300.000 Euro-Pleite Crowdfinanziertes Start-up Sommelier Prive ist insolvent

Schon wieder eine Crowd-Pleite. Sommelier Privé ist am Ende. 715 Companisten investierten 2013 stolze 300.000 Euro in das Start-up. Sommelier Privé ging 2012 an den Start. Das Unternehmen wollte "die Bequemlichkeit des Online-Einkaufs mit der Beratung vom Spitzen-Sommelier" verbinden.
Crowdfinanziertes Start-up Sommelier Prive ist insolvent

Sommelier Privé bereichert die traurige Liste der der (bisher) wichtigsten deutschen Crowd-Pleiten. “Mit großem Bedauern müssen wir bekanntgeben, dass Sommelier Privé seinen Geschäftsbetrieb einstellt. Trotz intensiver Bemühungen in den letzten Monaten ist es dem Berliner Startup nicht gelungen, eine Anschlussfinanzierung zur Fortführung des Unternehmens zu sichern”, heißt es bei Companisto. 715 Companisten investierten im vergangenen Jahr 300.000 Euro in das Start-up.

“Wir haben in den letzten 8 Wochen eine sehr turbulente Zeit durchgemacht, bei der uns mehrere Investitionen kurzfristig geplatzt sind. Gespräche mit VCs waren sehr weit fortgeschritten, doch diese VCs machten in buchstäblich letzter Sekunde einen Rückzieher beziehungsweise veränderten die Konditionen so, dass das Angebot schlussendlich unannehmbar wurde. Für uns kamen diese Entwicklungen vollkommen unerwartet, wir hatten sehr viel Arbeit und auch Geld in die Due Dilligences gesteckt. Letztendlich hat uns dann die beschränkte Zeit leider nicht gereicht, eine Anschlussfinanzierung zu sichern”, teilt Marc Philipp Clemens im Interview bei Companisto mit.

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Sommelier Privé ging 2012 an den Start. Das Unternehmen wollte “die Bequemlichkeit des Online-Einkaufs mit der Beratung vom Spitzen-Sommelier” verbinden. “Bei unserem Start-up handelt es sich um ein E-Commerce Modell für Premium-Wein, genauer gesagt um ein Curated Shopping-Modell für Wein von bester Qualität. Dabei knüpfen wir eng an die Kultur des Weintrinkens an, indem wir ein ganzheitliches Kauferlebnis von der Auswahl bis zum Trinken liefern. Im Detail heißt das, wir ermitteln durch einen “Geschmacksfinder” die Vorlieben unseres Kunden und bieten ihm daraufhin monatlich drei perfekt auf ihn abgestimmte Weine im Paket an”, erklärte Mitgründer Clemens 2012 das Konzept von Sommelier Privé.

Das Konzept ging aber nicht auf, Clemens spricht von zu hohen Kosten. Die Vielzahl der Wein-Online-Anbieter habe die Kundenakquisitionskosten explodieren lassen, während der Margendruck durch Preis-Player auf umsatzstarken Marken zu stark sei. “Daher haben wir daraufhin unser Geschäftsmodell angepasst und die Entwicklung einer mobilen App nach dem Vorbild von Vivino – jedoch mit Kaufoption und Sommelier-Empfehlungen – gestartet. Hierdurch wollten wir geringere Kundenakquisitionskosten erreichen, während wir noch mehr Kunden in den Genuss unseres USPs der Weinkuration und persönlichen Empfehlung hätten bringen können. Das Feedback von Kunden, Journalisten und Investoren war hierauf sehr positiv. Leider ist uns nun jedoch zwei Wochen vor Fertigstellung der App die Luft ausgegangen”.

Foto: Bottle of wine with corkscrew on wooden background from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Das wiehernde Pferd

    “USP der Weinkuration und der persoenlichen Empfehlung” seriously…?? :D

  • Wolfgang Kuhlmann

    Inwiefern wurde vor dem Investment denn der Markt getestet, bzw. das Angebot auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt? Es klingt so, als habe Sommelier Privé seinen Bedarf am Switch des Geschäftsmodells recht spät bemerkt?

  • Thomas

    Sehr schade, war ein super Team!

  • http://my-biowine.de - my-biowine -

    Schade, hat nach einem coolen Konzept ausgeschaut.

  • http://www.deutsche-mikroinvest.de/ Knut Haake

    Schade, aber es gab eine Unternehmensbewertung von 1.2 Millionen Euro. Das ist aber sehr komisch, oder?

    • Daniel

      bei companisto´s kommunikationspolitik ist so einiges komisch

    • Christopher

      Es schickt sich nicht als Wettbewerber die Geschäftspolitik anderer Plattformen zu diskreditieren. Was Transparenz angeht hat Ihre Plattform den größten Nachholbedarf in der Szene

      • http://www.deutsche-mikroinvest.de/ Knut Haake

        Lieber Christopher. Für die Unternehmensbewertung muss der Unternehmer gerade stehen und nicht die Plattform. So ist die haftungstechnische Auseinandersetzung in der Regel. Also reden wir hier über eine vom Unternehmer zu verantwortende Angabe. Das hat also gar nichts mit der Plattform zu tun. Jeder Unternehmer muss genau wissen, was er den Investoren mitteilt.

  • http://my-biowine.de - my-biowine -

    Schade, war ein cooles Konzept

  • Daniel

    “Kundenakquisitionskosten explodiert”, “Margendruck” ..ist doch vorhersehbar oder? Im Internet geht alles über den Preis. Wer beraten werden will geht in ein Geschäft.

    Warum da eine App Abhilfe schaffen soll kann ich mir nicht erklären. Wer installiert sich eine App nur um nen Wein zu kaufen?

    Zwei Wochen vor der Fertigstellung der App ist die Luft ausgegangen?
    ?!?

  • Joa

    da fällt mir echt das essen aus dem Gesicht, wie soll so ein Konzept funktionieren?
    Und dann dazu noch 300k in 12 Monaten verbrennen, starkes Stück.

    • http://www.deutsche-mikroinvest.de/ Knut Haake

      Ich glaube es waren sogar nur 8 Monate….Burnrate von ca. 37K/Monat.

  • stillhorner

    Ich bin kein Experte zum Thema Wein, aber Sätze wie “Die Vielzahl der Wein-Online-Anbieter habe die Kundenakquisitionskosten explodieren lassen” treiben mir die Tränen in die Augen. Kein Wunder, dass da keiner mehr investiert später. Naja, ein geil gestyltes Hipster-Video macht halt noch keinen jungen coolen Online Shop. Schade.

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