#Zahlencheck Hamburger Halb-Unicorn Deposit Solutions: Mit knapp 9,5 Millionen Euro zu 35.000 Kunden

Seit dem Start im Jahre 2011 häufte das Hamburger FinTech Deposit Solutions Verluste in Höhe von rund 9,5 Millionen Euro an. Wobei 6,4 Millionen Euro davon auf das Jahr 2016 entfallen. Das Startup befand sich zuletzt somit im klassischen Expansionsmodus. 35.000 Kunden hatte Deposit Solutions vor zwei Jahren.
Hamburger Halb-Unicorn Deposit Solutions: Mit knapp 9,5 Millionen Euro zu 35.000 Kunden

Das Hamburger Startup Deposit Solutions – bekannt für Zinspilot und savedo – gehört nach einer 100 Millionen-Investmentrunde und einer Bewertung in Höhe von 500 Millionen Dollar nun zu den ganz großen FinTech-Firmen im Lande. Mehr als 143 Millionen Dollar flossen bereits in das 2011 gegründete Unternehmen, das von Tim Sievers geführt wird. Deposit Solutions positioniert sich als sogenannte Banking-Plattform für Spareinlagen. Das Angebot richtet sich sowohl an Privatkunden als auch Geldinstitute – weitere Infos zum Konzept auch in unserem aktuellen Podcast.

Im Zuge der aktuellen Mega-Finanzierung teilte das Deposit Solutions-Team mit, dass man aktuelle als 70 Banken aus 16 Ländern an seine Open-Banking-Plattform angeschlossen habe. “Einlagensuchende Banken erreichen über die Plattform so bereits mehr als 30 Millionen Sparer, die direkt ohne erneute Kontoeröffnungen über eine bestehende Bankbeziehung Geld bei Drittbanken anlegen können”. Allein das im Direktgeschäft vermittelte Einlagenvolumen habe sich in den vergangenen neun Monaten mehr als verdoppelt und liege nun bei über 9 Milliarden Euro. Die Anzahl der Kunden sei im selben Zeitraum auf über 155.000 angestiegen.

Weitere Zahlen von Deposit Solutions gibt es leider nicht. Zumindest aber legte die Jungfirma schon einmal ihren Jahresabschluss 2016 vor. Die Grössenkriterien für mittelgroße Kapitalgesellschaften erfüllte das Spar-Startup demnach noch nicht. Umsatzzahlen gibt es keine. Zumindest aber verfügte das Unternehmen damals über eine Kapitalrücklage in Höhe von rund 23 Millionen Euro. Ende 2017 wanderten dann noch einmal rund 20 Millionen Dollar in Deposit Solutions. Die Bewertung soll damals bei rund 200 Millionen Euro gelegen haben.

Seit dem Start im Jahre 2011 häufte Deposit Solutions Verluste in Höhe von rund 9,5 Millionen Euro an. Wobei 6,4 Millionen Euro davon auf das Jahr 2016 entfallen. Das Startup befand sich zuletzt somit im klassischen Expansionsmodus. Dieser stattlichen Summe (und auch 2017 wird wohl sehr verlustreich gewesen sein) stehen inzwischen – zwei Jahre später – aber beachtliche 155.000 Kunden gegenüber. Ende 2017 waren es gerade einmal 85.000 Kunden. 2016 waren es rund 35.000. Bei Investitionen in Höhe von knapp 9,5 Millionen Euro, zahlte das Halb-Unicorn somit – ganz simpel gerechnet – rund 270 Euro pro Kunden. Mit dem frischen Kapital will das FinTech weiter wachsen – vor allem international. In den weiteren Jahresabschlüssen dürfte die Szene dann auch tiefere Einblicke in die Deposit Solutions-Welt bekommen.

Fakten aus dem Jahresabschluss 2016
* Der vorliegende Jahresabschluss wurde gemäß §§ 242 ff. und 264 ff. HGB sowie nach den einschlägigen Vorschriften des GmbHG aufgestellt. Es gelten die Vorschriften für kleine Kapitalgesellschaften (§ 276 HGB), da die Grössenkriterien für mittelgroße Kapitalgesellschaften noch nicht an zwei aufeinanderfolgenden Stichtagen erfüllt sind.
* Die Umsatzerlöse der Gesellschaft entfallen hauptsächlich auf Dienstleistungen, Lizenzen, Softwarepflege und Wartungsverträge.
* Im Jahresdurchschnitt beschäftigte die Gesellschaft 54 Arbeitnehmer.
* Im Berichtsjahr wurde ein Darlehen über EUR 30.000,00 an die Geschäftsführung gewährt. Die Verzinsung beträgt 1,6% bei einer Laufzeit bis zum 1. Juli 2018. Die Rückzahlung erfolgt spätestens am Ende der Laufzeit.

Deposit Solutions im Zahlencheck

2016: 6,4 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 1,8 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2014: 398.093 Euro (Jahresfehlbetrag)

Podcast – Startup-Highlights

Im neuen ds-Podcast kommentieren OMR-Podcast-Legende Sven Schmidt und ds-Chefredakteur Alexander Hüsing wieder die wichtigsten Startup- und Digital-News aus Deutschland. In der aktuellen Folge geht es um den Freeletics-Exit, die Mega-Runde bei Deposit Solutions, den Rückzug von Deliveroo aus zehn Städten, den Niedergang der Matratzen-Startups und die katastrophale Lage bei windeln.de.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.