#Zahlencheck Helpling: Massiver Personalabbau senkt Verluste deutlich

Nach einer rasanten Wachstumsphase legte der Putzdienstvermittler Helpling Ende 2015 eine Vollbremsung hin. Aktuell arbeiten noch rund 150 Mitarbeiter für das Unternehmen. 2016 konnte das Unternehmen seine hohen Verluste aber massiv senken.
Helpling: Massiver Personalabbau senkt Verluste deutlich

Seit 2014 putzt Helpling in Deutschland Wohnungen und Büros aller Art. Das Startup, das von Rocket Internet, Mangrove Capital, Lakestar, APACIG, und Unilever Ventures finanziert wurde, nennt sich selbst “führender Online-Marktplatz zur Vermittlung haushaltsnaher Dienstleistungen”. Als Konkurrenten haben die Berliner etwa betreut.de und Book A Tiger ausgemacht. Wobei Helpling im Gegensatz zu Book A Tiger auf die Vermittlung von selbstständigen Putzkräften setzt. Der Wettbewerber beschäftigt eigene Reinigungsmitarbeiter – siehe: “Book A Tiger setzt auf Menschen – Helpling auf Technik“.

Im Jahr 2016 war das Helpling-Team rund um die Gründer Benedikt Franke und Philip Huffmann im extremen Umbaumodus. Das Rohergebnis ging dabei von 6,9 Millionen Euro auf knapp 6,4 Millionen Euro zurück (7,5 %) Dazu heißt es im Jahresabschluss: “Das Rohergebnis setzt sich im Wesentlichen aus den Umsatzerlösen (TEUR 6.183), der Erhöhung des Bestandes an unfertigen Leistungen (TEUR 158) sowie den sonstigen betrieblichen Erträgen (TEUR 74) zusammen. Die Umsatzerlöse bestehen im Wesentlichen aus Erlösen aus Serviceleistungen an verbundenen Unternehmen in Höhe von TEUR 4.308 (VJ: TEUR 5.297) und aus Kommissionserlösen in Höhe von TEUR 1.802 (VJ: TEUR 1.261). Der Rückgang der Erlöse aus Serviceleistungen an verbundenen Unternehmen ist im Wesentlichen auf den Rückgang an weiterbelastbaren Kosten, beruhend auf die Restrukturierungs- und effizienten Marketingmaßnahmen, zurückzuführen. Der Anstieg der Kommissionserlöse ist im Wesentlichen auf die im Geschäftsjahr durchgeführte Preiserhöhung zurückzuführen”. Sprich: Die Preiserhöhung rechnet sich für Helpling.

Mit weiteren “haushaltsnahen Dienstleistungen” – etwa Fensterreinigung, Möbelaufbau und Entrümpelung -, die das Unternehmen seit Ende 2016 anbietet, soll der Umsatz im Vermittlungsgeschäft weiter kräftig wachsen. Ob es geklappt hat, wird der Jahresabschluss für 2017, der noch nicht vorliegt, zeigen. Das Ziel der Hauptstädter dabei ist groß: Im Sommer des vergangenen Jahres verkündete das Helpling-Team, dass man den eingeschlagenen “Weg zur Profitabilität” im Laufe der kommenden 12 Monate fortsetzen wolle.

Zuletzt gelang dies schon recht gut: 2016 konnte das Unternehmen seinen “Jahresverlust gegenüber dem Vorjahr signifikant” senken. Konkret von 10,4 Millionen Euro im Jahre 2015 auf nun 3,6 Millionen – also um 65,4 %. Insgesamt häufte Helpling seit dem Start Verluste in Höhe von 18,7 Millionen an. Die zuletzt massive Reduzierung gelang dem Putzvermittler durch einen weiteren Personalabbau: 2016 beschäftigte Helpling nur noch 106 Mitarbeiter. Im Jahr zuvor waren es noch 190. Der Personalaufwand verringte sich dadurch von 5,9 Millionen auf 3,4 Millionen. Wobei das Unternehmen in Hochzeiten bis zu 360 Mitarbeiter beschäftigte. Die Zahl wurde Ende 2015 bekannt, als 20 % der Mitarbeiter das Unternehmen verlassen mussten. Aus rund 360 Mitarbeitern wurden somit in kurzer Zeit rund 106. Damals zog sich Helpling auch aus Märkten wie Brasilien, Kanada, Schweden und Spanien zurück. Momentan arbeiten laut Firmenangaben rund 150 Mitarbeiter für Helpling.

“Nach unserem rasanten Rollout in den ersten drei Jahren in einem extrem umkämpften Umfeld haben wir 2016 dazu genutzt, vor allem unser Produkt und die Nutzerexperience weiterzuentwickeln – nicht nur für Haushalte, sondern vor allem auch für Dienstleister. Diese Entscheidung war enorm positiv für unser Geschäft, was sich vor allem in einer deutlichen Verbesserung der CLVs und einer weit höheren Weiterempfehlungsrate zeigt. Heute sind mehr als 90 % der Helpling-Nutzer Dauerkunden in einer ein- oder zweiwöchigen Beziehung mit ihrer Reinigungskraft”, sagt Helpling-Mitgründer Franke im Rückblick auf das Jahr 2016. In Sachen “technologischer Weiterentwicklung” verweist er etwa auf eine neu entwickelte Chatfunktion zwischen Haushalt und Reinigungskraft. “Viele dieser Nachrichten schlugen zuvor bei unserem Kundendienst auf. Durch solche Innovationen konnten wir unser Geschäft wesentlich effizienter skalieren als in der Vergangenheit. Das wird auch sehr deutlich in den Zahlen für 2017 sichtbar.”

Fazit: Helpling hat eine massive Umstrukturierung hinter sich – die bis auf die Entlassungen Ende 2015 kaum wahrgenommen wurde. Das Unternehmen konnte seine Verluste – vor allem durch einen massiven Stellenabbau – deutlich verringern. Der Umsatz des Unternehmens, das immerhin einen hohen zweistelligen Millionenbetrag einsammeln konnte, bewegt sich aber weiter in sehr niedrigen Regionen. Da muss man schon sehr viel Fantasie haben, um aus Helpling noch einen Einhorn-Megaerfolg machen zu wollen. Helpling-Macher Franke nimmt die Herausforderung dennoch an! “Wir betreiben heute mit etwa 150 Mitarbeiter in neun Ländern ein Business, das um ein vielfaches größer ist als 2016. Wir sind in acht von neun unserer Märkte profitabel – darunter unsere Kernmärkte Deutschland, Frankreich und die Niederlande. In diesen Märkten kommen wir unserem Ziel immer näher, in unserer Zielgruppe zum ‘Household Name’ zu werden; mehr als die Hälfte unserer Neukunden akquirieren wir heute über Brand und Direct Traffic-Nutzer, die Helpling gezielt als erste Option ansteuern, um eine passende Reinigungskraft zu finden.”

Ob dies ausreicht, um auch andere Dienstleitungen rund um den Namen Helpling zu etablieren, muss sich aber noch zeigen! Website und Marketing sind auch 2018 noch immer im großen Stil auf die Vermittlung von Putzkräften ausgerichtet. Zum Glück aber verfügt die Putzfirma noch über rund 21 Millionen an Kapitalrücklagen. Da kann der Ausbau auf andere Dienstleistungen noch einige Jahre länger dauern. In den vergangenen Jahren flossen – in die Helpling-Dachgesellschaft – rund 70 Millionen in Helpling. “Das Geld reicht mit großem Puffer bis zur Profitabilität”, sagt Franke.

Fakten aus dem Jahresabschluss 2016

* Helpling konnte im aktuellen Geschäftsjahr 2016 ein Umsatzwachstum im Vermittlungsgeschäft von 49 % verzeichnen, das im Wesentlichen auf die im Geschäftsjahr durchgeführte Preiserhöhung zurückzuführen ist. Die Entwicklung der Umsätze steht im Einklang mit der Prognose. Durch gezielte Restrukturierungs- und effiziente Marketingmaßnahmen konnte die Ertragslage des Unternehmens im Jahr 2016 verbessert und der Jahresverlust gegenüber dem Vorjahr signifikant gesenkt werden.
* Helpling gilt als deutscher Marktführer unter den Internetplattformen für die Vermittlung von Reinigungsdienstleistungen. Neben betreut.de, einer Plattform für die Vermittlung diverser unterschiedlicher haushaltsnaher Dienstleistungen gilt dabei Book-a-Tiger als relevanter Wettbewerber.
* Im Geschäftsjahr wurden die Geschäftstätigkeiten der Clean on Demand UG (haftungsbeschränkt) i.L. und der HFH Reinigungs GmbH aufgegeben. Hintergrund hierfür ist die Fokussierung aller Geschäftstätigkeiten bei der Helpling GmbH. Die vorhandenen Ressourcen beider Gesellschaften wurden dabei, sofern möglich, zu der Helpling GmbH übertragen.
* Der Personalaufwand ist gegenüber dem Vorjahr um TEUR 3.395 auf TEUR 5.915 gesunken. Dieser Rückgang resultiert im Wesentlichen aus dem Rückgang der Mitarbeiteranzahl. Im Jahresdurchschnitt waren 106 (VJ: 190) Arbeitnehmer beschäftigt.
* Oberste Priorität für Helpling hat die Etablierung bzw. Weiterentwicklung des Geschäftsmodells. Die Geschäftsführung der Helpling GmbH erwartet für 2017 ein signifikantes Umsatzwachstum bei gleichzeitiger Verbesserung der Profitabilität. Das Wachstum soll durch ein verbessertes und breiter gefächertes Angebot, fokussiertes Marketing für die Gewinnung von Neukunden, höhere Kundenbindung durch das neue Abonnement Modell für Neukunden, eine optimierte Website und einen höheren Bekanntheitsgrad erreicht werden.

Helpling im Zahlencheck

2016: 6,4 Millionen Euro (Rohergebnis); 3,6 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2015: 6,9 Millionen Euro (Rohergebnis); 10,4 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2014: 4,1 Millionen Euro (Rohergebnis), 4,7 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)
2012: 2 Millionen Euro (Jahresfehlbetrag)

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Foto (oben): Helpling

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.