#Zahlencheck orderbird wächst nur minimal – Verlust sinkt aber deutlich

Im Geschäftsjahr 2016/2017 lag der Verlust des Berliner Unternehmens orderbird bei 8,8 Millionen Euro. Im 2017/2018 sank der Verlust aber auf 4,5 Millionen. Beim Umsatz konnte orderbird dagegen kaum zulegen! Auf 9,0 Millionen folgen zuletzt gerade einmal 9,3 Millionen Euro.
orderbird wächst nur minimal – Verlust sinkt aber deutlich

Das Berliner Kassensystem orderbird, das 2011 von Jakob Schreyer, Bastian Schmidtke, Patrick Brienen und Artur Hasselbach gegründet wurde, trat zuletzt auf die Bremse und stoppte etwa die Expansion nach Spanien und Italien. Stattdessen kümmern sich die Hauptstädter nun vorrangig um die DACH-Region und Frankreich – siehe: “orderbird stoppt Expansion“. Im Geschäftsjahr 2016/2017 lag der Verlust von orderbird bei 8,8 Millionen Euro. Im 2017/2018 sank der Verlust auf 4,5 Millionen.

Beim Umsatz konnte orderbird dagegen kaum zulegen! “Die orderbird AG verzeichnete im Geschäftsjahr 2017/2018 einen Nettoumsatz von TEUR 9.319 im Vergleich zu TEUR 9.024 im Vorjahr. Dieser Anstieg von 3,3% ist vor allem auf den weiteren Ausbau der Kundenbasis zurückzuführen”, teilt das Unternehmen in eigener Sache mit. Zum 30. September 2018 verfügte orderbird nach eigenen Angaben über rund 9.200 zahlende Kunden. Im Jahr zuvor waren es nur 7.900. 2016 sogar nur 5.700. Der Kassensystemanbieter wächst somit in Sachen Kunden gut.

Wohl auch deswegen konnte das Unternehmen zum Jahresanfang weitere Millionen in Form von Investorengeldern einsammeln. Bis Ende September 2018 flossen bereits rund 28 Millionen in das Grownup. Der Bilanzverlust lag gleichzeitig bei 27,1 Millionen. Somit konnte orderbird das frische Kapital auch gut gebrauchen. Was zunächst einmal keinen guten Eindruck hinterlässt, ist die Zahl der orderbird-Mitarbeiter. Diese fiel zuletzt von 141 auf 110 Angestellte. Das Unternehmen weist dabei aber auf die “erfolgreiche Beendigung verschiedener Projekte im Forschungsbereich” hin. Zudem seien wieder Neueinstellungen geplant.

Zum Thema Mitarbeiter heißt es von orderbird weiter: “Sowohl Löhne und Gehälter (TEUR 5.510; Vorjahr TEUR 6.569) als auch Aufwendungen für soziale Abgaben und Altersversorgung (TEUR 1.052; Vorjahr TEUR 1.327) sanken um 16,1 % bzw. 20,8 %. Verantwortlich hierfür sind Umgestaltungen im Vertrieb mit einhergehenden Effizienzgewinnen sowie Reduzierung der Mitarbeiterzahl aufgrund des erfolgreichen Abschluss von Forschungsprojekten. Die Lohnnebenkosten sanken überproportional aufgrund der Verlagerung des Personals in Frankreich und den dortigen höheren Sozialbeiträgen”.

Unter dem Strich präsentiert sich orderbird somit 2017/2018 deutlich besser als im vorherigen Berichtszeitraum. Nun will das Unternehmen endlich auch mal schwarze Zahlen schreiben. “Nach den Planungen des Unternehmens wird der ‘Break Even Point’ bis zum Ende des Kalenderjahres 2019 erreicht werden”. Da die zuletzt in orderbird investierte Summe nicht bekannt ist, heißt es im besten Fall Daumen drücken, dass das Vorhaben schnell gelingt. Im schlimmsten Fall könnte die Luft für orderbird sonst schnell dünn werden.

Fakten aus dem Jahresabschluss 2017/2018
* Im Geschäftsjahr 2017/2018 konnte der Marktanteil in der DACH-Region sowie Frankreich weiter ausgebaut werden. Die Gesamtkundenzahl stieg von 7.900 im Oktober 2017 auf 9.200 im September 2018. Der Jahresfehlbetrag konnte von TEUR 8.770 auf TEUR 4.482 verringert werden. Die strategische Partnerschaft mit der Metro Gruppe ist weiterhin ein Wettbewerbsvorteil im Vertrieb und Marketing.
* Die orderbird AG verzeichnete im Geschäftsjahr 2017/2018 einen Nettoumsatz von TEUR 9.319 im Vergleich zu TEUR 9.024 im Vorjahr. Dieser Anstieg von 3,3% ist vor allem auf den weiteren Ausbau der Kundenbasis zurückzuführen. Dabei konnte der Software-Umsatz mit den Kernprodukten orderbird POS und orderbird PAY überproportional von TEUR 5.079 im Vorjahr um 17,7% auf TEUR 5.976 gesteigert werden.
* Die liquiden Mittel der orderbird AG haben sich stichtagsbezogen zum 30. September 2018 um TEUR 3.940 gegenüber dem Vorjahr auf TEUR 764 verringert. Eine Kapitalerhöhung wurde im Januar 2019 durchgeführt.
* Auch im zurückliegenden Geschäftsjahr hat für die orderbird AG die Bindung und das Wachstum an zahlenden Kunden im Fokus gestanden. Zum 30. September 2018 verwaltet die orderbird AG rund 9.200 zahlende Kunden.
* Die Mitarbeiterzahl sank wie erwartet im Geschäftsjahr 2017/2018 von 141,1 FTE im September 2017 auf 110,3 FTE im September 2018 aufgrund der erfolgreichen Beendigung verschiedener Projekte im Forschungsbereich.
* Nach den Planungen des Unternehmens wird der “Break Even Point” bis zum Ende des Kalenderjahres 2019 erreicht werden.
* Die orderbird AG sieht für das Geschäftsjahr 2018/2019 große Chancen im weiteren Ausbau des Marktanteils in der DACH-Region. Da für das Geschäftsjahr 2019/2020 Änderungen in der deutschen Legislatur erwartet werden, ist mit einem Anstieg der Nachfrage nach finanzamtkonformen digitalen Kassensystemen zum Ende des Kalenderjahres 2019 bzw. Anfang des Kalenderjahres 2020 zu rechnen. Die orderbird AG wird das Geschäftsjahr 2018/2019 nutzen, um auf diesen Nachfrageanstieg bestmöglich vorbereitet zu sein.

orderbird im Zahlencheck

2017/2018: 9,3 Millionen Euro (Umsatz); 4,5 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2016/2017: 9,0 Millionen Euro (Umsatz); 8,8 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015/2016: 5,6 Millionen Euro (Umsatz); 5,7 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2014/2015: 3,5 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)

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Foto (oben): Schutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.