#Zahlencheck tado: Umsatz schrumpft – Verluste steigen deutlich

Eigentlich wollte der Münchner IoT-Star seinen Umsatz auch 2016 steigern. Der Plan schlug aber fehl! "Bedingt durch Kapazitätsengpässe aufgrund zahlreicher Produktneuheiten weisen wir im Geschäftsjahr 2016 geringere Umsatzerlöse aus als im Vorjahr", heißt es im Jahresabschluss 2016.
tado: Umsatz schrumpft – Verluste steigen deutlich

In den vergangenen Jahren flossen imposante 50 Millionen Euro in das Münchner Startup tado. Damit ist das 2011 gegründete Unternehmen eine der international am besten kapitalisierten IoT-Firmen. Die Bajuwaren machen mit ihrer Technologievsowohl alte, als auch neue Heizungssysteme fit für das Internet-Zeitalter. Das tado-Team will seinen Nutzern so helfen, Energiekosten zu sparen. Investoren wie InvenCapital, der Venture Capital-Zweig des tschechischen Energiekonzerns Cez Group, Target Partners, Shortcut Ventures, BayBG, Siemens und Statkraft Ventures unterstützen die intelligente Heizungssteuerung bisher. Zuletzt – im Frühjahr 2016 – flossen 20 Millionen in das Startup.

Die hohen Erwartungen konnte tado damals aber nicht erfüllen. “Bedingt durch Kapazitätsengpässe aufgrund zahlreicher Produktneuheiten im 4. Quartal 2016 weisen wir im Geschäftsjahr 2016 geringere Umsatzerlöse aus als im Vorjahr”, heißt es im Jahresabschluss 2016. Das Rohergebnis fiel um 26,6 % – von 3,7 Millionen Euro (2015) auf 2,7 Millionen. Die Personalkosten stiegen dagegen um 35,3 % – von 4,4 Millionen auf knapp 6 Millionen. 2016 wirkten 94 Mitarbeiter bei tado. Unter dem Strich stieg der Jahresfehlbetrag deswegen um 79,9 % – von 6,3 Millionen auf 11,3 Millionen. Aus den Vorjahren gibt es keine vergleichbaren Zahlen. Insgesamt aber summieren sich die Verluste von tado seit dem Start auf rund 22 Millionen Euro.

Eigentlich wollte der IoT-Star seinen Umsatz auch 2016 steigern. “Der im Vorjahr prognostizierte Nachfrageanstieg durch die Einführung neuer Produkte hatte sich in diesem Geschäftsjahr zwar bestätigt, konnte jedoch nicht in eine entsprechende Erlöslage umgewandelt werden”, teilt das Unternehmen dazu mit. Was selbstredend nicht gut klingt. Die Münchner sind “jedoch zuversichtlich, was die weitere Entwicklung der Geschäftstätigkeit angeht”. Dafür muss der nächste Winter aber auch mal richtig kalt werden. tado erwirtschafte derzeit noch einen Großteil des Umsatzes in den Wintermonaten. Damit das Geschäft nicht auf Dauer auf das Jahresende fokussiert ist, setzt das tado-Team zudem auch seit 2015 auf eine schlaue Klimaanlagen-Fernbedienung. Wie die Startupper auf Anfrage mitteilen, lief der Winter 2017 dann auch “sehr gut”.

Vor Nest, weltweiter Marktführer in Sachen smarte Thermostate, hatte das Startup bisher keine Angst. 2015 hieß es im Jahresabschluss: “Die Erfahrungen zeigen, dass sich der Wettbewerb mit Nest aufgrund der technischen Überlegenheit des tado-Produktes und den bisherigen Fokus auf Europa durchaus bestehen lässt und im Gegenteil möglicherweise sogar zu einer positiven Geschäftsentwicklung beiträgt, weil der Gesamtmarkt wächst und die Wahrnehmung der Themen Smart Home und Intelligent Climate Control zunimmt”. Nest (gehört zu Google) ist seit Ende des vergangenen Jahres auch in Deutschland aktiv. Ob Nest tado nun hilft oder schader, wird sich somit erst in diesem und im kommenden Jahr zeigen. Und ganz nebenbei konkurriert tado inzwischen auch mit klassischen Heizungsherstellern wie Viessmann, die längst auch digital arbeiten. Von tado heißt es dazu: “tado arbeitet bereits seit längerem eng mit Viessmann zusammen und verkauft gemeinsame Produkte in mehreren europäischen Ländern wie zum Beispiel Italien, Frankreich, Spanien, Belgien und in Kürze auch Großbritannien”.

2017 sollte tado laut eigenen Angaben aber erst einmal “auf den Wachstumspfad der Vorjahre zurückkehren. Auch der Jahresfehlbetrag sollte im Vergleich zu 2016 deutlich reduziert werden können”. Weiter teilt die Jungfirma mit: “Die Position der Gesellschaft als einer der Marktführer in Europa im Bereich intelligenter Heizungssteuerungen kann für das Geschäftsjahr 2017 weiterhin als gesichert angenommen werden”. Wobei wir hier von einem Marktführer mit niedrigem Umsatz und gewaltiger Konkurrenz reden.

Wie das Geschäft im vergangenen Jahr gelaufen ist, teilt tado auf Anfrage nicht mit. Gegenüber Gründerszene ließ Mitgründer Christian Deilmann kürzlich verlauten, dass man 2017 deutlich mehr Produkte habe verkaufen können als vorher. Von 300 % Umsatzwachstum spricht er dabei. “2017 ist tado wieder auf den Wachstumspfad zurückgekommen. Das liegt vor allem an den Partnerschaften mit großen Energieversorgern und mit Google, Apple und Amazon”, sagt Deilmann auf Anfrage. Wir sind gespannt auf den kommenden Jahresabschluss.

Fakten aus dem Jahresabschluss 2016

* Bedingt durch Kapazitätsengpässe aufgrund zahlreicher Produktneuheiten im 4. Quartal 2016 weisen wir im Geschäftsjahr 2016 geringere Umsatzerlöse aus als im Vorjahr. Der im Vorjahr prognostizierte Nachfrageanstieg durch die Einführung neuer Produkte hatte sich in diesem Geschäftsjahr zwar bestätigt, konnte jedoch nicht in eine entsprechende Erlöslage umgewandelt werden.
* Unsere wesentliche Ergebnisquelle stellt der Verkauf unserer Produkte über die verschiedenen Vertriebskanäle dar. Unsere Umsätze hängen dabei stark von saisonalen Faktoren ab. So wird derzeit noch ein Großteil des Umsatzes in den Wintermonaten erwirtschaftet.
* Die Personalkosten sind aufgrund wachsender Beschäftigtenzahlen im gleichen Zeitraum gestiegen. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erhöhten sich heterolog zu der Umsatzentwicklung. Der größte Posten war dabei der Anstieg der Marketingkosten.
* Der Jahresfehlbetrag ist gegenüber dem Vorjahr um TEUR – 5.003 auf TEUR – 11.264 angestiegen. Damit bleibt das Jahresergebnis auch in 2016 negativ.
* Wir erwarten, dass die Umsatzerlöse in 2017 deutlich gesteigert werden können und die Gesellschaft auf den Wachstumspfad der Vorjahre zurückkehrt. Auch der Jahresfehlbetrag sollte im Vergleich zu 2016 deutlich reduziert werden können.

tado im Zahlencheck

2016: 2,7 Millionen Euro (Rohergebnis); 11,3 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 3,7 Millionen Euro (Rohergebnis); 6,3 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)

Podcast

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Foto (oben): tado

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.