“Wir erwirtschaften bereits heute operativ schwarze Zahlen” – Burkhard Gersch von avandeo im Interview

Seit 2009 können Netzbewohner bei Online-Shop avandeo (www.avandeo.de), der unter dem Namen design2desire an den Start ging, Betten, Sofas und Tische kaufen. Das kleine Start-up sicherte sich Ende 2010 die Unterstützung des bekannten […]

Seit 2009 können Netzbewohner bei Online-Shop avandeo (www.avandeo.de), der unter dem Namen design2desire an den Start ging, Betten, Sofas und Tische kaufen. Das kleine Start-up sicherte sich Ende 2010 die Unterstützung des bekannten französischen Kapitalgeber Partech, der in Deutschland ansonsten das beliebte Stadtmagazin Qype und den 3D-Chat Smeet unterstützt. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht avandeo-Mitgründer Burkhard Gersch über Stoffproben, Expansionsphase und den Garten seiner Eltern.

Welche Produkte haben Sie selbst schon bei avandeo gekauft?
Da gibt es einige. Ich habe mehrere Lampen und Beistelltische von avandeo. In meinem Wohnzimmer steht ein graues Lungo Sofa aus der ersten Produktion und meinen Eltern habe ich unser Toskana Rattanset für ihren Garten geschenkt.

Was sind die größten Herausforderungen beim Verkauf von Möbeln über das Netz?
Die größte Hürde ist das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Einige Internet-Shopper haben schlechte Erfahrungen beim Online-Kauf gemacht. Dann fällt es natürlich umso schwerer Kunden für eine relativ junge Online-Marke zu sensibilisieren. Außerdem sind viele Kunden immer noch daran gewöhnt, Möbel im Shop live auszuprobieren. Das geht bei uns nur bedingt. Unser Münchner Showroom und unsere Stoffproben helfen schon sehr beim Verkauf und stärken das Vertrauen. Hier werden wir uns für die Zukunft aber noch andere Lösungen einfallen lassen.

Zum Beispiel?
Ein Beispiel wäre die Zusammenarbeit mit Designboutiquen oder der Gastronomie. Hier kommen im Moment vermehrt Anfragen. Gerade im Event- und Gastronomiebereich gibt es mannigfaltige Möglichkeiten unsere Produkte für den Konsumenten erlebbar zu machen. Hier gibt es bereits ein paar Ansätze und wir sprechen mit potenziellen Partnern.

Was unterscheidet avandeo von anderen Möbel-Shops wie myfab, Fashion4home oder Moebel-Profi.de?
avandeo ist die erste Online-Möbel-Marke. Alle Möbel, die wir anbieten, haben wir aus Überzeugung in unser Portfolio aufgenommen. Ich glaube, dass macht avandeo für unsere Kunden auch so interessant. Unser Schwerpunkt liegt ganz klar im zeitgemäßen Möbeldesign, unsere stärkste Konkurrenz sehen wir eher im Offline-Handel. Bei uns gibt es sowohl echte Designmöbel, als auch sehr zeitgemäße Möbel, die gerade aktuell und angesagt sind. Kunden finden bei uns Designer und Künstler die ihre neuesten Kreationen vorstellen und können diese zu Teilen bereits bei uns käuflich erwerben. Wir verstehen uns als Möbelmarke und Ideenplattform.

Was sind die Verkaufsschlager bei avandeo?
Was wir wirklich gut verkaufen sind unsere Sofas und Stühle. Outdoor-Möbel gehen im Sommer natürlich immer sehr gut. Dazu können wir über den Verkauf von Lampen, wie zum Beispiel der Oon Lampe und der Bell Deckenleuchte, nicht klagen.

Wo werden die Möbel, die bei avandeo verkauft werden, hergestellt?
Wir lassen sowohl in Europa als auch in Asien produzieren. Außerdem ist avandeo ständig auf der Suche nach neuen Herstellern.

Bei einer Produktion in Asien denken viele an Arbeiter, die ausgebeutet werden, schlechte Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit. Wie sichern Sie sich ab, dass dies bei den Fabriken, in denen sie produzieren lassen, nicht passiert?
Wir haben unsere Fabrikationspartner sehr sorgfältig selektiert und arbeiten ausschließlich mit renommierten Partnern zusammen, die viele Jahre Exporterfahrung haben. Zudem haben wir ein sehr strenges Auditverfahren entwickelt, welches ein möglicher Partner bestehen muss. Die sorgfältige Auswahl unserer Partner spielt für uns eine große Rolle.

Bei Shops sind Retouren immer ein Problem, wie sieht dies bei avandeo aus?
Alle avandeo-Möbel durchlaufen strenge Qualitätskontrollen, jedes einzelne Stück wird am Ende der Produktion von eigenen Mitarbeitern überprüft. Natürlich gibt es auch bei uns Retouren. Unsere Quote ist aber sehr gering. Schäden auf dem Transportweg sollten nicht passieren, können jedoch vorkommen. Kommt es zur Beanstandung, finden wir zusammen mit unserem Logistikpartner immer recht schnell eine Lösung, die unsere Kunden zufriedenstellt.

Was ist für Sie denn eine geringe Retourenquote?
Unsere Retourenquote liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Blicken Sie bitte einmal zurück: Was ist seit dem Start im Jahre 2009 so richtig schief gegangen?
Jede Firmengründung stellt einen vor unerwartete Probleme. Trotzdem würde ich sagen, dass bei avandeo nichts so richtig schief gelaufen ist. Wir bereuen die Entscheidung zur Gründung von avandeo in keinster Weise.

Und wo haben Sie Ihrer Meinung nach alles richtig gemacht?
Diese Frage ist schwer konkret zu beantworten. Der Erfolg spricht für sich. In der Summe haben wir viele kleine, aber feine Details richtig gemacht und unsere Kunden überzeugt.

avandeo war ursprünglich in Berlin beheimatet. Inzwischen ist München der Firmensitz. Warum?
Der offizielle Sitz von avandeo war nur für einige Monate in der Hauptstadt und ist jetzt München. Die Entscheidung nach München zu gehen wurde auch dadruch beeinflusst, dass hier sehr viele avandeo-Kunden Zuhause sind. Dazu haben wir Anfang 2011 einen Showroom im schönen Bogenhausen eröffnet, in dem sich Interessierte einige Möbel ansehen und erleben können.

Wie viele Menschen sorgen für den reibungslosen Ablauf bei avandeo?
Zurzeit beschäftigt avandeo über 40 Personen in München und Shanghai. Dazu kommen die vielen Designer und selbstverständlich auch unsere Logistikpartner.

Planen Sie eine Auslandsexpansion?
Wir liefern unsere Möbel derzeit auch nach Österreich und in die Schweiz, planen aber auch noch weitere europäische Länder anzugehen, ja.

Welche Länder stehen oben auf der Agenda?
Zunächst geht es ins naheliegende europäische Ausland, wobei wir uns die Märkte vor Markteintritt noch ganz genau ansehen. An einer abschließenden Priorisierung arbeiten wir gerade. Wir verhandeln zudem auch mit Partnern in Übersee.

Kann man das Konzept von avandeo ohne Probleme auf andere Länder übertragen? Was sind die Herausforderungen bei der Auslandsexpansion?
Wir sind mehr als ein E-Commerce-Start-up. avandeo ist ein Möbelunternehmen mit komplett integrierter Supply Chain. Unsere Webplattform zu internationalisieren ist erst der Anfang. Die Herausforderung ist es, unseren Kunden in den neuen Märkten die gleiche Service-Qualität zu liefern, wie in Deutschland. Wichtige Themen sind hier vor allem eine entsprechende Supply Chain- und Logistik aufzubauen.

Wie steht es wirtschaftlich um avandeo, wann schreiben Sie schwarze Zahlen?
Wir erwirtschaften bereits heute operativ schwarze Zahlen, wenn man unsere Business Development-Aktivitäten nicht berücksichtig. Als junge, stark expandierende Online-Marke sind wir natürlich noch einige Zeit in einer Expansionsphase.

Und welchen Umsatz fährt avandeo momentan ein?
Unser Bestellvolumen war in 2010 ein einstelliger Millionenbetrag, in 2011 planen wir einen zweistelligen Millionenbetrag.

Wo steht avandeo in einem Jahr?
Wir möchten natürlich weiter aus der Nische herauswachsen und eine ernstzunehmende Stellung im Möbelmarkt erreichen. Unser Ziel ist es, dass beim Möbelneukauf der Name avandeo in den Köpfen der Kunden verankert ist und im besten Fall natürlich die Entscheidung des Kaufs auf uns fällt. Daran arbeiten wir gerade!

Zur Person
Burkhard Gersch gründete avandeo 2009 gemeinsam mit Brigitte Wittekind und Ulrich Gersch. Bei avandeo kümmert sich Gersch um die Themen HR, Marketing, Sales und Kundenservice. Davor wirkte er unter anderem als Director bei Simon, Kucher & Partners – Strategy and Marketing Consultants GmbH.

Artikel zum Thema
* Partech steigt bei avandeo ein
* Aus design2desire wird avandeo
* design2desire sammelt Kapital ein
* design2desire vertreibt Möbel

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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