#Zahlencheck Onefootball: Jahr für Jahr 5 Millionen Verlust

Geldgeber wie Union Square Ventures, Lakestar, Earlybird, adidas und Daniel Hopp pumpten in den vergangenen Jahren rund 20 Millionen US-Dollar in Onefootball. Die Investoren mussten zuletzt jedes Jahr mehr als 5 Millionen Euro Verluste bei Onefootball ertragen.
Onefootball: Jahr für Jahr 5 Millionen Verlust

Bei Onefootball dreht sich immer alles um Fußball, nicht nur zur Weltmeisterschaft. Kern des Berliner Startups, das 2008 an den Start ging, sind die Apps, die Fußballfans rund um den Globus mit Zahlen, Daten und Fakten sowie spannenden Inhalten versorgen. Dabei setzt das Startup auf eine Art Medianetwork für Fußball, das News- und Ergebniscontent selbst erstellt sowie von anderen Anbietern – darunter Szene- und Expertenblogs – kuratiert. Onefootball-Gründer Lucas von Cranach beschrieb Onefootball zuletzt als “Facebook für Fußball plus Daten und Statistiken”. Ende des vergangenen Jahres nutzten 5 Millionen Fußball-Fans die Onefootball-Apps jeden Monat – bei 24 Millionen Downloads weltweit.

Geldgeber wie Union Square Ventures, Lakestar, Earlybird, adidas und Daniel Hopp, Sohn des SAP-Gründers Dietmar Hopp, pumpten in den vergangenen Jahren rund 20 Millionen US-Dollar in das Fußball-Startup, das immer sehr schweigsam und zurückhaltend war. Earlybird hält derzeit rund 19,9 % an Onefootball, Daniel Hopp 17,1 % und Union Square Ventures 16,4 %. Die Investoren mussten zuletzt jedes Jahr mehr als 5 Millionen Euro Verluste bei Onefootball ertragen. Insgesamt häufte das Startup seit 2012 Verluste von rund 19 Millionen Euro an.

Erläuterungen zu den über Jahre gleichbleibenden Verlusten gibt es im aktuellen Jahresabschluss nicht. 2016 beschäftigte das Unternehmen durchschnittlich 67 Mitarbeiter. Im Jahr zuvor waren es 58. 2014 waren 52 Mitarbeiter bei Onefootball an Bord. Im Jahr zuvor nur 24 Mitarbeiter. Laut Firmenwebsite wirken momentan 150 Mitarbeiter beim Fußballdienst. Die Personalkosten von Onefootball sind somit seit 2013 enorm gestiegen. Infos zum Umsatz von Onefootball gibt es nirgends.

Auch Onefootball-Gründer Lucas von Cranach machte in der Vergangenheit niemals genauen Angaben zum Umsatz seines Unternehmen. “Wir sind nicht profitabel aber auch nicht hochgradig defizitär. Wir wachsen stetig und finanzieren den Großteil unseres Wachstums aus eigenen Mitteln”, sagte er im Sommer 2016 gegenüber OMR. Damals schrieb Onefootball schon zweimal hintereinander 5 Millionen Euro Verlust pro Jahr. Einnahmen generiert das Startup vor allem über die Vermarktung von Werbeplätzen (Native Advertising) und Kooperationen mit größeren Partnern wie Bwin oder adidas (Integrated Advertising).

Onefootball-Macher von Cranach ist in Sachen Verluste weiter höchst entspannt. Kennzahlen wie Umsatz, Verlust und Mitarbeiter sind für ihn keine Kennzahlen – wie er im Sommer 2017 im Podcast mit digital kompakt erzählt hat. Wesentlicher sind für die Unit Economics: “Wenn ich aufzeichnen kann, dass ich meinen Kunden innerhalb eines bestimmten Zeitraumes profitabel drehen kann und das in einem skalierbaren Modell, dann ist der Verlust irrelevant”. Der Verlust sei im Grunde genommen eine Vorfinanzierung für etwas, das irgendwann einmal eintritt. So lange es die Möglichkeit gäbe, will der 1.FC Köln-Fan deswegen weiter ins Wachstum investieren. “Je größer mein Stück vom Kuchen ist, desto höher werden meine Unit Economics”.

Svens Meinung

ds-sven-schmidt-200Onefootball ist ohne Frage eine sehr erfolgreiche App. Die Kernfrage ist es, inwieweit man die Nutzer monetarisieren kann. Da Onefootball meines Wissens über keine eigenen relevanten Bewegtbildinhalte verfügt, halte ich die strategische Positionierung für schwierig. In dem sehr kompetitiven Zeitalter von DAZN, Eurosport Player, Sky, ESPN etc. stellt sich die Frage nach dem nachhaltigen Mehrwert bzw. dem systematischen Wettbewerbsvorteil von Onefootball. Der Jahresabschluss 2016 im Bundesanzeiger zeigt eine kleine Kapitalgesellschaft. In dem Fall kann man daraus schließen, dass der Umsatz im Jahr 2016 weniger als 12 Millionen Euro betragen hat, ansonsten hätte die Gewinn- und Verlustrechnung veröffentlicht werden müssen. Wahrscheinlich bedarf es eines weiteren Nutzerwachstums für Onefootball, um die notwendigen Skaleneffekte zu erreichen. Hier ist die Frage, inwieweit das gegen starke lokale Angebote wie BBC Sport in England ohne exklusive Inhalte zu erreichen ist. Mich hatte das Investment von Union Square Ventures (USV) überrascht, da ich im Fall von Onefootball keine sich selbst verstärkenden Netzwerkeffekte erkennen konnte. Dass danach unter anderem Daniel Hopp investiert hat, ist meines Erachtens nach kein gutes Signaling. Würde Onefootball sehr gut laufen, wäre USV, nicht der Sohn von SAP-Gründer Dietmar Hopp, gefolgt.
Sven Schmidt, ICS-Gründer, VC-Experte und Investor

Onefootball im Zahlencheck

2016: 5,6 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 5,3 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2014: 5,5 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2013: 3,0 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2012: 2.396 Euro (Jahresfehlbetrag)

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Foto (oben): Onefootball

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.