#Interview “Anfangs habe ich nebenbei studiert und die Pakete zur Post gebracht”

"Unsere Hundenahrung ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nicht ausschließen. Wir haben es geschafft ein Produkt zu entwickeln, dass für viele Kunden eine Alternative zum herkömmlichen Futter ist", sagt Felix Bierholz von Ofrieda.
“Anfangs habe ich nebenbei studiert und die Pakete zur Post gebracht”

Das junge Duisburger Startup Ofrieda verkauft Hundefutter aus Insekten. “So helfen wir Hundebesitzern ihren Hund mit gutem Gewissen zu füttern. Insektenprotein ist besonders verträglich und eignet sich daher auch für die vielen Hunde, die unter Futterallergien leiden. Außerdem sind sie eine nachhaltige Alternative zu Fleisch. Bei jeder Fütterung spart man zum Beispiel sechs Badewannen Wasser ein”, sagt Gründer Felix Bierholz, der die Jungfirma 2017 ins Leben gerufen hat. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Bierholz nun einmal über Mehlwürmer, Logistik und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Ruhrgebiet.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Ofrieda erklären?
Normales Hundefutter ist leider weder besonders gesund noch nachhaltig. Ich dachte mir, das muss doch besser gehen. Deswegen habe ich mein Startup Ofrieda gegründet. Mit Ofrieda stelle ich Tiernahrung auf Basis von Insekten her. So helfen wir Hundebesitzern ihren Hund mit gutem Gewissen zu füttern. Insektenprotein ist besonders verträglich und eignet sich daher auch für die vielen Hunde, die unter Futterallergien leiden. Außerdem sind sie eine nachhaltige Alternative zu Fleisch. Bei jeder Fütterung – 250 g Trockenfutter – spart man zum Beispiel sechs Badewannen Wasser ein. So haben wir echte Problemlöser entwickelt, die den Hunden helfen und zudem noch richtig lecker sind.

Hat sich euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Wir wollten von Anfang an ein Gegenentwurf zum herkömmlichen Hundefutter sein. Diesem Konzept sind wir treu geblieben und haben es im Laufe der Zeit sogar noch stärker in den Fokus gerückt. Wir hatten keine Lust mehr auf den Einheitsbrei im Hundefutter-Regal. Das spiegelt sich in besonderer Weise in der Auswahl unserer Zutaten wieder. Wir bieten unseren Kunden eine sehr verträgliche und zugleich nachhaltige Alternative zu Fleisch. Unser Motto lautet übrigens “Trau dich, anders zu sein”.

Wie ist überhaupt die Idee zu Ofrieda entstanden?
Begonnen hat das Projekt während des Studiums in Bochum. Ich habe zusammen mit einem Gaststudenten aus China in einer WG gewohnt. An den Abenden haben wir oft gemeinsam gekocht und uns über die verschiedenen Esskulturen unterhalten. So kamen so auf das Thema Insekten. Ich habe gelernt, dass Grillen, Mehlwürmer und Co. nicht nur nachhaltig und nährstoffreich sind, sondern auch köstlich schmecken können. Seitdem hat mich die Faszination für Insekten nicht mehr losgelassen. Als ich erfahren habe, dass ein mittelgroßer Hund durchschnittlich dreimal soviel Fleisch verschlingt wie ein Mensch, kam mir die Idee mit dem Hundefutter. Ich wollte schon immer einer Arbeit mit Sinn nachgehen. Heute habe ich die Möglichkeit mit meinem Futter einen Mehrwert für Tier, Mensch und Umwelt zu schaffen. Das ist wirklich großartig.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Unsere Hundenahrung ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nicht ausschließen. Wir haben es geschafft ein wettbewerbsfähiges Produkt zu entwickeln, dass für viele Kunden eine echte Alternative zum herkömmlichen Futter mit Fleisch ist. Wir sind zudem ein sehr schlankes Unternehmen. Unsere Logistik ist ausgelagert und bei der Produktion arbeiten wir eng mit einem traditionellen Familienbetrieb aus Deutschland zusammen. Der Vertrieb läuft größtenteils über unseren eigenen Onlineshop sowie die Drogeriekette Müller. Ein wirkungsorientierter Umgang mit Geld ist darüber hinaus fester Bestandteil unserer Unternehmenskultur. Bei uns geht es nicht nur um Gewinnmaximierung, sondern vor allem um das Wohl des Hundes und einen verantwortungsbewussten Umgang mit unserer Umwelt.

Wie hat sich Ofrieda seit der Gründung entwickelt?
Wir haben mit unserem Startup sehr klein angefangen. Anfangs habe ich noch nebenbei studiert und zum Beispiel die Pakete persönlich zur Post gebracht. Mittlerweile haben wir einen großen Kundenstamm und viele Abläufe sind automatisiert. Das erlaubt uns auch mit einem kleinen Team die steigende Nachfrage zu bedienen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Ofrieda inzwischen?
Unsere Hundenahrung ist alleine in Deutschland in mehr als 500 Filialen im Einzelhandel verfügbar. Der Fokus liegt aber weiterhin auf unserem Onlineshop. Online verkaufen wir mehrere Tonnen Hundefutter im Monat, Tendenz steigend.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Die Wahl des Markennamens. Zu Beginn meines Startups lag der Schwerpunkt besonders auf der Produktentwicklung. Das hatte zur Folge, dass der Markenaufbau etwas vernachlässigt wurde. Nach etwa einem Jahr wurde mir klar, dass Änderungen nötig wurden. Unter anderem habe ich den Markenname von Futterzeit in Ofrieda geändert. Das war nach über einem Jahr natürlich nicht leicht. Der Domainwechsel hat sich negativ auf unser SEO-Ranking ausgewirkt und auch einige Kunden waren über die Namensänderung verwundert.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Auch wenn die Umsetzung des Rebrandings nicht leicht war, so war es sicherlich eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe. Mit der neuen Marke Ofrieda grenzen wir uns nun deutlicher von den konventionellen Futterherstellern ab. Wir haben seitdem ein neues Design, welches bei unseren Kunden extrem gut ankommt. Wirft man einen Blick auf unsere Verpackung, so erkennt man sofort, dass es sich um ein ganz besonderes Futter handeln muss. Das hat sich zum Beispiel positiv auf die Anzahl der Neukunden ausgewirkt.

Wo steht Ofrieda in einem Jahr?
In Zukunft möchten wir auch Katzen den Genuss der Insekten nicht länger vorenthalten. Deswegen entwickeln wir zurzeit neue Produkte. Wir planen mit einem gesunden Wachstum und möchten auch im kommenden Jahr die erste Anlaufstelle für insektenbasierte Tiernahrung sein.

Reden wir zudem noch über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Die Metropolregion Rhein-Ruhr ist gut vernetz und hat eine lebendige Startups-Szene. Neben Duisburg sind wir auch häufig in Düsseldorf und Köln unterwegs. In NRW ist das Gründerstipendium ein guter Anreiz um hier seine Vision zu verwirklichen. 1.000 Euro im Monat, welche man aus der Landeskasse erhält, können einem gerade in der Anfangszeit sehr weiterhelfen.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Duisburg aus?
Besonders als Impact-Startup ist man in Duisburg gut aufgehoben. In der Impact Factory Duisburg treffen beispielsweise Startups aus der Green & Social Economy auf Innovatoren aus Universitäten, Unternehmen und der Gesellschaft, um heute an Lösungen für morgen zu arbeiten. Das ist ein sehr inspirierendes Arbeitsumfeld.

Was ist in Duisburg einfacher als im Rest der Republik?
An Rhein und Ruhr leben etwa 10 Millionen Menschen. Dadurch ist es leicht neue Kontakte zu knüpfen. Man findet hier wirklich unglaublich viele kreative Leute. Durch die großen Unis fehlt es auch nicht an qualifiziertem Personal sowie Know-How. Außerdem sind im Ruhrgebiet die Mieten günstig, sodass man sich gerade in der Anfangszeit gut durchschlagen kann.

Was fehlt in Duisburg bzw. im Ruhrgebiet noch?
Vieles befindet sich hier noch im Aufbau und Duisburg hat sich als Gründerstadt noch keinen Namen gemacht. Daher fehlt es zum Beispiel noch an Startup-Events. Es werden zwar immer mehr, die Stadt kann beim Angebot aber noch nicht mit den großen Gründerstädten mithalten. Der Kontakt zu Investoren scheint hier auch schwerer zu sein, als etwa in Berlin. Aber wir sind der Überzeugung, dass sich hier in den nächsten Jahren eine Menge verändern wird.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Erstens: Mehr Impact-Startups, welche die Welt von morgen gestalten möchten. Zweitens: Mehr Startups, die hier im Ruhrgebiet bleiben und nicht nach Berlin umsiedeln. Drittens: Ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl von den Regionen Rhein und Ruhr.

Themenschwerpunkt Ruhrgebiet

#Ruhrgebiet: Gemeinsam mit dem ruhr:HUB berichtet deutsche-startups.de regelmäßig über die Startup-Szene im Ruhrgebiet. Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Digital-Gründer – mehr im Startup Guide Ruhrgebiet. Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher” wiederum erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet.

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Foto (oben): Ofrieda

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.