#Interview “Man muss sich nicht profilieren, aber man sollte sich auch nie zu klein machen”

Urlaubsguru bietet Reiseschnäppchen aller Art! Aus einem Hobby wurde dabei in wenigen Jahren ein profitables Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern. Im Ruhr-Interview mit deutsche-startups.de sprechen die Urlaubsguru-Macher nun einmal ausführlich über die Startup-Szene im Revier. 
“Man muss sich nicht profilieren, aber man sollte sich auch nie zu klein machen”

Seit 2012 sammeln Daniel Krahn und Daniel Marx, in der Startup-Szene nur als Daniel & Daniel bekannt, auf ihrer Plattform Urlaubsguru spannende und oftmals extrem günstige Reiseschnäppchen, die andere Leute dann bei den jeweiligen Anbietern buchen können. Anfangs war die Schnäppchensammelei lediglich als Hobby bzw. als Service für Menschen, die sich im Netz nicht so gut auskennen, gedacht. Aus diesem Hobby wurde in wenigen Jahren ein äußerst profitables Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern und mehreren Ablegern in anderen Segmenten. Die ganze Geschichte von Urlaubsguru kann jeder in unserem Buch #EmscherEinhörner nachlesen. Im Ruhr-Interview mit deutsche-startups.de sprechen die Urlaubsguru-Macher nun aber einmal ausführlich über die Startup-Szene im Revier.

Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Krahn: Die räumliche Nähe der jeweiligen Großstädte, die innerhalb weniger Minuten leicht erreichbar sind, spricht für das Ruhrgebiet. Außerdem die Vielzahl an Universitäten – und zu guter Letzt unsere geliebte „Arbeiterkultur“. Ein Startup beginnt meist mit einer guten Idee. Fehlt jedoch der Wille, Vollgas zu geben und richtig anzupacken, dann wird es vermutlich bloß bei der Idee bleiben. Hier im Ruhrpott haben wir aber auf jeden Fall die richtige Arbeitsmentalität.

Was macht den besonderen Reiz der Startup-Szene in Holzwickede und Umgebung aus?
Marx: Wir sind in unserer Heimatstadt Unna gestartet. Hier im Kreis Unna/Dortmund gab es zu Beginn unseres Startups im Jahr 2012 keine richtige Startup-Szene. Und als Startup ist man bei uns im Dortmunder Raum auch 2019 noch ein wahrer Exot. Von diesem Umstand geht aber auch ein gewisser Reiz aus.

Was ist im Ruhrgebiet einfacher als in Berlin – und umgekehrt?
Krahn: In Berlin ist es sicherlich einfacher, Kontakte zu pflegen und sich zu vernetzen. Viele abendfüllende Events stehen zur Auswahl, das Netzwerken wird dort großgeschrieben. Mit dieser Hülle und Fülle kann das Ruhrgebiet hinsichtlich von Netzwerken und Startup-Events nicht mithalten. Im Umkehrschluss ist dies natürlich auch ein Vorteil für uns. Wir können und dürfen uns auf das Wesentliche fokussieren: auf die Maloche!

Was fehlt in Holzwickede bzw. im Ruhrgebiet noch?
Marx: Die Überzeugungsarbeit, dass aus einem kleinen Startup etwas Großes werden kann, fehlt im Ruhrgebiet noch. Es gibt auch in unseren Breitengraden viele Erfolgsstorys, die aber auch nach außen getragen werden müssen. Man muss sich nicht profilieren, aber man sollte sich auch nie zu klein machen, denn die bessere Currywurst gibt’s auf jeden Fall bei uns im Ruhrgebiet!

Zum Schluss hast du drei Wünsche frei: Was wünscht du dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Krahn: Wer an Startups denkt, denkt automatisch an viele Klischees. Ja, wir sind vielleicht jung und hip, bei uns gibt es einen Kicker und auch noch viel mehr. Aber: Wie wichtig Startups für die Zukunft der gesamten Wirtschaft sein können, dass wir Talentschmieden sind und sogar große Unternehmen von uns lernen können, wird oft nicht thematisiert. Hier wünschen wir uns mehr Anerkennung, mehr Unterstützung und auch mehr Verständnis für junge Gründer – seitens der Politik, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit. Von einem regen Austausch zwischen großen und kleinen, etablierten und jungen Unternehmen profitieren beide Seiten. Zudem denken viele Städte im Ruhrgebiet nur bis zur eigenen Stadtgrenze – wenn sie sich selbst untereinander besser vernetzen würden, würden sich viele bürokratische Hürden auflösen. Unsere Metropolregion hat so viel Potenzial. Warum nutzen wir das allesamt nicht besser? Und zu guter Letzt wünschen wir uns mehr Selbstbewusstsein: Es gibt so viele Unis, so viele qualifizierte Menschen und echte Malocher hier im Ruhrgebiet – ob sie nun studiert haben oder nicht. Sie alle sollten das Selbstbewusstsein haben, ihre Ideen in die Tat umzusetzen.

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. ds, die Gründerallianz Ruhr und der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

Einhörner an der Emscher?! #BUCHTIPP

Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher – Startups im Ruhrgebiet“ erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet. Viele mutige Ruhrgebietler setzten in den vergangenen Jahren ihre Ideen um und gründeten eigene Unternehmen. Diese spannenden Startups sind aber oftmals in der Region nicht bekannt. Das will dieses Buch ändern! Jetzt bestellen!

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Foto (oben): Urlaubsguru

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.