Freemium ade: Sprachlernplattform babbel wird kostenpflichtig

Radikale Kehrtwende bei der Sprachlernplattform babbel (www.babbel.com): Das Berliner Start-up wirft das bisherige Freemuim-Modell über Bord und wird kostenpflichtig. Bisher konnten die rund 500.000 registrierten Nutzer einen Teil des Angebots kostenlos nutzen. Ab […]
Freemium ade: Sprachlernplattform babbel wird kostenpflichtig

Radikale Kehrtwende bei der Sprachlernplattform babbel (www.babbel.com): Das Berliner Start-up wirft das bisherige Freemuim-Modell über Bord und wird kostenpflichtig. Bisher konnten die rund 500.000 registrierten Nutzer einen Teil des Angebots kostenlos nutzen. Ab sofort sind nur noch die “die ersten Schritte der angebotenen Kurse kostenlos”. Für den vollen Zugang zu den Lerninhalten müssen die Nutzer – je nach Buchungszeitraum – zwischen 4,95 und 8,95 Euro im Monat auf die virtuelle Theke legen. Das junge Unternehmen entscheidet sich damit bewusst gegen die bisherige Werbe- bzw.Mischfinanzierung. “Unsere Kunden sind die Lerner, nicht die Werbetreibenden”, sagt Gründer und Geschäftsführer Markus Witte. “Nur so können wir das Produkt auf den Lernnutzen optimieren ohne laufend auf die ideale Platzierung von Werbung Rücksicht nehmen zu müssen.”

Betrieben wird babbel von der im August 2007 gegründeten Lesson Nine GmbH. Zur Gründermannschaft gehören Thomas Holl, Toine Diepstraten, Lorenz Heine und Markus Witte. Die noch junge Beteiligungsfirma Kizoo und die IBB Beteiligungsgesellschaft investierten im vergangenen Jahr jeweils einen sechsstelligen Betrag in die Sprachlernplattform. Dazu gesellte sich in diesem Jahr eine Finanzierung über rund eine Million Euro im Zuge des Berliner ProFIT-Programms. Zeitgleich mit dem neuen Monetarisierungskonzept bietet babbel zahlreiche neue Lerninhalte an – unter anderem neue Anfängerkurse, zahlreiche Grammatik-Übungen, kurze 10-Minuten-Trainings sowie Anwendungs- und Verständnisübungen. Bleibt die Frage, wie die bisherigen Nutzer das neue Konzept aufnehmen. Ohne Risiko ist so ein Wechsel sicherlich nicht: Die bisherigen User müssen erst einmal überzeugt werden, künftig für das Angebot zu zahlen. Keine leichte Aufgabe.

“Wir stehen vor einer großen Veränderung”

Für viele Internet-Nutzer sei das Bezahlen noch immer ein Tabu, teilt das babbel-Team mit. Durch den großen Erfolg werbefinanzierter Dienste werde eine kostenlose Nutzung oft als selbstverständlich vorausgesetzt und eingefordert. “Wir stehen vor einer großen Veränderung”, sagt Markus Witte, “denn je mehr das Internet Teil unseres Lebens wird und wir wichtige Bedürfnisse darüber erfüllen, desto eher werden wir Wert auf Qualität und professionelle Aufbereitung legen.”

Was meinen Sie: Ist die Umstelltung von Freemuim auf ein Abomodell die richtige Entscheidung? Meinungen bitte in den Kommentaren hinterlassen!

Hausbesuch bei babbel

Das Berliner Start-up babbel residiert in einer wunderschönen Altbauwohnung in Kreuzberg. Die Räume der Sprachlernplattform zeichnen sich durch hübsche Lampen, Geheimfächer und Pflanzen im Oster-Weihnachtslook aus. Einige Eindrücke in unserer Fotogalerie.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Petra Panther

    Warum der Paukenschlag? Warum die Komplettumstellung?
    Für mich wirkt das so, als ob es der Versuch eines letzten Befreiungsschlages ist, der vielleicht auch von den Investoren gefordert wurde?

    Ansonsten kann man sich so eine Hau-Ruck Aktion nicht erklären. Oder? Es besteht doch die Gefahr, dass man 99% der User verliert…

  2. Es wird sich immer mehr die Erkenntnis durchsetzen, dass rein werbefinanzierte Dienste in der Regel einfach nicht profitabel sein können. Jedes Unternehmen muss letztlich etwas anbieten können, wofür Nutzer bereit sind zu zahlen – sonst wäre das Angebot ja auch im wahrsten Sinne des Wortes “wertlos”; warum sollten die Regeln im Internet anders sein, als in der realen Welt? Es gibt ja auch kein Kino, welches allein durch die Werbespots profitabel sein und auf Eintrittspreise verzichten könnte.

  3. Pingback: Tweets die Freemium ade: Sprachlernplattform babbel wird kostenpflichtig :: deutsche-startups.de erwähnt -- Topsy.com

  4. Der Weg weg von Freemium ist ein sehr mutiger Schritt. Dieser ist total vom Publikum und der Stimmung der Nutzergemeinschaft abhängig. Daher kann auch (falls es hier klappt) nicht einfach EIN erfolgreicher Versuch Freemium abzusetzen als Referenz für sein eigenes Produkt gezogen werden.
    Ich bewundere den Mut und bin gespannt, ob am Ende des Tages mehr Geld in der Kasse ist als vorher…



  5. "... und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!"

    Das sehe ich auch so: eine Verzweiflungstat und meines Erachtens eine sehr späte (vielleicht zu späte) Einsicht! Dass Werbefinanzierung nur mit ausreichender Reichweite funktioniert, hätte vorher klar sein können. Klassischer Anfängerfehler oder pure Selbstüberschätzung? Auf alle Fälle komplett am Nutzer vorbei: denn beim Lernen sollte sich der Nutzer konzentrieren dürfen und nicht von Werbung abgelenkt werden! Aber vielleicht ist es auch nur ein Vorwand, denn ich habe auf babbel niemals Werbung wahrgenommen. Aber auch für das Freemium-Modell ist kritische Masse Voraussetzung. Dies lässt bei babbel den Schluß zu, dass ein Pool von 500.000 Nutzer nicht genug war, um daraus genug in “Zahlungswillige” zu konvertieren. Aber auch hier sind die 500.000 Nutzer nur die “halbe” Wahrheit, denn die Zahl der tatsächlich aktiven Nutzer dürfte eher im mittleren bis oberen 5-stelligen Bereich liegen. 500.000 ist die Summe aller jemals registrierten Nutzer. Kommt hinzu, dass etwa die Hälfte der Nutzer durch die “Übernahme” von friendsabroad zugekauft wurden (und babbel vielleicht nie gesehen bzw. gemocht haben). Die anderen sind relativ “teuer” (teuer auf das Freemium-Modell bezogen) mit Werbung und PR “eingekauft” worden. Ganz nach dem Motto “Bist Du nicht willig so brauch ich Gewalt” wird allen Freebies der Zugang gesperrt und ins kostenpflichtige Produkt gedrängt. noch dazu in ein mittelmäßiges Produkt zu verlangen ist wirklich “mutig” Ich bezweifle, dass die Nutzer sich wie eine Herde Vieh in den “Bezahl-Stall” treiben lassen. -> siehe auch Kommentare der Nutzer. Damit sind die bisher gewonnen Kunden “wertlos” und “ganz neue” Kunden müssen beworben werden! Und dafür braucht´s frisches Geld! Nur eine Finanzierung hat babbel trotz roadshow in den letzten Monaten nicht bekommen. Deshalb jetzt auch EUR 1 Mio. Fördergelder. Die Frage bleibt: Für was?

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