#Interview “Wir sind um 1.000 % gewachsen. Und bisher fast ausschließlich organisch!

Im Gegensatz zu Bullet und Digitalkasten gibt es Caya noch immer! "So richtig ist es bei uns 2018 losgegangen, wobei wir Anfang letzten Jahres rund 320 Kunden hatten", sagt Gründer Alexander Schneekloth. Es folgten 1000 % Wachstum. Und auch das Team wuchs zuletzt deutlich!
“Wir sind um 1.000 % gewachsen. Und bisher fast ausschließlich organisch!

Gleich mehrere Startups kümmerten sich zuletzt um die Digitalisierung von Briefpost. Bullet und Digitalkasten, wo Kreditech-Gründer Sebastian Diemer aktiv war, sind aber schon wieder vom Markt verschwunden. Das Berliner Startup Caya, unter anderem von Holtzbrinck Ventures finanziert, wächst dagegen weiter. “Unser Team ist im letzten halben Jahr von 5 auf 24 Mitarbeiter angewachsen. In Sachen Umsatz können wir leider nicht allzu viel preisgeben. Allerdings liegt er bereits im siebenstelligen Bereich auf Jahresebene und wächst monatlich zweistellig. Das schöne ist, der Großteil davon sind Abogebühren – also monatlich wiederkehrender Umsatz”, sagt Gründer Alexander Schneekloth. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Caya-Macher außerdem über schlanke und effiziente Prozesse, organisches Kundenwachstum und Verträge.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Caya erklären?
Du kommst nach Hause und Dein Briefkasten quillt über mit Amtsschreiben und anderen unangenehmen Aufgaben. Kennst Du das? Mit Caya ist das vorbei, denn Du empfängst Deine tägliche Briefpost via Web und App. Deine gesamte Post wird von Caya automatisch gescannt und auf Wunsch archiviert. Die gescannte Post wird in Deinem Caya-Posteingang bereitgestellt und Du kannst sie jederzeit einfach wiederfinden oder weiterleiten. Caya vereinfacht außerdem die Bearbeitung, zum Beispiel indem Du empfangene Rechnungen direkt aus der App heraus bezahlen kannst. Was das für Dich persönlich bedeutet? Caya macht es Dir einfach, Dein Leben selbstbestimmt im Griff zu haben. Denn es befreit vom Papier und macht es möglich, Dich um Deine Briefpost zu kümmern, wann und wo immer es Dir passt. Damit gibt Caya Dir das Wertvollste überhaupt zurück: kostbare Zeit, Lebensqualität und Freiheit.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Zu Beginn haben wir versucht zeitgleich Privat- und Geschäftskunden für unseren Service zu gewinnen. Heute haben wir zwar weiterhin ein Angebot für Geschäftskunden, fokussieren uns jedoch gerade im Marketing, der Produktentwicklung und den operativen Prozessen auf Privatpersonen. Ein Enterprise-Sales oder Key-Account Team gibt es bei uns – entgegen der ursprünglichen Planung – heute nicht. Dafür extrem schlanke und effiziente Prozesse die extrem skalierbar sind.

Wie funktioniert denn euer Geschäftsmodell?
Unsere Kunden schließen bei uns ein Abo ab. Für Privatkunden bieten wir dieses bereits für 2,99 Euro pro Monat an. Zu diesem Preis gibt es eine Post-Scan-Flatrate, unsere digitale Dokumentenablage inklusive Volltextsuche, sowie die Möglichkeit mit Caya empfangene Rechnungen mit wenigen Klicks direkt zu bezahlen. Nur wer besondere Anforderungen hat, wie sämtliche Post der Familie mit Caya zu empfangen oder sämtliche Post mit uns einlagern möchte, zahlt mehr.

Wettbewerber wie Bullet haben längst wieder aufgegeben. Was macht ihr anders?
Das Fundament muss stimmen. Die größte Herausforderung für uns war es einen effizienten, belastbaren, zuverlässigen Prozess für die Digitalisierung der Post aufzubauen. Dafür und um den Product-Market-Fit zu finden haben wir uns Zeit genommen und gleichzeitig hauptsächlich auf organisches Kundenwachstum gesetzt. Im Produkt lösen wir die essentiellen Dinge heute gut und intuitiv, während wir durch unsere exzellente Servicequalität fast keinen Churn haben. Dieser Fokus verbunden damit, dass wir im Marketing umsichtig agiert und zu keinem Zeitpunkt Geld aus dem Fenster geworfen haben, hat eine gute Basis für uns gelegt.

Euren Wettbewerber Digitalkasten habt ihr sogar selbst übernommen. Hat sich die Akquisition gelohnt?
Du wirst sicherlich verstehen, dass wir zu den genauen Zahlen Vertraulichkeit vereinbart haben. Ganz allgemein kann ich sagen, ja, der Deal hat sich für alle Seiten gelohnt.

Wie genau hat sich Caya denn seit der Gründung entwickelt?
So richtig ist es bei uns 2018 losgegangen, wobei wir Anfang letzten Jahres rund 320 Kunden hatten. Innerhalb des letzten Jahres sind wir dann um 1.000 % gewachsen. Was mich besonders stolz macht: wir sind bisher fast ausschließlich organisch gewachsen!

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Caya inzwischen?
Unser Team ist im letzten halben Jahr von 5 auf 24 Mitarbeiter angewachsen. In Sachen Umsatz können wir leider nicht allzu viel preisgeben. Allerdings liegt er bereits im siebenstelligen Bereich auf Jahresebene und wächst monatlich zweistellig. Das schöne ist, der Großteil davon sind Abogebühren – also monatlich wiederkehrender Umsatz.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Anfang 2018 hatten wir eine Investment Zusage von einem Business Angel. Die Verträge waren bereits unterschrieben, doch das Geld kam nicht. Der Business Angel war nicht liquide. Das hat mir deutlich gemacht, was viele Gründer schon lange wissen: Signing ist nicht gleich Closing.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben zu jedem Zeitpunkt nach der Prämisse “Customer First” gehandelt. Unsere Kunden vertrauen uns wichtige private Kommunikation an, das muss man sich bewusst machen und entsprechend handeln. Das bedeutet in diesem Geschäft vor allem auch Operative Exzellenz. Aus der Art und Weise wie wir damit umgehen, resultiert die mit Abstand beste Retention die ich bisher gesehen habe.

Wo steht Caya in einem Jahr?
In Sachen Produkt, werden wir in den kommenden Monaten weiter ordentlich zulegen. Bald können unser Kunden Ihren gesamten Papierkram aus der App heraus erledigen – egal ob bezahlen, teilen oder antworten, einfach alles soll mit ein paar Klicks bequem von unterwegs machbar sein. Wir haben richtig Bock ein Produkt zu bauen, daß das Leben von möglichst vielen Menschen zum Positiven beeinflusst. Dafür haben wir heute schon eine gute Basis und arbeiten zurzeit an den nächsten Entwicklungsstufen. Wir haben Großes vor, deswegen nehmen wir uns die entsprechende Zeit.

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Foto (oben): Caya

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.