Fragestunde mit Sven Schmidt von verwandt.de – die Antworten

Den user-generated Fragen der Leser von deutsche-startups stellte sich dieses Mal Sven Schmidt vom Familiennetzwerk verwandt.de (www.verwandt.de). Das Interesse an verwandt.de scheint hoch zu sein: Innerhalb der vergangenen Woche erreichten zahlreiche Fragen die […]

Den user-generated Fragen der Leser von deutsche-startups stellte sich dieses Mal Sven Schmidt vom Familiennetzwerk verwandt.de (www.verwandt.de). Das Interesse an verwandt.de scheint hoch zu sein: Innerhalb der vergangenen Woche erreichten zahlreiche Fragen die Redaktion, die Sven Schmidt abschließend quasi im Sauseschritt beantwortet hat.

Bitte beschreiben Sie doch einmal ganz genau das Geschäftsmodell von verwandt.de.
Vorweg: Alle bisherigen Funktionalitäten von verwandt.de sind kostenlos und bleiben kostenlos.
1. Werbung
2. E-Commerce wie Ausdruck von Stammbäumen als Poster oder Erstellung von Familienbüchern auf Basis Nutzer generierter Inhalte
3. Subskription im Bereich Stammbäume für zusätzliche Features (Stichwort „Pimp Your Family Tree!“)
4. Subskription im Bereich Ahnenforschung für Zugang zu Datenbanken und speziellen Inhalten

Womit sollen die Erlöse erzielt werden, bzw. wie sollen die Investments in die Community monetarisiert werden?
Hoffe, die Antwort zur Thematik Geschäftsmodell (siehe 1.) beantwortet auch diese Frage.

Gibt es Pläne unabhängig von möglicher Werbung, das Geschäftsmodell zu monetarisieren?
Hoffe, die Antwort zur Thematik Geschäftsmodell (siehe 1.) beantwortet auch diese Frage.

Plant Ihr für verwandt.de eine Open Social Schnittstelle? Was halten Sie generell von Googles Vorstoß in diese Richtung?
Die Schnittstellenthematik haben wir mittelfristig auf der Agenda. Dabei stellt sich die Frage, ob man die Facebook-Schnittstelle „nachbaut“ oder ob man auf Open Social aufsetzt. Wir beobachten die Entwicklung und werden erst eine Entscheidung treffen, wenn diese ansteht.

Wie sieht der durchschnittliche Nutzer von verwandt.de aus, unter anderem hinsichtlich des Geschlechts und Alters?
Das Durchschnittsalter ist leicht unter 30 Jahre und verwandt.de hat etwas mehr Frauen als Männer.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, nicht nur ein Copy&Paste Produkt zu sein, sondern das amerikanische Vorbild zudem auch optisch nachempfunden zu haben?
Da bitte ich jeden, sich selbst ein Urteil zu bilden. verwandt.de sieht optisch einzigartig aus, insbesondere nach Login. Zudem sind wir mit unseren frischen Farben und Comic Avataren auch einzigartig positioniert.

Welche Zusatzfunktionen bietet verwandt.de noch, um vorzubeugen, dass die Mitglieder nicht nur einen Stammbaum eintragen, sondern das Portal auch regelmäßig nutzen.
Generell verfolgen wir zwei Stoßrichtungen:
1. Familien-zentrisches Social Network. Dies erfordert die Anreicherung der Plattform mit den typischen Funktionalitäten wie Freunde (in diesem Fall Familienfreude) hinzufügen, Photoalbum, Kommunikationsmöglichkeiten (Nachrichten, IM, Chat etc.), Startseite mit „Social Graph“, Gruppen etc. Diese Funktionalitäten schalten wir gerade schrittweise live.
Wobei wir uns eindeutig von „normalen“ Social Networks differenzieren. Zum einen sind wir die Summe von vielen kleinen Mikro Social Networks (Familienfreunde bilden nur die „Brücken zwischen Inseln“), zum anderen liegt der Fokus auf Familien-gerechten Inhalten. Wir glauben nicht daran, dass der Enkel will, dass die Oma seine StudiVZ-Bilder sieht.
2. Führende Browser-basierte Familienstammbaumsoftware mit Zusatzangeboten für Ahnenforscher. Wir bieten schon jetzt Gedcom Im- und Export plus Ausdrucksmöglichkeiten, jeweils komplett kostenlos. Aktuell arbeiten wie an Funktionalitäten wie der Darstellung des Stammbaums als Fächer, dem Export als PDF-Dokument oder der Zusammenlegung von verschiedenen Bäumen. In zwei bis drei Monaten werden wir die führende Lösung haben. Aktuell arbeiten acht Entwickler an verwandt.de

Haben Sie Sorge, dass verwandt.de ein Sammellager für Karteileichen werden könnte?
Nein. Wir müssen unsere Aktivitätsrate natürlich steigern, aber die weitere Verbesserung des Angebotes wird dem Rechnung tragen. Wir sind erst sechs Monate alt und vom Erfolg überrascht worden. Jetzt haben wir eine skalierbare Plattform, die wir kontinuierlich ausbauen werden.

Welche Erfahrungen gibt es dafür aus den angloamerikanischen Mutterseiten?
Der Weltmarktführer, The Generations Network, hat meines Wissens 800 Mitarbeiter und 2007 ca. 200 Millionen USD Umsatz gemacht, u.a. weil der Nutzer sehr gut bindet. Dieser wirtschaftliche Erfolg und das Wachstum des Segmentes zeugen von der Attraktivität des Marktes.

Wie fühlt man sich, wenn man mit einem Portal, das eher die Reichweite kleiner Nischenportale erzielt und aktuell keine Umsätze liefert, einen hohen Millionenbetrag an Risikokapital einwirbt? Hat man da keine Angst, die Erwartungen der Investoren zu enttäuschen?
Unsere weltweite Reichweite ist sicherlich größer als die von „Nischenportalen“, insbesondere wenn man bedenkt, dass wir erst sechs Monate alt sind. Wir bedienen einen globalen Massenmarkt: Reichweite ist keine Herausforderung.
Und über unsere Risikokapitalgeber mache ich mir keine Sorgen. Das sind renommierte und erfahrene Investoren, die jeweils eine sorgfältige Entscheidung unter Abwägung von Kosten und Nutzen getroffen haben.

Mit welchen Key-Argumenten konnten Sie Hasso Plattner Venture (HPV) überzeugen?
Zum einen hat HPV sicherlich unsere Traktion überzeugt, zum anderen natürlich auch die Vision. Am besten stellt man die Frage Rouven Westphal und Eran Davidson von HPV direkt. Es ist immer schwer, eine solche Frage aus Unternehmerperspektive zu beantworten.

Wie lange haben die Verhandlungen vom ersten Gespräch bis hin zur Vertragsunterzeichnung insgesamt gedauert?
Das ging super schnell: Vom ersten Meeting bis zum Notartermin war es ziemlich genau ein Monat. Da kann ich vor HPV wie auch vor Neuhaus Partners (1. Runde) nur meinen Hut ziehen: Jeweils richtig, richtig fix!

Wer ist nun alles bei Ihnen investiert? Um welchen Gesamtbetrag handelt es sich hierbei?
Neben Neuhaus Partners und HPV sind noch Business Angels bei uns beteiligt. Zu den genauen Beträgen ist Stillschweigen zwischen allen Parteien vereinbart worden.

Stichwort Datenschutz: Bei Registrierung ist die Eingabe personengebundener Daten erforderlich, auch der Verwandten. Dürfen Sie diese Daten überhaupt speichern, wenn nicht alle Verwandten dazu Ihr Einverständnis gegeben haben?
Zugriff auf einen Familienstammbaum haben nur eingeladene Familienmitglieder. Die Daten sind nicht öffentlich. Genauso wenig wie Emails betreffend Ihre Verwandten in Ihrem GoogleMail-Account öffentlich sind, die Google natürlich speichert.

Wie werden die personengebundenen Daten gegen den Zugriff Dritter geschützt?
Zu unseren Sicherheitsvorkehrungen kann ich öffentlich nicht Stellung uns. Uns ist die Bedeutung dieser Thematik transparent und wir agieren gemäß. Ein verschlüsselter Login ist bei uns kostenfrei möglich.

Haben Sie Pläne aus den gespeicherten Daten Geld zu machen?
Hoffe, die Antwort zur Thematik Geschäftsmodell (siehe 1.) beantwortet auch diese Frage.

Um den Start und darüber hinaus wurde um verwandt.de viel Wirbel gemacht. Wie haben Sie diesen Medien bzw. PR-Hype hinbekommen? Welche Strategie sind Sie hierbei gefahren?
Wir haben PR immer als bedeutende Funktion im Unternehmen aufgefasst. Unseres Erachtens sollte das eine Kernkompetenz für Start-Ups sein. Dementsprechend haben wir die PR-Arbeit auch nicht an eine externe Agentur vergeben, sondern uns selbst drum gekümmert.

Was ist Ihrer Meinung nach ausschlaggebend gewesen für den Erfolg von verwandt.de? Auf welches Pferd haben Sie gesetzt: auf gutes online- oder doch vielmehr auf virales Marketing?
Es ist eine Mischung aus Online Marketing, viralem Wachstum, PR und auch technischer Suchmaschinenoptimierung. Das bedingt sich im gewissen Rahmen auch gegenseitig.

Wie lange hat es gedauert, die Webseite zu programmieren? Hatten Sie gleich zu Beginn Programmierer im Team oder haben Sie vollständig mit Freelancern zusammengearbeitet?
Wir haben verwandt.de zuerst extern programmieren lassen, da wir auf Grund von Dealjaeger.de sowie dialo.de keine internen Ressourcen zur Verfügung hatten. In der Zwischenzeit haben wir unser Entwicklungsteam ausgebaut und programmieren verwandt.de komplett intern. Die erste Version von verwandt.de hat knappe drei Monate gedauert.

Ihr erstes großes Projekt dealjaeger.de hat vor dem Hintergrund des Erfolges von verwandt.de in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig das Nachsehen. Wie steht es eigentlich um dealjeager.de? Wie hoch sind dort die Umsatzahlen und Mitgliederwachstum aus?
Dealjaeger.de hat ohne Frage unter dem Erfolg von verwandt.de gelitten. Wir haben als Folge nicht ausreichend Ressourcen für das Projekt gehabt. Des Weiteren ist Social Commerce in Deutschland im letzten Jahr nicht so gewachsen wie erwartet.
Das vorweg bemerkt werden wir bald wieder Gas geben betreffend Dealjaeger.de. Wir müssen das Projekt dabei Massenmarkt tauglicher machen. Und der Erfolgseintritt wird länger dauern, als wir ursprünglich erhofft haben. Aber viele Unternehmer, die jetzt erfolgreich sind, haben 2001 und 2002 gezeigt, dass „Reinbeißen“ dazu gehört. Das haben wir uns für 2008 vorgenommen.

Welche Tipps haben Sie für andere Startups, um ähnliche Hypes hinzukriegen.
Ich glaube nicht, dass verwandt.de ein Hype ist. Daher deute ich die Frage jetzt auf „Erfolg“ um. Wenn man verwandt.de mit Dealjaeger.de vergleicht, haben wir drei Punkte gelernt: Massenmarkt, Einfachheit & Internationalisieren. Das sind drei wichtige Kriterien. Dealjaeger.de ist noch nicht einfach, ist noch nicht Massenmarkt tauglich und ist nur auf Deutschland fokussiert. verwandt.de versteht meine Mutter, interessiert meine Schwester wie meine Oma und ist in sieben Sprachen verfügbar.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.