Preisvgl.de und Co. sind insolvent “Internet-Millionärin” legt Bruchlandung hin

Preisvgl.de und Co. sollen sich schon längere Zeit in Schieflage befunden haben. Nun ist das Firmengeflecht von Yvonne Tesch insolvent. Auch Teschs neuestes Projekt, Code is the New Black, ist insolvent. Ein Blick auf SimilarWeb zeigt , dass der Traffic bei Preisvgl.de zuletzt massiv abgestürzt ist.
“Internet-Millionärin” legt Bruchlandung hin

Yvonne Tesch, unter anderem Gründerin von Preisvgl.de, war zuletzt eine Art Postergirl der Gründerszene. Die große, bunte Bild feierte die Berlinerin vor zwei Jahren mit “Yvonne (33) macht 30 Millionen Umsatz im Jahr“. Gründerszene schrieb vor einem Jahr: “Sie ist Seriengründerin, Millionärin und Mutter”. Und wir schrieben Ende 2013: “Tesch ist Anfang Dreißig, Mehrfach-Gründerin und Millionärin: Mit Preisvergleichsseiten wurde sie eine der wichtigsten Gründerinnen Deutschlands”. Und auch in Thomas Promnys Buch “Online-Mittelstand in Deutschland” waren Tesch gleich 20 Seiten gewidmet. Sie war sogar die einzige Frau im gelungenen Interview-Werk.

Jetzt ist der große Traum der Seriengründerin, die zuletzt mit ihrer Firma Code is the New Black die Projekte inspoit und CovetMe aufbaute, leider geplatzt. Sowohl maryme, das Unternehmen hinter Preisvgl.de, als auch Code is the New Black sind insolvent – wie ein Blick ins Handelsregister zeigt. Zum Insolvenzverwalter der Unternehmen wurde Rechtsanwalt Björn Gehde bestellt.

Vor dem bitteren Gang zum Amtsgericht hat Tesch wohl noch massiv versucht, ihr Firmengeflecht zu verkaufen. Zumindest ist dies lautstark via Berliner Flurfunk zu hören. In der Berliner Gründerszene ist aber auch zu hören, dass Teschs kleines Preisvergleich-Imperium mit Ablegern in 15 Ländern und 1 Million Visitors täglich (eigene Angaben), schon immer mal kurz vor dem Aus stand. Dass niemand Großes aus der Szene zugegriffen hat, liegt wohl auch daran, dass Tesch und Co. im Großen und Ganzen im grauen Bereich (vielleicht sogar auch eher im komplett schwarzen Bereich) des Internets unterwegs waren (Stichwort: Traffic-Einkauf mit unseriösen Mitteln). Auf Anfrage stellt Tesch gegenüber deutsche-startups.de klar: “maryme hat niemals, nicht einen einzigen Tag, grau oder schwarz und erst recht nicht illegal gearbeitet. Das war immer unser Anspruch! Als einer von ganz wenigen im Markt”. Alles andere weist sie als “Effekthascherei” zurück.

Im “Online-Mittelstand”-Buch erklärte die Hauptstädterin kürzlich ausführlich ihr Geschäftsmodell: “Im Prinzip ging es immer darum, Themen zu finden, bei denen man günstiger Traffic-Klicks einkaufen als verkaufen kann. Je mehr man vorne hineinkippte, desto mehr kam hinten wieder raus”. Preisvgl.de und Co. waren somit massiv abhängig von Google und das Unternehmen arbeitete dabei laut diversen Stimmen aus der Szene nicht immer sauber. Dennoch ging das Konzept einige Jahre auf und lohnte sich. Google strafte das Unternehmen dann aber wohl ab – was dem Konstrukt und seinem Geschäftsmodell wohl das Genick gebrochen hat. Ein Blick auf SimilarWeb zeigt zumindest, dass der Traffic etwa bei Preisvgl.de zuletzt massiv abgestürzt ist. Eine (einst) große Schar an Mitarbeitern (einige sollen sogar schon monatelang kein Gehalt bekommen haben), ein großes Büro und Co. ließen sich damit auf jeden Fall nicht mehr refinanzieren.

Erstaunlich dabei: Preisvgl.de ist laut Impressum inzwischen auf den Philippinen verortet – in einem Virtual Office, dass jeder in wenigen Minuten anmieten kann. Die Domain selbst gehört unterdessen Steffie Schab von der Schapea UG. Schab ist laut Xing Chefin der Münchner Firma wusoma . “Wusoma specializes in large-scale E-commerce activities and provides its services in more than 20 countries across 6 continents”, heißt es auf der Website des 2011 gestarteten Unternehmens. Zudem brachte die Firma appster und fernbus24 als Spin-Offs hervor. Für eine Stellungnahme war das wusoma-Team bisher nicht zu erreichen.

Lesestipp: “Scheitern ist keine Schande: 12 mutige Gründer reden über ihr Scheitern“.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.