Jetzt offiziell: Lars Hinrichs tritt ab

Das Warten hat ein Ende: Xing bestätigt den Abgang von Lars Hinrichs, Gründer und Vorstandschef des Business-Netzwerkes Xing (www.xing.com). Mitte Januar übergibt Hinrichs den Chefsessel – wie vermutet – an Stefan Groß-Selbeck, seit […]

Das Warten hat ein Ende: Xing bestätigt den Abgang von Lars Hinrichs, Gründer und Vorstandschef des Business-Netzwerkes Xing (www.xing.com). Mitte Januar übergibt Hinrichs den Chefsessel – wie vermutet – an Stefan Groß-Selbeck, seit mehreren Jahren bei eBay beschäftigt. Der derzeitige eBay-Deutschlandchef hat bei seinem jetzigen Arbeitgeber gerade den großen Teil seiner Macht eingebüßt. Bei Xing soll Groß-Selbeck die Wachstumsstrategie weiter vorantreiben. “Ich freue mich sehr darauf, ein so dynamisches und erfolgreiches Unternehmen zu führen. Xing ist hervorragend positioniert und die Strukturen für die Skalierbarkeit des Geschäfts sind bereits geschaffen. Jetzt kommt es darauf an, die anstehende Phase des weiteren Unternehmenswachstums erfolgreich zu gestalten”, sagt der künftige Vorstandschef des Hamburger Unternehmens.

Und was wird aus Hinrichs? Der wechselt in den Aufsichtsrat. “Nachdem ich Xing gegründet und fünf Jahre als CEO geführt sowie die Strukturen für die Skalierbarkeit des Geschäftes geschaffen habe, gebe ich nun die Verantwortung an einen sehr erfolgreichen und erfahrenen Internet-Manager weiter. Xing ist erwachsen und längst von einem erfolgreichen Start-up zu einem profitablen mittelständischen Unternehmen mit hervorragenden Wachstumsperspektiven geworden”, sagt Hinrichs. Der Gründer ist überzeugt, dass Xing unter Groß-Selbeck seine Erfolgsgeschichte fortschreiben werde. “Als Geschäftsführer von eBay Deutschland besitzt er langjährige Branchenexpertise, über die nur wenige erfahrene Manager verfügen. Ich freue mich sehr, dass wir ihn für Xing gewinnen konnten.”

“Über Monate hinweg geplant”

Hinrichs, Jahrgang 1976, schickte das Business-Netzwerk Xing im Jahre 2003 unter dem Namen OpenBC ins Netz. Drei Jahre später folgte der Gang an die Börse. Inzwischen verfügt der erfolgreiche Kontaktanbahnungsdienst über 6,53 Millionen Mitglieder, 513.000 Mitglieder davon greifen für Xing in ihr Portmonee. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschaftete Xing einen Umsatz von 25,08 Millionen Euro und damit bereits 28 % mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Im August dieses Jahres kürte eine Fach- und Leserjury von deutsche-startups.de Hinrichs zu Deutschlands wichtigstem Web-Gründer. Gerüchte über den Abgang Hinrichs kamen Ende der vergangenen Woche auf. Diese wurden in der Folge nicht ernergisch genug dementiert, so dass die Branche seitdem auf die offizielle Meldung gewartet hat.

Einzig die von der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX verbreitete Meldung, dass Hinrichs wegen einer Kontroverse über die Nutzung von Mitgliederdaten gestolpert sei, dementierte Xing vehement. Doch warum tritt Hinrichs ab? Im Gespräch mit deutsche-startups.de wehrt sich der zweifache Vater ebenfalls gegen Gerüchte, dass er zum Abgang gezwungen wurde. “Der Wechsel wurde über Monate hinweg geplant.” Eigentlich sollte der Abgang und der neue Unternehmenschef am Dienstag verkündet werden. Die brodelnde Gerücheküche machte jedoch ein schnelleres Handeln notwendig. Bis zum 15. Januar hält Hinrichs das Ruder bei Xing weiter fest in der Hand. Auch danach bleibt er dem Unternehmen verbunden: Nicht nur im Aufsichtsrat, sondern auch als größter Einzelaktionär. Auf die faule Haut will er sich auch künftig nicht legen: “Irgendwann werde ich wieder etwas Neues machen”. Den Zeitpunkt lässt er offen. Der Wunsch etwas Neues zu gestalten ist wohl auch der Hauptgrund für Hinrichs Abgang. Es ist nun einmal etwas anderes, eine Idee zu entwickeln bzw. umzusetzen und ein Unternehmen mit “über 170 tatkräftigen, sehr erfahrenen Mitarbeitern aus über 26 Nationen” zu führen. Für letztere Aufgabe hält Hinrichs seinen Nachfolger Groß-Selbeck offenbar für besser geeignet als sich selbst.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.