#Interview Cluno: 50 % Mobility, 50 % Fintech – und millionenschwer

"In unserem 1.200 Quadratmeter großen Office arbeiten 55 Mitarbeiter. Seit Oktober 2018 konnten wir 10.000 App-Downloads verzeichnen und haben ein starkes Wachstum in allen Bereichen. Beispielsweise haben wir viele Partnerschaften mit Händlern und Autoherstellern", Nico Poletti von Cluno.
Cluno: 50 % Mobility, 50 % Fintech – und millionenschwer

In den vergangenen Monaten konnten Nico und Christina Poletti sowie Andreas Schuierer, die Gründer von Cluno rund 36 Millionen Dollar einsammeln. Investoren des Münchner Startups sind unter anderem Schwergewichte wie Valar Ventures, der Kapitalgeber von Peter Thiel, Acton Capital Partners und Atlantic Labs. Hinter Cluno verbirgt sich ein Flatrate-Anbieter für Fahrzeuge. Kunden zahlen bei Cluno einen festen monatlichen Preis für ihr Auto. Dieser beinhaltet alle Kosten außer Treibstoff. Nach sechs Monaten können die Kunden ihr Auto jederzeit wechseln.

“Nach außen für den Nutzer ist Cluno das digitale Auto-Abo, also eine Mobilitätsform. Kunden abonnieren per App ein Auto und zahlen einen fixen, monatlichen all-inclusive Paketpreis. Auf der Supply-Seite kaufen und refinanzieren wir Autos und ergänzen diese um Services, wie Versicherung, KFZ-Steuern oder Zulassung. Das ist dann die Fintech-Komponente”, beschreibt Poletti das Konzept hinter Cluno. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Cluno-Gründer außerdem über Mobilitätsformen, erfahrene Leute und das nötige Quäntchen Glück.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Cluno erklären?
Oma, das ist wie beim Otto-Katalog: Du suchst dir dein Auto aus und kriegst es dann nach Hause geliefert. Bezahlen funktioniert dann wie bei deinem Kegelclub: Du zahlst einen Monatsbeitrag, da ist alles drin, außer Tanken.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Nein, wir verfolgen sehr fokussiert und mit großer Überzeugung unsere Vision.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Cluno ist zu 50 % Mobility und 50 % Fintech. Nach außen für den Nutzer ist Cluno das digitale Auto-Abo, also eine Mobilitätsform. Kunden abonnieren per App ein Auto und zahlen einen fixen, monatlichen all-inclusive Paketpreis. Auf der Supply-Seite kaufen und refinanzieren wir Autos und ergänzen diese um Services, wie Versicherung, KFZ-Steuern oder Zulassung. Das ist dann die Fintech-Komponente.

Wie hat sich Cluno seit der Gründung entwickelt?
So gut, dass wir in einem Jahr 36 Millionen Dollar Funding von namhaften VCs wie Valar Ventures, Acton Capital und Atlantic Labs eingesammelt haben.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Cluno inzwischen?
In unserem 1.200 Quadratmeter großen Office arbeiten 55 Mitarbeiter. Seit Oktober 2018 konnten wir 10.000 App-Downloads verzeichnen und haben ein starkes Wachstum in allen Bereichen. Beispielsweise haben wir viele Partnerschaften mit Händlern und Autoherstellern. Mittlerweile können wir 50 verschiedene Automodelle von zehn Marken zur Verfügung stellen. Unsere Kunden kommen aus ganz Deutschland – von Garmisch bis Flensburg – und sind zwischen 23 bis 75 Jahre alt. Wir sprechen also eine immens breite Zielgruppe an. Eben jeden der mit dem eigenen Auto mobil sein will.

Gerade habt ihr rund 25 Millionen Euro aufgekommen. Nicht mal ein Jahr zuvor 7 Millionen. Wofür braucht ihr so viel Geld?
Cluno hat das Potential, den 420 Milliarden Euro großen Markt betreffend Autokauf, Finanzierung und Leasing in Europa radikal zu verändern. Wir investieren massiv in den Ausbau unseres Vorsprungs und steigern weiter unser Wachstum. Dafür braucht man Geld.

Reicht das Geld jetzt erst einmal eine Weile, oder sucht ihr schon wieder weitere Geldgeber?
Gute Startups raisen Geld, um um stärker zu wachsen und nicht um möglichst lange Ruhe zu haben. Von Anfang an haben sich viele VCs für unsere Arbeit interessiert und wir haben noch sehr viel vor.

Vor Cluno habt ihr bereits easyautosale gegründet. Welche Erfahrungen aus der Gründung sind in Cluno eingeflossen?
Wir haben bei easyautosale zu spät erfahrene Leute an Bord geholt und zu viel selber gemacht. Heute schaue ich auf das Cluno-Team und bin einfach beeindruckt: Hier sind so viele großartige, sehr erfahrene Menschen – das hat uns in den letzten 12 Monaten eine unglaubliche Entwicklung ermöglicht. Als wir easyautosale verkauft haben, wurden pro Jahr Autos im Wert von 100 Millionen Euro über unsere Plattform vermarktet. Wir haben dabei natürlich wahnsinnig viel gelernt und jetzt ein tiefes Know-how in den Bereichen Automobil, Restwerte, Marktgängigkeit, Customer Acquisition usw. Das hilft uns heute alles sehr!

Bisher seid ihr nur in Deutschland aktiv. Plant ihr den Schritt in andere Länder bereits?
Deutschland ist erst einmal ein großartiger Markt: Mit 40 Millionen PKWs ist der Markt sehr groß und zudem sind hier viele Autohersteller angesiedelt. Das ist eine tolle Ausgangslage. Unsere Zielgruppe sind grundsätzlich alle Menschen, die bisher Autos gekauft, geleast und finanziert haben. Damit ist Europa logischerweise auch unser Markt. Viele Auslandsmärkte sind zudem schon weiter in der Nutzung neuer Technologien, wie zum Beispiel Elektroautos, die wir bereits heute im Portfolio haben. Wir schauen uns daher genau an, welche Länder für uns besonders attraktiv sind.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist Seit dem Start von Cluno so richtig schief gegangen?
So richtig geknallt hat es nirgends, sonst stünden wir nicht da, wo wir sind. Dennoch muss man sagen, dass der Aufbau des Geschäftsmodells eines full-stack car-subscription Anbieters ultra komplex ist und selbst für uns Auto-Experten immer wieder eine echte Challenge war.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Ich denke in den Bereichen Team, VCs, Fokussierung und Timing. Wir hatten aber auch das nötige Quäntchen Glück, das gehört einfach dazu!

Wo steht Cluno in einem Jahr?
Wir sitzen mit Euch zum Interview bei uns im Büro und sprechen über die weiteren Erfolge und das starke Wachstum bis dahin. Und natürlich werfen wir einen gemeinsamen Blick auf die Mobilität der Zukunft.

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Foto (oben): Cluno

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.