Tourlane noch viel stärker auf den Radar von Reisenden bringen und die Anlaufstelle für Traumreisen im Internet werden", sagt Mitgründer Julian Weselek. In den vergangenen Monaten flossen imposante 70 Millionen US-Dollar in das Cyber-Reisebüro Tourlane.
“Wenn man so schnell wächst, bleiben Wachstumsschmerzen nicht aus”

Nur sechs Monate nach der Series B-Runde folgte beim Cyber-Reisebüro Tourlane im Frühjahr dieses Jahres die Series C-Runde! Tourlane sammelte dabei weitere 47 Millionen US-Dollar. Zuvor investierten Sequoia und Co. 24 Millionen in das Startup. Seit mehreren Jahren sind Julian Stiefel und Julian Weselek mit Tourlane unterwegs. Nach den massiven Investments halten die Gründer des Startups nun noch jeweils rund 14 % am Unternehmen. Im Interview mit deutsche-startups.de blickt Mitgründer Julian Weselek einmal ausführlich auf das gerade abgelaufene Jahr zurück.

2019 ist rum. Was war das Highlight im vergangenen Jahr bei Tourlane?
Das Jahr 2019 war prall gefüllt mit Highlights. Der wohl größte Erfolg war, dass Tourlane im Mai erneut eine Finanzierungsrunde in Höhe von 47 Millionen US-Dollar mit Sequoia Capital geschlossen – nur sechs Monate nach der Series B – und damit nun insgesamt 81 Million US-Dollar eingesammelt hat. Vor allem aber werten wir das Funding als Vertrauensbeweis unserer Investoren und als großes Commitment in Tourlane. Mit der Finanzierung konnten wir nicht nur weitere Märkte in Europa eröffnen und neue Destinationen erschließen, sondern auch intern stark wachsen – im Dezember 2018 waren wir noch 120 Mitarbeiter, heute sind wir stolz, über 300 Talente aus der ganzen Welt bei uns zu haben.

Habt ihr 2019 alle Eure Ziel erreicht?
Wenn wir alle Ziele erreicht hätten, wären die Ziele wohl nicht hochgesteckt genug gewesen. Rückblickend war dieses Jahr lehrreich und erfolgreich zugleich. Wir haben 2019 mit einem Knall gestartet und eine entscheidende Marke im Buchungsvolumen geknackt. Auch über das Jahr sind wir weiter gewachsen. Wir sind den nächsten Schritt gegangen und zu einem international agierenenden Unternehmen geworden. Insgesamt sind wir sehr zufrieden, wie sich Tourlane entwickelt, wir investieren weiter und sind bereit für ein herausforderndes Jahr 2020!

Was lief 2019 bei euch nicht rund?
Wenn man so schnell wächst, bleiben Wachstumsschmerzen nicht aus. Strukturen und Prozesse sind unserem Hyper-Wachstum in 2019 kaum hinterher gekommen. Da hat es sich manchmal so angefühlt, als würden wir mit 200 Sachen auf der Autobahn unterwegs sein, während wir gleichzeitig das Auto bauen, es betanken und zwischendurch Reifen wechseln. Daraus haben wir für 2020 neue Erkenntnisse gezogen und weiter den Fokus auf das Wesentliche geschärft.

Welches Projekt steht bei euch für 2020 ganz oben auf der Agenda?
In 2020 werden wir Tourlane noch viel stärker auf den Radar von Reisenden bringen und die Anlaufstelle für Traumreisen im Internet werden. Wir wollen unseren Kunden die beste Customer Experience bieten, die nicht erst im Urlaubsland beginnt – sondern schon ab dem Moment der Idee für eine Reise bis zur Heimkehr und dem Koffer auspacken. Dazu werden wir erneut stark in unsere Technologie investieren und unsere Reiseexperten weiter schulen, in neue Märkte zu expandieren und unser Portfolio an Zieldestinationen erweitern.

Was hast Du Dir persönlich für 2020 vorgenommen?
Privat möchte ich im neuen Jahr aber definitiv mehr Zeit mit meiner Familie verbringen und mehr reisen. Auf Business-Seite hat uns das letzte Jahr viele neue Erkenntnisse gebracht und uns gezeigt, wie wichtig die Kultur im Unternehmen ist. Sie ist der “Kitt”, der alles zusammenhält und uns verbindet. Für 2020 steht unsere Unternehmenskultur als grundlegender Erfolgsfaktor daher im Mittelpunkt. Wir wollen unverwechselbar bleiben und weiterhin die besten Talente anziehen und halten.

Auf welches Startup sollten wir – deiner Meinung nach – 2020 ganz besonders achten?
Super spannend finde ich persönlich das Workflow-Tool Back. Bei Tourlane beobachte ich, wie viel Zeit für das Management von Mitarbeiteranfragen drauf geht. Ein zentrales Tool, das die Verwaltung und Bearbeitung effizienter macht, sehe ich als großen Gewinn – auch für uns.

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Foto (oben): Tourlane

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.