#Zahlencheck Erstmals Millionenverlust – 9,6 Millionen – bei Signavio

Erstmals in der jungen Firmengeschichte fährt das Berliner Startup Signavio einen Millionenverlust ein. Vor allem der Personalaufwand der Jungfirma stieg zuletzt deutlich - von 6,1 Millionen auf 10,2 Millionen. Das Fazit der Hauptstädter ist dennoch positiv.
Erstmals Millionenverlust – 9,6 Millionen – bei Signavio

Das Berliner Startup Signavio, ein Unternehmen rund um das Thema Business Process Management, präsentierte sich bisher als Firma, die Verluste kaum kannte. Diese Zeiten sind nun vorbei! Inzwischen präsentiert sich die Jungfirma, die von Torben Schreiter, Nicolas Peters, Willi Tscheschner und Gero Decker gegründet wurde, als Unternehmen im massiven Wachstumsmodus. Der brandneue Jahresabschluss für 2017 zeigt einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 9,6 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es nur 517.307 Euro. Vor allem der Personalaufwand der Jungfirma stieg zuletzt deutlich – von 6,1 Millionen auf 10,2 Millionen. Im Jahresdurchschnitt beschäftigte Signavio 137 Mitarbeiter. Im Vorjahr waren es nur 83.

“Auch 2017 ist die Signavio GmbH weiter gewachsen. In 2016 wurde damit begonnen, das Geschäftsmodell von dem Mischmodell Lizenzverkauf und SaaS auf nur SaaS umzustellen. Dies führte dazu, dass der realisierte Umsatz in 2017 gegenüber dem Vorjahr um 25,7 % von 9,9 auf 12,4 Mio. EUR wuchs, während der New ARR (neu gewonnene Annual Recurring Revenue) um 35,9 % auf 5,3 Mio EUR (Vorjahr 3,9) wuchs”, teilt das Unternehmen mit. Das Fazit der Hauptstädter ist dementsprechend gut: “Insgesamt beurteilt die Geschäftsführung den Verlauf des Geschäftsjahres 2017 und die wirtschaftliche Lage von Signavio als positiv”.

Auch für das abgelaufene Jahr 2018 und auch für 2019 erwartete bzw. erwartet das Unternehmen “ein beschleunigtes Wachstum”. Das Team soll insbesondere in den Abteilungen Vertrieb sowie in Forschung und Entwicklung weiter wachsen. “Signavios starkes Wachstum wird auch in der Zukunft maßgeblich davon abhängen, hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte zu gewinnen und auch zu halten. Die Fluktuation ist gering und die Mitarbeiterzufriedenheit hoch. Um den erhöhten Recruiting-Bedarf ab 2017 sicherzustellen, wurde die Personalabteilung ausgebaut und interne Recruiter eingestellt. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass es nicht in allen Bereichen gelingt, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, bzw. dass qualifizierte Mitarbeiter das Unternehmen verlassen”, heißt es dazu im Jahresabschluss.

Sowohl 2018 als auch 2019 wird Signavio weiter Verluste ausweisen. Deswegen wird das Unternehmen “für die weitere Expansion in 2019” auch “zusätzliche finanzielle Mittel benötigen, die über eine Eigenkapitalerhöhung gewonnen werden sollen”. Zuletzt flossen 15,5 Millionen in Signavio.

Fakten aus dem Jahresabschluss 2017
* Auch 2017 ist die Signavio GmbH weiter gewachsen. In 2016 wurde damit begonnen, das Geschäftsmodell von dem Mischmodell Lizenzverkauf und SaaS auf nur SaaS umzustellen. Dies führte dazu, dass der realisierte Umsatz in 2017 gegenüber dem Vorjahr um 25,7 % von 9,9 auf 12,4 Mio. EUR wuchs, während der New ARR (neu gewonnene Annual Recurring Revenue) um 35,9 % auf 5,3 Mio EUR (Vorjahr 3,9) wuchs.
* Signavios starkes Wachstum wird auch in der Zukunft maßgeblich davon abhängen, hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte zu gewinnen und auch zu halten. Die Fluktuation ist gering und die Mitarbeiterzufriedenheit hoch. Um den erhöhten Recruiting-Bedarf ab 2017 sicherzustellen, wurde die Personalabteilung ausgebaut und interne Recruiter eingestellt. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass es nicht in allen Bereichen gelingt, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, bzw. dass qualifizierte Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.
* Für 2018 und 2019 wird ein beschleunigtes Wachstum erwartet. Es sollen mehr Mitarbeiter insbesondere im Vertrieb und in Forschung und Entwicklung eingestellt werden. Die Internationalisierung soll weiter vorangetrieben werden. Dies wird zu einem Umsatzwachstum führen, dass sich aufgrund des Geschäftsmodells jedoch zeitverzögert im realisierten Umsatz niederschlagen wird. In 2018 und 2019 wird weiterhin ein Verlust ausgewiesen werden, da sich die Investitionen in Personal und Technologie erst zeitverzögert in den Folgejahren auszahlen werden.
* Die Gesellschafter der Signavio GmbH haben im Februar 2018 Kapitalerhöhungen (Einzahlung in die Kapitalrücklage) in Höhe von EUR 15,5 Mio. durchgeführt, um den für 2018 und 2019 geplanten Liquiditätsbedarf zu decken. Für die weitere Expansion in 2019 wird die Gesellschaft zusätzliche finanzielle Mittel benötigen, die über eine Eigenkapitalerhöhung gewonnen werden sollen.
* Insgesamt beurteilt die Geschäftsführung den Verlauf des Geschäftsjahres 2017 und die wirtschaftliche Lage von Signavio als positiv. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde ein deutliches Wachstum erreicht und wichtige Weichen für die weitere Entwicklung in der Zukunft gestellt. Signavio wird 2018 und 2019 voraussichtlich an die starke Geschäftsentwicklung des vergangenen Geschäftsjahres anknüpfen können.

Signavio im Zahlencheck

2017: 12,4 Millionen Euro (Umsatz); 9,6 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2016: 9,9 Millionen Euro (Umsatz)*; 517.307 Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 8,0 Millionen Euro (Umsatz)*; 374.006 Euro (Jahresüberschuss)
2014: 1,6 Millionen Euro (Jahresüberschuss)
2013: 590.741 Euro (Jahresüberschuss)
2012: 373.009 Euro (Jahresüberschuss)
2011: 303.531 Euro (Jahresüberschuss)
2010: 131.727 Euro (Jahresüberschuss)
2009: 17.940 Euro (Jahresüberschuss)

* Nach BilRUG. Vor BilRUG: 8,6 Millionen Euro (2016) und 6,6 Millionen (2015).

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Foto (oben): Signavio

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.