Pizza aus Holland: Takeaway-Ableger Lieferservice.de will zur Nummer zwei in Deutschland aufsteigen

Takeaway.com (www.takeaway.com) hat sich viel vorgenommen: Während Delivery Hero (www.deliveryhero.com) Ende August insgesamt 80 Millionen Euro Funding sowie weltweite Expansionspläne verkündete und Lieferando (www.lieferando.de) im Juni 15 Millionen Euro einstrich, wollen die Holländer […]
Pizza aus Holland: Takeaway-Ableger Lieferservice.de will zur Nummer zwei in Deutschland aufsteigen

Takeaway.com (www.takeaway.com) hat sich viel vorgenommen: Während Delivery Hero (www.deliveryhero.com) Ende August insgesamt 80 Millionen Euro Funding sowie weltweite Expansionspläne verkündete und Lieferando (www.lieferando.de) im Juni 15 Millionen Euro einstrich, wollen die Holländer mit ihrer Marke Lieferservice.de (www.lieferservice.de) ausgerechnet den deutschen Markt erobern. “Mit eigenem Geld sind wir nach Belgien und Österreich expandiert, aber das reichte nicht aus für ein so großes Land wie Deutschland. Da mussten wir etwas Fremdkapital in die Hand nehmen. Deshalb haben wir Anfang 2012 Funding angenommen“, erklärt Jitse Groen, Gründer von Takeaway.com.

Prime Ventures steuerte 13 Millionen Euro bei, um den wohl umkämpftesten Markt Europas zu erschließen. Denn mit Pizza.de, Lieferheld und Lieferando drängeln sich hier schon drei kapitalstarke Essensvermittler. „Pizza.de ist in Deutschland viel größer als jeder Konkurrent, vermutlich sogar größer als alle deutschen Mitbewerber zusammen“, sagt Jitse Groen, der kürzlich einige Tage in Berlin weilte, im Gespräch mit deutsche-startups.de. Seit 2007 gibt es die Takeaway.com-Tochter Lieferservice.de. Inzwischen listet die Plattform mehr als 5.200 Restaurants und erhalte fast hunderttausend Bestellungen pro Monat. Besonders einträglich ist das Geschäft für die Holländer hierzulande jedoch noch nicht: „Wir haben 90 Prozent profitable Bestellungen in anderen Märkten, in Deutschland sind wir am Anfang, da liegt die Zahl erwartungsgemäß erst bei 10 %. Natürlich kann man da noch keine Gewinne einfahren“, erklärt der Gründer.

JitseGroenPhotoEngel

Am meisten verdient der Niederländer in seinem Heimatland, wo man als Marktführer seit Jahren Gewinne erzielt. Bereits im Jahr 2000 hat Jitse Groen die Firma gegründet („mit 50 Euro Startkapital“) und konnte lange organisch wachsen, inzwischen beschäftigt er 180 Mitarbeiter. Hauptsitz ist Utrecht, daneben gibt es Büros in London, Brüssel und Gronau (Westfalen) an der deutsch-holländischen Grenze, bald soll auch Paris hinzukommen. Jedes Jahr sei der Umsatz von Takeaway.com um 60 % gestiegen, in diesem Jahr soll er sich sogar auf rund 200 Millionen Euro verdoppeln. Laut Firmenwebsite laufen 800.000 Bestellungen pro Monat ein. Neben den Beneluxstaaten ist Takeaway.com in Großbritannien, Österreich, Frankreich, der Schweiz und Dänemark aktiv.

Wie groß ist der deutsche Markt wirklich?

Die gesamte Marktgröße für Deutschland schätzt Groen auf unter zwei Milliarden Euro pro Jahr. Lieferando kommunizierte dagegen in einer Pressemeldung ein Marktvolumen von 4,4 Milliarden Euro. Lieferheld gibt in einer aktuellen Präsentation keine Deutschlandzahlen an, aber rechnet für ganz Europa mit einer Marktgröße von optimistischen 15 Milliarden Euro.

Die Marktforscher von Euromonitor setzen in ihrem aktuellen Bericht für 2011 den Bringdienstbereich in Deutschland sehr viel niedriger an, bei insgesamt einer Milliarde Euro, mit Wachstumsraten von 2 bis 3 % jährlich. Mehr als 30 % der Umsätze liegen in den Händen der Franchise-Ketten – Tendenz steigend. Auf unabhängige Anbieter entfielen 670 Millionen Euro Umsatz. Das meiste davon wird immer noch per Offline-Bestellung generiert.

„In Holland werden schon 50 % der Essenslieferungen online bestellt, in Deutschland sind es ungefähr 10 % , also gibt es da noch viel Potenzial“, glaubt Jitse Groen. In den Niederlanden arbeitet er mit 4.000 Restaurants zusammen, in ganz Deutschland sind circa 5.000 bis 6.000 Restaurants von den Lieferdiensten erfasst. „Das sind erst ein Drittel von 15.000 potenziellen Partner-Restaurants“, so Groen.

Lieferservice.de erhält von den Restaurants 8 % des generierten Umsatzes, andere Anbieter nehmen 10 %. Im Prinzip funktioniert es wie ein Franchise-Modell und kann sich trotz der Provisionskosten für die Pizzabäcker lohnen. Denn die meisten der kleinen Betriebe haben kaum Marketing-Budget, um ihre Websites bekannt zu machen oder mobile Apps anzubieten.

Einzigartiger Marketing-Krieg

Seit dem Einstieg von Lieferando und Lieferheld ist in Deutschland ein Marketingkrieg entbrannt, der die Preise in die Höhe treibt. Jochen Grote, Geschäftsführer von von Pizza.de, sprach gegenüber der Stuttgarter Zeitung von monatlichen Marketingkosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro, die man jedoch anders als andere Anbieter aus dem Cashflow generiere.

„Die KPIs stimmen in Deutschland nicht. Aber es ist trotzdem einer der größten Märkte in Europa: Frankreich ist viel kleiner, England ist etwas größer“, erklärt Jitse Groen und macht deswegen wohl oder übel bei dem Spiel mit. Dennoch hält er das VC-befeuerte Wettrüsten für fragwürdig.  „Dass man zwei oder drei Millionen Euro im Monat verbrennt, um vielleicht 150.000 Bestellungen zu generieren – das ist doch Wahnsinn. Da könnte man genauso gut die Pizzen direkt verschenken“, findet der Holländer. Genau das hat Lieferservice.de im Rahmen einer Marketingaktion im Frühjahr getan und Pizzas im Wert von 200.000 Euro kostenlos geliefert.

Generell kommen neue Kunden eher über Suchmaschinen. „Aber auch die Google Kosten in Deutschland sind außer Proportion, es dauert lange, bis man das Geld mit den Kunden zurückverdient“, bedauert Groen. Fernsehwerbung sei gut, um das Konzept bekannt zu machen, aber man bekomme nicht unbedingt viele neue Bestellungen damit.

Mit dem starken Heimatmarkt im Rücken kann Lieferservice.de die kostspielige Schlacht um Marktanteile in Deutschland eine Weile aushalten. Und genau das hat Jitse Groen vor. „Wenn man den ganzen Markt in Deutschland anschaut, gibt es Platz für zwei oder maximal drei Anbieter. Wer nicht bankrott geht, wird wahrscheinlich gewinnen. Pizza.de wird sicherlich überleben und wir haben kein Problem damit, in Deutschland Zweiter zu werden“, gibt er sich selbstbewusst. Trotz der harten Konkurrenz sieht er seine Situation entspannt: „Für uns ist es die erste Runde. Wir konnten das Thema gelassen angehen und hatten nicht das Ziel – wie die meisten unserer Wettbewerber – besonders schnell wachsen zu müssen.“

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  2. Alexander

    Immer wenn ich etwas über lieferservice.de, lieferheld.de, und co. lese, kommen mir die Aussagen nicht stimmig vor. Wenn Herr Groen in Holland seit 2000 so erfolgreich am Markt ist und es so gut läuft, wie er oben selbst beschreibt, warum benötigt er dann VC?



  3. Klaus

    670 Mio. Umsatz unabhängiger Anbieter, die Sättigung der Onlinebestellungen liegt nach Herr Groen bei 50% (Holland), macht 335 Mio. Onlineumsatz für alle Lieferserviceanbieter in Deutschland zusammen. Selbst wenn dafür eine Vermittlungsprovision von 10% erzielt wird, wäre das ein fakturierter Umsatz von 33,5 Mio. aller Lieferserviceportalanbieter für Deutschland insgesamt. Nach seinen Angaben ist pizza.de größer als alle drei VC-Konkurrenten zusammen, sagen wir mal eines guten Tages, wenn z. B. lieferheld.de gut gearbeitet hätte, würden sie davon 10 Mio. einstreichen und super gute 20% Prozent Rendite erwirtschaften, das wären dann 2 Mio. Ebit pro Jahr. Bisher hat lieferheld.de 80 Mio. ausgegeben, wir sind aber nach Herr Groen noch weit von der Sättigung entfernt, also müssten sie nochmals ein vielfaches ausgeben, um zur Sättigung zu gelangen. Es ist also jetzt schon absehbar, dass sich das eingesetzte Kapital nicht verzinsen lässt. Werde diese Geschichte mal meinem BWL-Prof erzählen.

  4. Die nächste Kapitalerhöhung/Übernahme/Pleite kommt dann bestimmt auch sehr bald…

    Für mich ist an dem Thema weiter so gut wie nichts interessant, ausser die Berichterstattung selbst.

  5. @Klaus:
    > 670 Mio. Umsatz unabhängiger Anbieter, die Sättigung der Onlinebestellungen liegt nach Herr Groen bei 50% (Holland), macht 335 Mio. Onlineumsatz für alle Lieferserviceanbieter in Deutschland zusammen.

    Davon 10% (also 33,5Mio€ Außenumsatz und 3,35 Mio€ Provision für alle Essenmakler zusammen)kommt näher an die Realität heran:
    Der gemakelte Kunde bestellt beim nächsten mal sowieso direkt beim Pizzabäcker, weil er nur so Rabatte und Frei- Essen bekommt. Der Pizzabäcker drückt doch schon bei der ersten Lieferung dem Kunde ein Gutscheinheft in die Hand, welches nur bei Direktbestellung gilt…

    Das VC- Kapital ist komplett verloren.

    Die einzigen, die es richtig machen (und organisch wachsen) sind pizza.de. An das LieferXXXX- Gedöns erinnert sich in 10 Jahren kein Mensch mehr.



  6. Einer der Kleinen :-)

    Interessant Klaus, wir bei uns nennen dieses sinnlose Geldverbrennen auch “Liefer*-Gedöns” :-)
    Mal sehen, wann die Investoren endlich irgendwas begreifen und diese “Blasentumore” endlich platzen lassen. Aber man sieht ja an Groupon, wie unfassbar dämlich Investoren sein können. Aber irgendwann ist Ende, freuen wir und schon mal darauf…

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  8. Steffen

    Ich habe bisher noch nie von einem Pizzabäcker ein Gutscheinheft beigelegt bekommen. Aber wenn ich über Pizza.de bestelle legt der Pizzabäcker Takeaway (5 Euro) + Lieferando-Gutscheine (4 Euro) bei :)

  9. @Steffen:
    > Ich habe bisher noch nie von einem Pizzabäcker ein Gutscheinheft beigelegt bekommen

    Ich bekomme jede 10. Pizza sowieso kostenlos, und zusätzlich jeden Monat kostenlos z.B.:

    Oktober: 1 Bag Snack nach Wahl
    November: 1 Baguette Hammer Happen
    Dezember: 1 Pasta Bolognese

    Bei direkter Onlinebestellung auf der Homepage des Pizzabäckers gibt es zusätzlich jeden Monat ein bis 2 Essen zum Probierpreis (5 Euro statt 7 Euro oder so).

    Beim gemakelten Pizzaesser ist Schmalhans der Küchenmeister ;-).

  10. Pingback: Links der Woche 39/2012 | netzkonsum.de



  11. PlasticBrain

    Du bist doch nicht irgendwie mit Hallo Pizza verbandelt?

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