#Hintergrund Im Ruhrgebiet schlägt das Herz der IndustrialTech-Szene

Was prägt nachhhaltig das Ruhrgebiet? Richtig, die Industrie. Nun mischt sich die junge Startup-Szene unter die großen Unternehmen und steht nahmhaften Branchengrößen unterstützend zur Seite. Hier unsere kleine Auswahl an spannenden IndustrialTech-Startups im Revier.
Im Ruhrgebiet schlägt das Herz der IndustrialTech-Szene

Stahl- und Montanunternehmen, Chemie, Energieversorger, Hochtechnologie – was steht mehr für das Ruhrgebiet als diese Industriezweige? Branchengrößen wie thyssenkrupp, Innogy, RWE und Evonik etwa haben ihre Firmensitze im Revier. Aber auch in anderen Städten zwischen Rhein und Ruhr dominieren – anders als in Berlin – auch heute noch die alten Industrien. Dies wirkt sich auch massiv auf die Startup-Szene im Revier aus.

Die Sparte der IndustrialTech-Startups zieht gerade im Ruhrgebiet immer größere Kreise. Vor allem in Bezug auf Themenfelder wie Data Analytics, Robotics und Sensorik bieten sich deswegen im Ruhrgebiet zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten für Startups, die die Digitalisierung der alten Industrienwelten vorantreiben.  Dies gilt aber auch umgekehrt: Die vielen jungen Unternehmen stehen der alteingesessenen Industrie des Ruhrgebiets mit Innovation und Zeitgeist zur Seite. Ein imposantes Beispiel dafür ist etwa das Event Beyond Conventions, das im Februar wieder stattfindet (Bewerbungen sind noch möglich). Bei der spannenden Veranstaltung suchen Unternehmen wie Siemens, Innogy und Aldi Süd aktiv nach Lösungen von und durch Startups. Kurzum: Das Ruhrgebiet ist ein IndustrialTech-Hotspot in Deutschland, der sich sehen lassen kann. Während andere von Industrie 4.0 reden, hat die digitale Zukunft im Revier längst begonnen.

“Gerade für Startups im B2B-Umfeld, im speziellen IndustrialTech, ist der unmittelbare Austausch zur Industrie natürlich von ultimativer Bedeutung. Im Ruhrgebiet bieten die ansässigen Unternehmen fortlaufend die Option entwickelte Konzepte und MVPs zu verifizieren. Wir beobachten hier mittlerweile ein großes Interesse der etablierten Unternehmen und stellen als ruhr:HUB natürlich gerne die Kontakte her”, sagt Oliver Weimann, Geschäftsführer des ruhr:HUB, einer DWNRW-Initiative, die Startups unterstützt, Unternehmen mit der Szene in Kontakt bringt und die Gründerkultur im Revier fördert.

“Es ist spannend zu sehen, wie sich die einzelnen erfolgskritischen Parameter wie technische Hochschulen, Industriepartner, Frühphasenfinanzierung und Entwicklung einer Startup-Community in den letzten Jahren ergänzen und sowohl Quantität als auch Qualität der Startups im IndustrialTech Sektor massiv steigt – vollkommen egal ob in IoT, Sensorik, Data Analytics, AI, VR/AR etc”, führt Weimann weiter aus.

Nun aber starten wir unseren Streifzug durch die Welt der IndustrialTech-Firmen, die ihren Sitz im Ruhrgebiet haben. Auffällig dabei: Gerade in Dortmund und Bochum sind viele dieser jungen Unternehmen zu Hause. Hier unsere kleine Auswahl an spannenden IndustrialTech-Startups.

IndustrialTech-Startups aus dem Ruhrgebiet, die jeder kennen sollte

com2m
Seit 2013 ist das junge Unternehmen com2m auf Lösungen für die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) spezialisiert. Geführt wird das Startup von Josef Brewing, Martin Peters und Stephan Sachweh. Anfang 2016 stieg der bekannte IT-Dienstleister adesso bei com2m ein und sicherte sich 24 % am Dortmunder Unternehmen, das die digitale Vernetzung von Maschinen und Geräten vorantreibt. Im Januar dieses Jahres übernahm adesso dann die Mehrheit am Unternehmen (60 %).

logarithmo
Hinter dem Dortmunder Unternehmen logarithmo stecken Felix Friemann, Sven Christian Müller und Sebastian Ruth. Das Trio entwickelt eine cloudbasierte Lösung für Energie- und Logistik-Probleme. Kunden finden bei logarithmo etwa ganz schnell Datenanalysen, Prognoseverfahren und Big-Data-Lösungen, die sie auf die Daten des eigenen Unternehmens anwenden können. Spezialwissen ist dafür nicht nötig.

Physec
Das Bochumer Startup, ein Spin-off des bekannten Horst Görtz Instituts für IT-Sicherheit (hgi), ist auf die angewandte Kryptographie im Internet der Dinge (IoT) spezialisiert. Das Unternehmen wurde 2014 von Heiko Koepke und Christian Zenger gegründet und beschäftigt sich mit Sicherheits- und Konnektivitätskonzepten.

Point 8
Mit Point 8 helfen Tobias Brambach, Christophe Cauet und Florian Kruse großen und kleinen Unternehmen beim schwierigen Weg in die Digitalisierung. “Wir bringen Big Data Know-how vom CERN in die Wirtschaft und unterstützen Unternehmen und Organisationen mit Datenanalyse, Machine Learning und Simulationen”, teilen die Gründer des Dortmunder Startups zu ihrer Idee mit.

sentin
Das Bochumer Startup sentin untersützt Unternehmen mit Data-Science- und Machine-Learning-Methoden ihre Produktion effizienter zu machen. Die klugen Köpfe hinter dem Unternehmen sind Maximilian Topp, Kai Lichtenberg, Christian Els und Arkadius Gombos.

talpasolutions
Die vier Jungs von talpasolutions, Sebastian-Friedrich Kowitz, Kai Meschede, Artem Zitzer und Philipp Lorenz, gründeten ihr Startup 2016 in Essen. Was sie machen? Sie sind Anbieter einer Internet-of-Things Plattform und helfen Unternehmen der Bergbauindustrie Gewinnungsprozesse zu optimieren, Maschinenausfälle zu reduzieren und die Sicherheit in Bergwerken zu erhöhen.

Visensys
Das Dortmunder Startup Visensys, das vom agile, dem Corporate Accelerator von E.ON und von startport unterstützt wird, stellt eine intelligente Bildverarbeitungssoftware bereit, die in der Lage ist, Bewegungen zu erkennen. Objekte zu zählen und Fehlfunktionen zu erkennen. So sollen anhand von Aufnahmen durch Sicherheitskameras kritische Situationen identifiziert werden können , ohne die Privatsphäre von Menschen zu verletzen.

Ingpuls
Das nicht mehr ganz so junge Startup aus Bochum wurde 2009 von Christian Großmann, Burkhard Maaß und André Kortmann gegründet und ist deutschlandweit der einzige Hersteller für Formgedächtnislegierungen (FGL). Konkret bedeutet das, dass die Legierungen in der Lage sind, sich an ihre ursprüngliche Form zurückzuerinnern, quasi intelligente Werkstoffe.

MotionMiners
Das Dortmunder Startup um die Gründer
Sascha Feldhorst, René Grzeszick und Sascha Kaczmarek bietet mithilfe von Sensoren und Machine-Learning-Algorithmen die Möglichkeit der Analyse manueller Arbeitsprozesse und zeigen Unternehmen somit Verbesserungspotentiale auf. Ausserdem wird das Startup im Rahmen des EXIST-Programms durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

zolitron
Das IoT-Startup zolitron ist 2016 aus der Ruhr-Universität Bochum entstanden. Gründer Arndt-Hendrik Zinn hat es sich zur Aufgabe gemacht die Füllstände verschiedener Abfallsammelsysteme im Bochumer Stadtgebiet zu überwachen, um passende Leerungen zu ermöglichen.

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. ds, die Gründerallianz Ruhr und der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

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Foto (oben): Shutterstock

Sümeyye Algan, Redakteurin bei deutsche-startups.de, mit Blick aufs Ruhrgebiet, seine Geschichten und Persönlichkeiten. Nach zwei Praktika bei der WELT in Berlin und dem WDR in Essen, arbeitete sie u.a. für den WDR und als freie Autorin für Informer Online.