Crowdpleite Der digitale Lernstift Vibewrite ist insolvent

Schon wieder eine Crowdpleite: Vibewrite ist insolvent. Vibewrite entwickelte und produzierte den ersten Digital-Stift, der Handschrift mit Bewegungssensoren erkennt und somit das Geschriebene digital nutzbar machte. Über Seedmatch sammelte das Start-up noch Ende September von 551 Investoren stattliche 560.250 Euro ein.
Der digitale Lernstift Vibewrite ist insolvent

Das Münchener Start-up Vibewrite (ehemals Lernstift) ist insolvent. “Wir haben den kompletten Herbst mit der Bemühung verbracht, Anschluss-Investoren zu gewinnen und gleichzeitig die bereits beschriebenen Verzögerungen in der Entwicklung bestmöglich aufzufangen. Leider war bisher keiner der größeren Investoren bereit, auf Basis des aktuellen Entwicklungsstandes mit uns den Weg zur Marktreife zu gehen”, schreit Macher Daniel Kaesmacher bei Seedmatch. Über die Crowdinvestingplattform sammelte das Start-up noch Ende September von 551 Investoren stattliche 560.250 Euro ein. Damit ist dieser Absturz eine der größten deutschen Crowdpleiten.

Zudem wurde das Start-up in der Vergangenheit von Wayra, dem Accelerator-Programm von Telefónica, unterstützt. Damit ist schon wieder ein wayra-Start-up vorerst am Ende. Gerade erst scheiterte becoacht, das Start-up wird aktuell liquidiert – siehe “8 junge Start-ups, die zuletzt leider gescheitert sind“. Seine Crowdinvestoren informierte das junge Unternehmen zuletzt nur mangelhaft. Bei Seedmatch gibt es mehrere Beschwerden zu dem Thema. “Wir, allen voran Herr Wolsky, arbeiten mit Hochdruck an möglichen Wegen aus der aktuellen Lage. Dabei sind Sie als Investoren – gelinde gesagt – viel zu kurz gekommen. Wir werden es schnellstmöglich nachholen, sobald wir konkreter sagen können, was der aktuelle Umbruch mit sich bringt”, heißt es von Vibewrite-Macher Kaesmacher dazu.

Vibewrite entwickelte und produzierte den ersten Digital-Stift, der Handschrift mit Bewegungssensoren erkennt und somit das Geschriebene digital nutzbar macht. Den Anfang im Produktportfolio von Vibewrite machte ein Lernstift für Kinder, der Rechtschreibfehler registriert und durch dezentes Vibrieren darauf aufmerksam machte. Über WLAN und Bluetooth konnte der Lernstift das Geschriebene auch auf PC oder Smart Device übertragen. Bisher gab es aber nur eine Beta-Version des Stiftes. Was die Investorensuche sicherlich nicht einfacher machte. Offen bleibt, wie der Niedergang des Unternehmens seit der Crowdfinanzierung so schnell gehen konnte.

Passend zum Thema: “Lernstift: ‘Der erste Lernstift, der vibriert, wenn man sich verschreibt’

Lesetipp: “Scheitern ist keine Schande! – Gründer berichten, warum ihr Start-up gescheitert ist

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Mr. Tarik

    Das ist echt hart, weil die Idee wirklich sehr gut ist. Ein Stift, der mich auf Rechtschreibfehler hinweißt, sowas bringt wirklich einen Nutzen und ich würde es benutzen!

    • Dein Stift

      *vibrier*

      es heißt “hinweisen”, nicht “weißen”

      *vibrier*

    • Johann Q

      Idee ist sicherlich interessant. Frage ist aber, ob dieses Team es in einem irgendwie vertretbaren Finanzierungsrahmen hätte schaffen können das Produkt zur Marktreife zu bringen (mal abgesehen vom wirtschaftlichen Erfolg).

      Kalte Fusion ist auch eine super Idee. Wenn man aber das Geld an jemanden gibt der nicht mit geringen Mitteln viel erreichen kann, oder sogar die falschen Prioritäten bei den Ausgaben hat, dann ist das Geld trotzdem sehr schnell futsch, ohne das es sichtbare Fortschritte gibt. ;)

    • Johann Q

      Idee ist sicherlich interessant. Frage ist aber, ob dieses Team es in einem irgendwie vertretbaren Finanzierungsrahmen hätte schaffen können das Produkt zur Marktreife zu bringen (mal abgesehen vom wirtschaftlichen Erfolg).

      Kalte Fusion ist auch eine super Idee. Wenn man aber das Geld an jemanden gibt der nicht mit geringen Mitteln viel erreichen kann, oder sogar die falschen Prioritäten bei den Ausgaben hat, dann ist das Geld trotzdem sehr schnell futsch, ohne das es sichtbare Fortschritte gibt. ;)

    • Daniel

      Ideen an sich sind nichts Wert.

      Wenn Sie in der Lage wären ein Produkt im passenden Preis-Leistung-Verhältnis anzubieten, hätten sie weitere Investoren gefunden.

  • http://www.jakobcarstens.de/ Jakob Carstens

    FYI: Auszahlung erfolgte in Tranchen, d.h. Fundingsumme wurde nicht erst seit September eingesetzt, sondern deutlich früher (Fundingschwelle bei Seedmatch).

  • Fabio (www.happy-contests.de)

    Solch eine tolle Idee bekommt keine Anschluss-Investoren? Wenn der Stift das einhält, was er verspricht, ist das einfach nur unverständlich.

    Lagasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung) ist in deutschen Schulen ein riesiges Problem. Seit Diktate in der Grundschulpädagogik verpönt sind, nehmen Rechtschreibfehler (nach eigener Erfahrung als Lehrer) enorm zu. Der Stift hätte hier große unterstützende Hilfe leisten können.

    Für mich galt die Erfindung des Vibewrite Lernstiftes – neben dem Protonet Server – als ein Musterbeispiel für gute Ideen, die über die Crowd finanziert wurden. Schade, wenn es tatsächlich das Ende dieses Startups sein sollte. Das glaube ich allerdings bei dieser großartigen Vision nicht. Jungs, jetzt erst recht mit voller Kraft voraus!

    Viel Erfolg dabei wünscht
    Fabio von http://www.happy-contests.de

    • Daniel

      Folgeinvestitionen sind aufgrund mangelnder Produktreife nicht geschehen.

      Die haben einfach ein Produkt versprochen, was sie in der Form nicht fähig sind zu entwickeln. So einfach ist das.

      In den Kommentaren auf Gründerszene finden sich weitere Details, die eindeutig gegen die Gründer sprechen: http://www.gruenderszene.de/allgemein/vibewrite-insolvenz

    • Maxim

      Es gibt aber immer noch kein endgültiges Produkt was marktreif wäre. Die Entwicklung würde noch viel Zeit und Geld kosten. In der Theorie ist die Idee super.

  • DanielMMM

    Immerhin hat das Geld für tolle Hochglanzbilder gereicht!

  • Seedy

    Das letzte Funding lief bis September 2014 und es wurden 560.000 € eingesammelt. Während der Finanzierung wurde davon gesprochen, dass die erste Version des Stifts voraussichtlich schon September 2014 bzw. spätestens bis Ende des Jahres in Produktion geht. Kurz nach dem Funding Anfang November wird dann mitgeteilt, dass die Produktion wohl erst Ende 2015 angehen kann und man einen Investor sucht um die weitere Entwicklung zu finanzieren. Anfang Dezember wird dann mitgeteilt, dass man insolvent ist.
    Als Außenstehender wundert man sich dann doch sehr. Die massive Entwicklungs Verzögerung und der massive Liquiditätsbedarf der zu einer Insolvenz in 3 Monaten führen kann, ist in diesem Funding wohl nicht so 100 % kommuniziert worden.
    Ich hatte öfter mit dem Gedanken gespielt über Crowdfunding zu investieren, aber solche Extrem Beispiele sind dann doch etwas verschreckend. Nichtsdestotrotz wünsche ich natürlich allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg, ggf. können die bestehenden Entwicklungsleistungen zumindest teilweise zu geld gemacht werden, so dass es kein Totalausfall wird.

  • Lucas von Fürstenberg

    Sehr gute Idee, sehr schlechtes Management ist das dann wohl. Da hätte man wohl lieber noch das Gehalt für einen vernünftigen BWLer gegönnt anstatt dieses wirklich sinnvolle Produkt so an die Wand zu fahren.

  • Lucas von Fürstenberg

    Sehr gute Idee, sehr schlechtes Management ist das dann wohl. Da hätte man wohl lieber noch das Gehalt für einen vernünftigen BWLer gegönnt anstatt dieses wirklich sinnvolle Produkt so an die Wand zu fahren.

  • http://www.silberkind.de/ Nils Hitze

    Kinners – Hardware ist hart und dauert im Schnitt zwei Jahre von der Idee zum Produkt (Ausnahmen wie mr Beam bestätigen die Regel)

  • Expat

    Bei Kickstarter sind die Lernstifte damals beim Geld einsammeln auf geschlossene Geldbörsen gestoßen.

    Ich frage mich was da bei Seedmatch schiefgelaufen ist, wenn dort Leute ne halbe Million in den Wind gepustet haben.

  • rw

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