Gründerinnen “Die erste Million war der Knaller” – Yvonne Tesch von maryme

Die Stimme ist kratzig, die Nase verschnupft: „Kitaviren“, entschuldigt sich Unternehmerin Yvonne Tesch, „früher war ich nie krank.“ Tesch ist Anfang Dreißig, Mehrfach-Gründerin und Millionärin: Mit Preisvergleichsseiten wurde sie eine der wichtigsten Gründerinnen Deutschlands.
“Die erste Million war der Knaller” – Yvonne Tesch von maryme

Yvonne Tesch ist Anfang Dreißig, Mehrfach-Gründerin und Millionärin: Mit Preisvergleichs-Seiten wurde sie eine der wichtigsten Startup-Gründerinnen Deutschlands. Ihre Firma maryme fährt jährlich Millionen-Umsätze ein, im Rekordjahr 2011 waren es 30 Millionen Euro. Was ihr zum Erfolg verholfen hat, steht für die waschechte Berlinerin außer Frage: ihre Lust am Risiko.

maryme: 100 Vergleichs-Seiten in 15 Ländern

Die Stimme ist kratzig, die Nase verschnupft: „Kitaviren“, entschuldigt sich Jungunternehmerin Yvonne Tesch, „früher war ich nie krank.“ Jetzt muss sich die alleinerziehende Mutter und Gründerin mit den Krankheitserregern fremder Kinder herumschlagen, was sie aber nicht daran hindert, weiterhin ihren Job zu tun und an der nächsten Million zu arbeiten.

Bei der heutigen Marktsituation ist es schwer vorstellbar, dass jemand mit Produktvergleichsseiten 30 Millionen Umsatz im Jahr macht, so wie es Tesch 2011 mit ihrer Firma maryme (www.maryme.de) gelang – 2012 waren es aufgrund von Investitionen 26 Millionen Euro. Der Markt ist riesig, die unzähligen Wettbewerber kannibalisieren sich gegenseitig. Teschs Vorteil ist, dass sie bereits 2007 mit maryme durchstartete, als es in Deutschland gerade mal Unister mit preisvergleich.de gab. Mittlerweile gehören zur Dachmarke über 100 Vergleichsseiten in 15 verschiedenen Ländern, die täglich von einer Million Besuchern gesehen werden.

Nach der Gründungsphase wurde es für die Berlinerin 2011 nochmals spannend, als ihr Mitgründer die Firma verließ und sie seinen Part übernehmen musste: „Eigentlich war immer mein Partner die Rampensau, ich habe mich eher im Hintergrund um Produkt und Strategie gekümmert“, verrät Tesch. Plötzlich ein Team nach außen und innen hin zu führen, war für sie wie ein Sprung ins kalte Wasser. Eine Grenzerfahrung, die Tesch aber auch Spaß gemacht hat, „weil ich immer wieder meine Grenzen auslote und Neues brauche“.

Unternehmerin? „Das ist eben so passiert.“

Überhaupt scheint das Leben von Yvonne Tesch eine Anhäufung von Planänderungen zu sein. Unternehmerin stand nie auf der Agenda, „ich bin gar nicht der Unternehmer-Typ, das ist eben so passiert“. Nach zwei Jahren Architektur-Studium in Berlin schmiss die 33-Jährige hin, weil die überfüllten Hörsäle sie nervten und ihr die Ausrichtung zu künstlerisch war: zu viele bekiffte Studenten, zu wenig planerisches Vorgehen im Studium. Ihr nächster Schritt führte sie in die Agentur-Szene, wo sie sich in einer Firma um die Bereiche Affiliate und SEO kümmerte und nebenbei Informatik studierte.

Eigentlich habe ihr das Agentur-Geschäft Spaß gemacht, verrät Tesch, aber als die Kunden und Budgets größer wurden, habe sie angefangen, an der Unternehmensstrategie mitzudenken – was nicht gewünscht war. Also packte sie erneut ihre Sachen und ging, ohne etwas Neues in der Tasche zu haben – Risiko-Affinität hält sie bis heute für eine der wichtigsten Gründereigenschaften. Als Nebenbei-Projekt setzte sie zusammen mit ihrem späteren maryme-Partner Affiliate-Seiten auf, mit denen das Duo in kurzer Zeit „mehr Geld machte, als in all den Agentur-Jahren zuvor“. Das erste Produkt war eine Immobilien-Suchmaschine, es folgten die Bereiche Reise, Fernstudium, Kredite und andere, dann fokussierte sich das Team stärker auf Produkt-Feeds und klassischen E-Commerce.

Der Aufstieg war rasant, trotzdem scheint er der blonden Hauptstädterin nicht zu Kopf gestiegen zu sein. Aufgewachsen im Stadtteil Hohnschönhausen hat Tesch auch während ihrer Studienjahre immer nebenbei gearbeitet: tagsüber als Hostess, nachts im Obdachlosenheim. „Ich bin stressresistent, hatte einfach schon zu viel Stress im Leben“, lacht sie. Die erste Million auf dem Firmenkonto, das war 2009, sei dann schon der Knaller gewesen. „Wobei: Als wir die 100.000 Euro-Marke knackten, haben wir noch mehr gefeiert als bei der ersten Million. Wir sind mit einem Cabrio durch Berlin gefahren und haben Champagner getrunken.“

Mit maryme „vom Durchlauferhitzer zum echten Produkt“

Mit ihrem Gründungspartner habe sie sich gut ergänzt, findet Tesch. Allerdings habe die Unterschiedlichkeit auch zunehmend für Spannungen gesorgt. Insofern war auch Erleichterung dabei, als er 2011 maryme verließ und sie endlich all das umsetzen konnte, was ihr vorschwebte. Zuvor hätten sie sich an der Frage, ob man lieber aus dem Bestehenden das Beste rausholen oder aber wachsen solle, immer wieder aufgerieben.

Nun stehen bei maryme also alle Zeichen auf Wachstum. Tesch will mit maryme verstärkt „weg vom Durchlauferhitzer hin zum echten Produkt“: Aktuell arbeitet das Team an einem eigenen Produktkatalog, um sich noch stärker vom Wettbewerb abzugrenzen. Nebenbei zieht die stets aktive Berlinerin auch noch weitere Projekte wie die Fashion-Plattform Pinstyle (www.pinstyle.com) hoch, auch Kinder-Apps haben ihr Interesse geweckt. Die Gefahr, den Fokus zu verlieren, sieht Tesch trotzdem nicht. „Ich kann strukturiert und zielorientiert arbeiten und dabei viele Sachen nebenbei betreiben.“ Auch eine Sache, die sie im Studium gelernt hat: Als sie ein Programm für ihr Informatik-Diplom schreiben wollte, stand eine benötigte API noch nicht in vollem Umfang zur Verfügung. Also passte sie ihre Pläne an und „machte drei Monate Party, um dann die nächsten drei Monate meine Wohnung nicht einmal mehr zum Essen zu verlassen, sondern das Ding runter zu schreiben.“ Diese Zielstrebigkeit habe sie auch heute noch – was bedeutet, dass man sicherlich noch vieles von der Jungunternehmerin hören wird.

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Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. KEAL

    endlich mal wieder eine coole, klasse story die spass macht zu lesen, die unverkrampft daher kommt und zeigt: entweder ist man ne coole sau oder nicht. alles gekrampfe wirkt einfach nicht mehr. gratulation zu diesem erfolg. (ach ja trotz Kind, alleinerziehend, think about)



  2. Ehem. Geschäftspartner aus M.

    Ich finde es schon ziemlich unmoralisch, sich hier so dermaßen abfeiern zu lassen! Immerhin wird nach und nach bekannt, dass in den letzten 6 Monaten knapp 50 Leute ihren Platz räumen mussten.

    Naja, was kümmern mich 50 Leute mehr beim Arbeitsamt, wenn ich selber nen pralles Bankkonto habe und Champagner schlürfen kann, was das Zeug hält. *Fremdschämen pur*



  3. Kein ehem. Geschäftspartner.

    Was soll eigentlich dieser ewige Hass gegen Erfolg von Personen? Wer hart arbeitet und Risiken trägt muss auch dafür belohnt werden. Diese Frau verdient meinen vollen Respekt. Das es Neid gibt, ist klar (siehe unten). Anstatt ständig mit der Moralkeule zu kommen (das zieht sowieso nicht) sollte sich der vergraulte Geschäftspartner selber dransetzen und beweisen, dass er das Zeug zum Erfolg hat. Deutschland = Neidgesellschaft und Rumheulen. Das müssen wir unbedingt überwinden!



  4. Ehem. MA bei YT

    Nur das dieser (angeblich neidische) Geschäftspartner mindestens genauso erfolgreich ist. Er lässt es nur nicht so raushängen.
    SIe soll ja erfolgreich sein. Bitte gerne. Dann müssten nicht so viele Leute Ihren Hut nehmen. Denn die müssen ja nicht gehen, weil zu viel Geld verdient wird.



  5. ehemaliger MA bei M.

    Sie hatte eine Idee und sie hat sie umgesetzt. Sie hat nach den Regeln dieser Gesellschaft und den Bedingungen ihres Marktes gespielt, gewonnen und ist damit reich geworden. Wenn Leute arbeitslos geworden sind, weil die Idee langfristig nicht trägt und sie sich jetzt beschweren, sollten sie sich schon fragen: war das Geschäft denn unmoralisch? Nein! Wenn es unmoralisch ist, mit der Arbeit anderer Geld zu verdienen, dann ist jedes Angestelltenverhältnis unmoralisch. Die Ursache liegt allein in der Art, wie Wirtschaft heute funktioniert. Und wir alle versuchen, in dieser Wirtschaft zu überleben.

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