LEX superior und die Ochsenkarren “Die technische Realität zieht an Juristen vorbei”

"Die juristische Ausbildung an den Universitäten und im Referendariat ist äußerst ineffizient. Bildlich gesprochen reitet der heutige Jurist während seiner Ausbildung immer noch auf einem Ochsenkarren durch die Welt", sagt LEX superior-Mitgründer Tianyu Yuan.
“Die technische Realität zieht an Juristen vorbei”

Das Startup LEXsuperior setzt bei der juristischen Ausbildung an und arbeitet daran, einen juristischen Ausbildungsstandard zu setzen. Das Team um Gründer Tianyu Yuan schafft ein Interface, aus dem Jurastudenten und Referendare sich zuverlässig und zeiteffizient, jederzeit und überall auf Klausuren und auch das Examen vorbereiten können.

Hierdurch sollen Juristen auch schon während der Ausbildung die Zeit gewinnen, um sich mit den wirklich wichtigen Fragestellungen der heutigen Welt juristisch auseinandersetzen zu können. “Unsere Gesetze-App wird für Studenten, Referendare und interessierte Bürger kostenlos bleiben, da der komfortable Zugang zu Gesetzen ein wichtiges Gemeingut unseres Rechtsstaats ist. Geld verdienen wollen wir durch zusätzliche Features, die wir auf die bereits bestehende Version aufsetzen werden”, erklärt Mitgründer Yuan das Geschäftsmodell hinter Lex superior.

“Unser Start-up arbeitet daran, einen juristischen Ausbildungsstandard zu setzen “

Im Mini-Interview mit deutsche-startups.de spricht LEX superior-Mitgründer Tianyu Yuan über Ochsenkarren, die technische Realität und juristische Inhalte.

Welches Problem wollen Sie mit Lex superior lösen?
Die juristische Ausbildung an den Universitäten und im Referendariat ist äußerst ineffizient. Bildlich gesprochen reitet der heutige Jurist während seiner Ausbildung immer noch auf einem Ochsenkarren durch die Welt, während die technologische Realität schon längst an ihm vorbeigezogen ist. Ein Grund ist, dass die heutige Ausbildung über fast die gesamte Ausbildungszeit hinweg alte und ausdiskutierte Fragen sehr zeitaufwendig künstlich wieder und wieder neu „erfindet“, statt sich aktuellen Fragestellungen zuzuwenden. Zudem findet Jura auf einem Flickenteppich von jeweils für sich unvollständigen Lehrmaterialien statt, die häufig auch falsche Inhalte als richtig verschleiern. Perspektivisch werden wir aber auch Tools anbieten, mit denen Juristen intellektuell wenig herausfordernde, aber mühsame Aufgaben teilautomatisiert erledigen können. Und wir haben auch die Themen Big Data und künstliche Intelligenz im Blick und wollen praktische Anwendungsmöglichkeiten für den juristischen Bereich erproben.

Jede Woche entstehen dutzende neue Start-ups, warum wird ausgerechnet Lex superior ein Erfolg?
Unser Kernteam kombiniert die Fähigkeiten und Kompetenzen und auch die Ausdauer, die für einen Erfolg entscheidend sind. Alex bringt als unser Softwareentwickler über 15 Jahre Programmiererfahrung mit. Johannes ist zwar studierter Jurist, hat sich aber auch autodidaktisch Programmieren beigebracht und entwickelt an der App mit. Tianyu hat technische Kybernetik in Stuttgart studiert und beide juristischen Staatsexamina in Heidelberg abgelegt. Gleichzeitig denken wir drei alle sehr zielorientiert und unternehmerisch. Zudem verbindet uns eine langjährige und das gegenseitige Vertrauen stiftende Freundschaft. Wir sind aber nicht nur zu dritt, sondern unserem Team gehören auch weitere Juristen an, die jeweils herausragende Examina abgelegt haben und mit uns gemeinsam die Inhalte erstellen. Damit werden unsere Produkte eine inhaltliche Qualität haben, die um mehrere Faktoren besser sind, als alles andere, was heute auf dem Markt angeboten wird.

Wer sind Ihre Konkurrenten?
Was die Gesetze-App betrifft, existieren bereits etliche Anwendungen in den App-Stores, die allerdings von der Usability her alle defizitär sind. Kein Jurastudent oder Referendar würde mit ihnen Fälle bearbeiten wollen. Sie sind eher entweder als Nachschlagewerk für den interessierten Laien oder punktuell für die juristische Forschung interessant. Was die juristischen Inhalte anbelangt stehen wir in Konkurrenz zu den etablierten Anbietern juristischer Ausbildung. Allerdings machen auch diese von den Möglichkeiten des digitalen Zeitalters nicht umfassend Gebrauch, sondern stellen allenfalls Lernmaterialien und -videos online. Wir wollen hingegen auch die hinter dem Recht stehende Logik selbst zu einem gewissen Teil digitalisieren.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.