#Interview “Wir haben seit der Gründung ausschließlich nach Kundenwünschen entwickelt”

HeavenHR aus Berlin beschäftigt derzeit 40 Mitarbeiter. "Wir haben aktuell über 1.300 Firmenkunden, davon zahlreiche Firmen aus dem deutschen Mittelstand. Unser Umsatz hat sich von 2018 auf 2019 verdoppelt", sagt HeavenHR-Macher Alexander Bertermann.
“Wir haben seit der Gründung ausschließlich nach Kundenwünschen entwickelt”

In das Berliner Startup HeavenHR, eine cloudbasierte Personalverwaltung, die 2015 von Johannes Roggendorf – der inzwischen Medwing führt – gegründet wurde, flossen in den vergangenen Jahren rund 16,4 Millionen. Zu den Investoren der Jungfirma gehören unter anderem Target Global, OpenOcean, Piton Capital, Mutschler Ventures und die Allianz.

“HeavenHR beschäftigt circa 40 Mitarbeiter in Berlin. Wir haben aktuell über 1.300 Firmenkunden aus unterschiedlichsten Industrien auf unserer Plattform, davon zahlreiche Firmen aus dem deutschen Mittelstand. Unser Umsatz hat sich von 2018 auf 2019 verdoppelt”, sagt Alexander Bertermann, der das Startup seit Ende 2017 führt. Genaue Umsatzzahlen von HeavenHGR sind nicht bekannt. Die Kunden des Startups zahlen einen monatlichen Beitrag zur Nutzung von HeavenHR. Dieser ist abhängig von der Mitarbeiteranzahl und der genutzten Module.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht HeavenHR-Macher Bertermann außerdem über organisches Wachstum, Kundenwünsche und Schnittstellen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter HeavenHR erklären?
Unsere Software erleichtert Personalverantwortlichen und Mitarbeitern zahlreiche administrative Prozesse. Wenn Angestellte beispielsweise Urlaub beantragen, ihre Adresse ändern, Arbeitszeiten erfassen oder Lohnabrechnungsdokumente einsehen möchten, ist das in vielen Unternehmen oftmals noch ein sehr zeitaufwendiger Prozess. Dabei sind dann schnell zahlreiche Personen involviert. Mit HeavenHR hat jeder Mitarbeiter einen eigenen Account und kann so über PC oder Smartphone freigegebene Dokumenten lesen, Urlaube planen oder geleistete Arbeitsstunden einsehen. So verschlanken wir Prozesse und geben Unternehmen und der Personalverantwortung mehr Zeit für strategische Aufgaben.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Grundsätzlich nicht. Der Markt für HR-Softwarelösungen hat sich in der Vergangenheit schnell entwickelt und es gibt zahlreiche Geschäftsfelder in die man gehen könnte, dabei lag der Fokus von HeavenHR aber immer im administrativen HR-Bereich.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?
Wir spüren, dass viele unserer Kunden sich gerade um die wirtschaftlichen Folgen Sorgen machen. Das sieht man auch an der Anzahl von Anträgen auf Kurzarbeit, die bei unserem Lohnabrechnungsteam eingehen. Unser Geschäft selbst, ist bisher glücklicherweise nicht besonders stark betroffen.

Wie ist überhaupt die Idee zu HeavenHR entstanden?
Wir haben bei vielen Unternehmen im eigenen Umfeld gesehen, wieviel Zeit und Nerven die Mitarbeiteranlage, Urlaubsplanung oder der Abschluss der Lohnabrechnung kostet. Bestehende Software-Lösungen sind dabei oftmals veraltet oder zu teuer gewesen. Internationale Lösungen konnten wiederum nicht immer die gesetzlich notwendigen Standards einhalten. So ist die Idee ganz klassisch entstanden eine moderne HR-Software anzubieten.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Wir betreiben ein Software-Lizenz-Geschäft. Dabei bezahlen Unternehmen einen monatlichen Beitrag zur Nutzung unseres Produkts, der abhängig von der Mitarbeiteranzahl und der genutzten Module ist. So zahlen Unternehmen in der Regel zwischen 2 und 15 Euro pro Mitarbeiter monatlich.

Wie hat sich HeavenHR seit der Gründung entwickelt?
Die ersten beiden Jahre dienten vor allem der Produktentwicklung. Dabei haben wir HeavenHR auch kostenlos zur Verfügung gestellt um User-Feedback zu sammeln. 2017 haben wir angefangen, unsere Lösung aktiv zu vertreiben. Seitdem wir eine bestimmte Anzahl an Nutzern haben vertreibt sich HeavenHR fast ausschließlich organisch, vor allem durch Empfehlungen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist HeavenHR inzwischen?
HeavenHR beschäftigt ca. 40 Mitarbeiter in Berlin. Wir haben aktuell über 1.300 Firmenkunden aus unterschiedlichsten Industrien auf unserer Plattform, davon zahlreiche Firmen aus dem deutschen Mittelstand. Unser Umsatz hat sich von 2018 auf 2019 verdoppelt.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wir hatten Anfang letzten Jahres aufgrund einer technischen Umstellung unseres Anbieters zwei Wochen lang kein Internet. Unsere operativen Abteilungen konnten somit nur mit Hot-Spots oder von Zuhause aus arbeiten. Zudem konnten weder Produkt-Updates releast oder neue Features getestet werden. Das hat damals richtig Nerven gekostet.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben seit der Gründung ausschließlich nach Kundenwünschen entwickelt, dabei allerdings nicht unseren strategischen Fokus verloren. Ich denke, das war eine der besten Entscheidungen. So war und ist es uns möglich die Kundenzufriedenheit weiter zu steigern und damit auch die Empfehlungsrate stetig zu erhöhen.

Wo steht HeavenHR in einem Jahr?
Unser Ziel ist es bis Ende nächsten Jahres knapp 2000 Firmenkunden im deutschsprachigen Raum zu haben. Insbesondere im Mittelstand wollen wir unsere Präsenz durch tiefere Funktionalitäten und Schnittstellen weiter ausbauen. Um das zu erreichen ist unser Team gut aufgestellt.

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Foto (oben): HeavenHR

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.