Wettkampf der Lieferdienste: Takeaway.com-Ableger Lieferservice.de will Deutschland erobern

Der Wettkampf der Lieferdienste geht in eine neue Runde. Und diesmal völlig abgesehen vom Abmahnkrieg und dem Vorwurf der Computersabotage, der zwischen Lieferheld (www.lieferheld.de) und Lieferando (www.lieferando.de) tobt – siehe “Pizza Wars – […]
Wettkampf der Lieferdienste: Takeaway.com-Ableger Lieferservice.de will Deutschland erobern

Der Wettkampf der Lieferdienste geht in eine neue Runde. Und diesmal völlig abgesehen vom Abmahnkrieg und dem Vorwurf der Computersabotage, der zwischen Lieferheld (www.lieferheld.de) und Lieferando (www.lieferando.de) tobt – siehe “Pizza Wars – Krieg der Lieferdienste: Griff Lieferheld Lieferando an?“. Während sich die beiden Kontrahenten gefühlt immer neue Schachzüge überlegen, um dem jeweils Anderen ordentlich einen Reinzuwürgen, nutzt Mitbewerber Lieferservice.de (www.lieferservice.de), gehört zu Takeaway.com (www.takeaway.com), die Chance und gibt in Deutschland richtig Gas. Das Unternehmen aus den Niederlanden sammelte Anfang dieses Jahres 13 Millionen Euro ein und startet mit diesem Geld nun eine große Werbeoffensive.

Allein in Berlin ist momentan quasi jeder U-Bahnhof mit Plakaten von Lieferservice.de zugepflastert. Flankiert wird die Kampagne in der wirklichen Welt mit einer TV-Kampagne. Der Food Delivery-Dienst tritt auf der Mattscheibe als Sponsor verschiedener TV-Serien bei ProSieben, SAT.1 und Kabel 1 auf. Die kurzen Werbebotschaften des Lieferdienstvermittlers laufen unter anderem im Umfeld von Serien wie “Criminal Minds” oder “Two and a half men”. Die Wurzeln von Takeaway.com reichen bis ins Jahr 1999 zurück. Bereits 2010 investierte Takeaway.com 2 Millionen Euro in seinen deutschen Ableger. Schon vor zwei Jahren sollte das Geld hauptsächlich ins Marketing fließen.

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Wie viel Geld das Unternehmen, welches auch in Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Luxemburg, Österreich, Schweden und der Schweiz aktiv ist, nun in Deutschland investiert, ist nicht bekannt. Das Budget dürfte aber beachtlich sein, immerhin verschenkte Lieferservice.de kürzlich allein zu Marketingzwecken Essen im Wert von 200.000 Euro. Zumindest die langfristigen Pläne von Takeaway.com sind aber bekannt: Der Fast Food-Spezialist will hierzulande die Zahl seiner Partnerrestaurants von derzeit 3.500 bis zum Jahresende auf 12.000 ausbauen.

Was nach einer ziemlich großen Zahl klingt, immerhin haben die Streithähne Lieferheld und Lieferando momentan beide auch nur rund 5.600 Parnerrestaurants. Damit dürfte das Ziel von Lieferservice.de klar sein, die niederländische Firma schielt auf die Marktführerschaft in Deutschland. In den Niederlanden und Belgien sieht sich Takeaway.com bereits als Marktführer. Hierzulande gehört Pizza.de (www.pizza.de) die Krone. Vor allem Lieferheld hat in der Vergangenheit bereits mehrfach angekündigt, dass sie Pizza.de vom Thron stoßen wollen. Mit Lieferservice.de bekommt die Heldentruppe nun einen neuen, aggressiven Mitbewerber. Ansonsten sind die Pläne von Lieferheld und der Mutterfirma Delivery Hero mittlerweile auf Weltmarktführerschaft ausgerichtet.

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Pikanterweise wurde Lieferservice.de Ende April – ähnlich wie Lieferando wenige Monate zuvor – Opfer eines Hackerangriffs. “Die Anschläge haben uns einen schweren Schaden von mindestens 50.000 Euro zugefügt. Denn die Attacke geschah um 18.40, genau zu unserer Hauptbestellzeit am Abend – und das an einem Rekordumsatztag in ganz Europa”, sagt Takeaway.com-Chef Jitse Groen. Via Twitter behauptete eine Hackergruppe namens DotNetFuckers für den Angriff verantwortlich zu sein. Ob dies wirklich so ist, bleibt offen. Bei den ganzen Hackerattacken, Abmahnungen und den teuren Werbeschlachten im Segment der Lieferdienstsegmente stellt sich ziemlich bald die Frage, wie lange die Anbieter diesen harten Wettbewerb durchstehen.

Vielleicht sehen wir schon bald die ersten Übernahmen und Fusionen. Zumal Mitbewerber Just-Eat (www.just-eat.co.uk) gerade erst weitere 64 Millionen Dollar, umgerechnet knapp 49 Millionen Euro, von diversen Investoren bekommen hat. Insgesamt sammelte der weltweite Marktführer, der in Deutschland bisher nicht aktiv ist, in den vergangenen drei Jahren rund 129 Millionen Dollar, knapp 98 Millionen Euro, ein.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.