#Zahlencheck navabi: Kaum Wachstum und auch noch Verluste

Der Jahresfehlbetrag von navabi stieg von 5,6 Millionen Euro (2013) um 65 % auf 9,2 Millionen Euro (2014), fiel dann um 47 % auf 4,9 Millionen und dann um 48 % auf zuletzt 2,5 Millionen. Damit ist klar, das navabi die Wachstumsphase hinter sich gelassen hat.
navabi: Kaum Wachstum und auch noch Verluste

“Unser Ziel ist es, das navabi zum Synonym für Plus-Size-Mode wird”, sagte Mitgründer Zahir Dehnadi im Frühjahr dieses Jahres. Der Weg dahin ist für das 2008 gegründete Unternehmen aber noch weit – sehr weit. Ein Synonym für sogenannte Plus-Size-Mode ist vor allem Ulla Popken. Das Modeunternehmen aus Hahn-Lehmden, das auch über 300 Filialen betreibt, erwirtschaftete 2016 rund 290 Millionen Euro Umsatz. navabi kam 2016 gerade einmal auf ein Rohergebnis in Höhe von 9,4 Millionen Euro.

“Für 2016 war unser vorrangiges Ziel die Profitabilität zu erreichen bei einem moderatem Wachstum. Dieses Ziel erreichten wir durch eine Reduzierung des prozentualen Materialeinsatzes und weiteren Effizienzsteigerungen. So war es uns möglich bei gleichzeitigem Wachstum die durchschnittliche Mitarbeiterzahl um 8 % auf 121 zu senken”, heißt es im Jahresabschluss des Unternehmens. Wobei von 89 Festangestellten und 32 Aushilfen die Rede ist. Schon im Jahr zuvor baute der Online-Shop Personal ab. 2015 lag die durchschnittliche Mitarbeiteranzahl bei 131 (107 Festangestellte und 24 Aushilfen”. Damals hieß es zum Abbau: “Der Anteil der Aushilfen wurde gegenüber 2014 deutlich (40 %) reduziert”.

2014 war die Aachener E-Commerce-Firma dagegen noch voll in der Sturm- und Drang-Phase. Damals heuerte das navabi-Team 44 neue Mitarbeiter an. In Hochzeiten waren rund 150 Mitarbeiter für die Jungfirma tätig. Die Begründung aus der Expansionsphase wirft einen deutlichen Schatten auf die Jahre 2015 und 2016: “Die größere Belegschaft war zum einen notwendig, das realisierte Wachstum zu bewältigen, zum anderen wurde auch die personelle Kapazität geschaffen, um das Wachstum der nächsten Jahre zu sichern”. Wobei es zuletzt eher darum ging, die zuvor erzielten Zahlen zu verteidigen.

Dazu ein Blick auf das Wachstum von navabi: Das Rohergebis der Klamottenfirma stieg von 5,6 Millionen Euro (2013) um 30 % auf 7,3 Millionen (2014), dann um 23 % auf 8,9 (2015) Millionen, dann um 5 % auf zuletzt 9,4 Millionen (2016). Große Wachstumsfantasien sehen anders aus! Ganz anders! Zuvor waren kaum Zahlen von navabi im Umlauf. 2013 hieß es einmal, dass das Startup 30 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Gemeint waren damit vermutlich der Bruttoumsatz inklusive Retouren. Zeitgleich waren Wachstumzahlen von 120 % im Jahr im Umlauf. Alle anderen Umsatzzahlen, die in Bezug auf navabi kursieren, basieren wohl auf simplen Schätzungen der verkündeten Wachstumszahlen. Dann wäre navabi längst bei über 100 Millionen Umsatz im Jahr.

Werfen wir nun noch einen Blick auf die Verluste von navabi: Der Jahresfehlbetrag stieg von 5,6 Millionen Euro (2013) um 65 % auf 9,2 Millionen Euro (2014), fiel dann um 47 % auf 4,9 Millionen und dann um 48 % auf zuletzt 2,5 Millionen. Damit ist dann auch klar, das navabi die Wachstumsphase hinter sich gelassen hat. Alles ist darauf ausgerichtet, den Weg in die Profitabilität zu finden. 2017 wollte das navabi-Team, das bisher über 25 Millionen an Verlusten angesammelt hat, diesen Weg fortsetzen. “So erwarten wir eine Erhöhung des Rohertrags bei gleichzeitig unterproportional steigenden Kosten. Entsprechend gehen wir von einem deutlich verbesserten Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit aus”. Für 2018 erwartet das Unternehmen “eine 20%ige Umsatzsteigerung gegenüber Vorjahr mit einer proportionalen Erhöhung des Rohertrags und ein deutlich positives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit”.

Die präsentierten Zahlen scheinen Verdane Capital gefallen zu haben. Der schwedische Geldgeber investierte kürzlich offiziell einen zweistelligen Millionenbetrag in den Plus-Size-Anbieter. Wie im Jahresabschluss ersichtlich, ging es aber erst einmal um 7 Millionen Euro Eigenkapital. Knapp 40 Millionen dürften zuvor bereits in navabi geflossen sein. Wobei diese Summe auch Werbeleistungen beinhaltet. Weitere “Finanzierungsmaßnahmen” sind nicht mehr geplant. Die Kapitalrücklage betrug 2016 aber auch noch über 28 Millionen Euro. Vielleicht wird navabi mit diesem ganzen Geld noch ein Synonym Plus-Size-Mode.

Svens Meinung

ds-sven-schmidt-200Generell stellt sich die Frage, ob ein Anbieter wie navabi im Zeitalter von Amazon und Zalando überleben kann. Ist navabi also nur ein „Feature“ oder ist der Fokus auf Übergrößen eine nachhaltige Differenzierung? Sogar wenn Letzteres zutrifft bedarf es gewisser Skaleneffekte, um profitabel zu werden. Der Umsatz sollte meines Erachtens nach entweder bereits relevant sein oder es sollte ein starkes Wachstum vorliegen. Beides ist, wenn man sich den Jahresabschluss 2016 vom navabi im Bundesanzeiger anschaut, nicht der Fall. Der Außenumsatz sollte bei einem Rohertrag von 9,4 Millionen Euro zwischen 20 und maximal 25 Millionen liegen. Das ist nicht ausreichend für nachhaltige Profitabilität. Im Jahr 2016 hat navabi – trotz negativer Steuerlast – entsprechend 2,5 Millionen Euro verloren. Parallel ist der Rohertrag mit fünf Prozent Steigerung kaum gewachsen. Und generell gilt: Firmen, die kaum wachsen und dabei Geld verlieren, befinden sich in einer schwierigen Lage.
Sven Schmidt, ICS-Gründer, VC-Experte und Investor

Fakten aus dem Jahresabschluss 2016
* Der Umsatz der navabi GmbH konnte im Berichtsjahr wieder gesteigert werden. Die für das Geschäftsjahr 2016 gesteckten Ziele hinsichtlich Wachstum und Effizienzsteigerungen wurden erreicht.
* Für 2016 war unser vorrangiges Ziel die Profitabilität zu erreichen bei einem moderatem Wachstum. Dieses Ziel erreichten wir durch eine Reduzierung des prozentualen Materialeinsatzes und weiteren Effizienzsteigerungen. So war es uns möglich bei gleichzeitigem Wachstum die durchschnittliche Mitarbeiterzahl um 8 % auf 121 zu senken.
* Wesentliche finanzielle Leistungsindikatoren sind für uns der Rohertrag und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Der Rohertrag stieg aufgrund der Ausweitung des Umsatzes von T€ 8.943 im Jahr 2015 auf T€ 9.414 in 2016. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit hat sich von T€ -6.723 auf einen Wert von T€ -2.647 verbessert.
* Die Erwartung für das Jahr 2017 waren von einem weiter steigenden Online-Anteil des Handels geprägt, an dem wir weiterhin partizipieren konnten. Vorrangiges Ziel für das Geschäftsjahr 2017 war es durch Wachstum und weiteren Effizienzsteigerungen die Profitabilität zu erhöhen. So erwarten wir eine Erhöhung des Rohertrags bei gleichzeitig unterproportional steigenden Kosten. Entsprechend gehen wir von einem deutlich verbesserten Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit aus.
* Für das Geschäftsjahr 2018 erwarten wir eine 20%ige Umsatzsteigerung gegenüber Vorjahr mit einer proportionalen Erhöhung des Rohertrags und ein deutlich positives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit.

navabi im Zahlencheck

2016: 9,4 Millionen Euro (Rohergebnis); 2,5 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 8,9 Millionen Euro (Rohergebnis); 4,9 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2014: 7,3 Millionen Euro (Rohergebnis); 9,2 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2013: 5,6 Millionen Euro (Rohergebnis); 5,6 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2012: 2,2 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2011: 1,0 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2010: 116.263 Euro (Jahresfehlbetrag)
2009: 100.425 Euro (Jahresfehlbetrag)
2008: 23.170 (Jahresfehlbetrag)

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.