Revolution abgesagt! PropTech: Viele Verlierer und wenige (große) Gewinner

Die Revolution bei der Vermietung von Wohnungen ist bisher ausgeblieben. Zahlreiche junge PropTech-Unternehmen sind schon wieder vom Markt verschwunden - etwa nachmieter.de, Mietercasting und Mitadu. Hausgold, Maklaro und McMakler sind dagegen erfolgreich unterwegs.
PropTech: Viele Verlierer und wenige (große) Gewinner

2015 entstanden in Deutschland – nach der Einführung des Bestellerprinzips – zahlreiche junge Unternehmen rund um Maklerdienste. Es herrschte Goldgräberstimmung – siehe “Mieten, kaufen, wohnen – Start-ups, die man kennen muss“. Knapp 20 Monate sind zahlreiche Start-ups, die sich um die Themen “Mieten, Kaufen, Wohnen” – auch als PropTech bekannt, gekümmert haben, schon wieder vom Markt verschwunden, andere wiederum fristen ein Nischen-Dasein oder sind zu Zombies mutiert.

Das Düsseldorfer Start-up adequado ist eines der vielen Start-ups, die schon wieder verschwunden sind. adequado, das von Lars Nielsen geführt wurde, positionierte sich als “echtes Full-Services Angebot für Vermieter”. Vermieter konnten über die Plattform “einzelne Leistungen oder auch Komplettpakete mit wenigen Klicks sofort online zum Festpreis buchen”. Zudem bot adequado virtuelle Wohnungsbesichtigungen an. Das Start-up EliteMieter.de wiederum wollte beim Mietprozess helfen und “die Suche nach einem Mieter bzw. einem neuen zu Hause für beide Seiten so zeitsparend wie möglich gestalten”. Es gelang nicht, die Plattform ist offline.

Ebenfalls aus dem Netz verabschiedet hat sich nachmieter.de. Mit Nachmieter.de konnten Onliner Markler komplett ausschalten. Das Start-up bot Mietern eine Plattform, ihrem Vermieter einen Nachmieter zu stellen und damit sogar noch Geld zu verdienen. Konkret ging es um eine Monatsmiete als Belohnung. Nachmieter.de wurde von Sascha Lazimbat, Mark Lübcke und Ángel Nieto gegründet. Auf der Plattform steht schon länger: “Unser neues Angebot startet bald offiziell”.

Nicht mehr zu erreichen ist auch Mietercasting. Das Start-up wollte Mieter, Vermieter und – wenn gewünscht – auch Vermietprofis zusammenbringen. Mietercasting verstand sich aber nicht als Listing-Plattform, sondern wollte das Prinzip umdrehen, indem Mietinteressenten gezielte Suchanfragen anlegen konnten. Vermietern und Vermietprofis sollte so die Vorauswahl geeigneter Mieter abgenommen werden. Das Konzept ging dann wohl nicht auf, das Unternehmen schlitterte in die Insolvenz.

Auch Mitadu aus Köln wollte “Vermietern eine Möglichkeit geben, die Vermietung ohne Makler und ohne hohe Kosten komplett von zuhause aus durchzuführen”. Die Plattform ist inzwischen komplett aus dem Netz verschwunden. Ebenso Vendomo (auch als RightHome bekannt) aus dem Hause Rocket Internet. “Das Kundeninteresse an Vendomo war sehr groß. Leider haben wir in der Zwischenzeit noch mehr über den Markt gelernt und einige Merkmale machen ihn weniger interessant”, teilte Rocket als Grund für den Rückzug aus dem PropTech-Segment mit.

Und auch mit nestpick hatte der Internet-Investor kein Glück. Das Start-up, das einmal als Wohnungsplattform für Austauschstudenten startete, wandelte sich im Laufe der vergangenen Monate zum simplen Aggregator und Preisvergleich für möblierte Wohnungen. Verschwunden ist zudem das Münchner Start-up Tenanto. Dieses bündelte alle passenden Mietkandidaten für private Vermieter an einem Ort. Dafür bauten die Macher eine einfache Software, die E-Mail und Exceltabellen mit einem Bewerber-Tracking-System ersetzen sollte.

Die vielen Ausfälle im Boomsegment zeigen, dass sich gerade Start-ups, die sich um die Vermietung von Wohnungen gekümmert haben, schwer getan haben. Die Margen bei der Vermietung einer Wohnung sind einfach klein, der Aufwand trotz aller Digitalisierung groß. Die Revolution bei der Vermietung von Wohnungen ist bisher ausgeblieben. Unternehmen wie Hausgold (früher als talocasa bekannt), Maklaro (früher als ImCheck24 bekannt) und McMakler, die sich insbesondere um den Verkauf von Wohnungen und Häusern kümmern, sowie Homeday, ein Maklervergleich, sind da deutlich erfolgreicher im Markt unterwegs. Alle Jungfirmen konnten inzwischen auch große Beträge einsammeln.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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