Miet-Marktplatz erento krempelt sein Geschäftsmodell komplett um

Große Kehrtwende beim Miet-Marktplatzes erento (www.erento.de): Das 2003 von Uwe Kampschulte und Chris Möller gegründete Unternehmen stellt – ähnlich wie das Dienstleistungsauktionshauses MyHammer – sein Geschäftsmodell derzeit komplett auf den Kopf. Bisher setzte […]
Miet-Marktplatz erento krempelt sein Geschäftsmodell komplett um

Große Kehrtwende beim Miet-Marktplatzes erento (www.erento.de): Das 2003 von Uwe Kampschulte und Chris Möller gegründete Unternehmen stellt – ähnlich wie das Dienstleistungsauktionshauses MyHammer – sein Geschäftsmodell derzeit komplett auf den Kopf. Bisher setzte das Unternehmen in Sachen Einnahmen auf eine Mischung aus Einstellgebühr und Provision. Die Provisionskomponente fällt nun völlig weg. Im Vergleich zu früher wurden dafür die Einstellgebühren deutlich erhöht. Das Anbieten von fünf Artikeln im Monat kostet jetzt 24 Euro pro Monat. Früher waren es nur 69 Cent pro Artikel, dafür verlangte erento dann 4,9 % der erzielten Einnahmen. Wobei die Preise innerhalb der verschiedenen Kategorien (Wohnmobile, Gläser, Segelyacht) beim neuen Modell deutlich variieren.

“Wir haben unseren Kunden, den Vermietern als auch den Mietinteressenten sehr genau zugehört und unsere Plattform dem wesentlichen Bedürfnis nach Einfachheit angepasst, sagt Oliver Weyergraf, seit Sommer des vergangenen Jahres Vorsitzenden der Geschäftsführung von erento. “Beide Parteien können sich schlicht auf die Ver- bzw. Anmietung konzentrieren und brauchen sich nicht mit langatmigen Anmelde- und Abwicklungsprozeduren zu beschäftigen.” Beim gemischten Gebühren- und Provisionsmodell mussten die Vermieter hart auf ihre Aufträge arbeiten und sich sehr aktiv um die Abwicklung von Mietaufträgen und – anfragen bei erento kümmern. Für Sonderwünsche, Nachfragen und unverbindliche Anfragen für Mietwünsche in ferner Zukunft seitens der potenziellen Kunden blieb in diesem Konzept wenig Platz oder diese Angelegenheiten waren mit viel Arbeit für Mieter, Vermieter und erento verbunden. Im neuen Modell können Mieter die jeweiligen Anbieter jetzt direkt anrufen, die Kontaktdaten sind für jeden über die Angebotseite abrufbar.

Einstellgebühren statt Provision

Trotz des komplizierten Konzeptes für Vermieter funktionierte erento bisher und erwirtschaftete nicht nur einen siebenstelligen Jahresumsatz, sondern arbeitet auf Monatsbasis auch profitabel. Die beteiligten Investoren: Die Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver mit ihrem European Founders Fund sowie Holtzbrinck Ventures (beide auch an deutsche-startups.de beteiligt) hatten sich dennoch vermutlich einen steileren Höhenflug des Berliner Marktplatzes erhofft. Zumal beim früheren Konzept vermutlich viele Einnahmen an erento vorbeigeflossen sind: Denn das Unternehmen musste seinen über 10.000 Vermietern in Sachen Geschäftsabschluss quasi blind vertrauen. Wenn ein Vermieter einen Geschäftsabschluss nicht bestätigte, seine Strechlimo aber trotzdem vermietete, ging erento leer aus. So soll es sogar – einige wenige – Vermieter gegeben haben, die jahrelang bei erento gelistet waren und auch immer weiter an Bord sein wollten, aber nie ein Geschäft bestätigt haben.

Mit einem ähnlichen Problem hatte auch MyHammer zu kämpfen: Bei “schwarz” ausgehandelten Aufträgen wurde das Unternehmen bei der kürzlich abgeschafften kostenlosen Basismitgliedschaft um die sonst fällige Provision gebracht. Bei erento besteht diese Gefahr nun ebenfalls nicht mehr. Allgemein lässt sich festhalten, dass Provisionsmodelle bei Geschäften, die hauptsächlich in der Offline-Welt stattfinden und somit der tatsächliche Abschluss nicht komplett nachvollziehbar ist, kaum noch eine Zukunft haben – auch wenn MyHammer bei vermittelten Aufträgen noch immer eine Provision verlangt. Der aus der Printwelt bekannte (gute alte) Kleinanzeigenansatz setzt sich auch im Netz immer mehr durch. Bleibt die Frage, warum das erento-Team nicht schon viel früher auf das Provisionsmodell verzichtet hat. Nun hoffen alle Beteiligten auf den lang erwarteten Höhenflug. Wenn das Konzept ankommt, soll erento auch wieder auf Expansionskurs gehen und beispielsweise in den Niederlanden, Frankreich und Polen vor Anker gehen. Momentan ist der Marktplatz in fünf Ländern aktiv.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  1. Ich denke, dass dieser Schritt vollkommen richtig ist. Die genannten Probleme des Nachfassens der Transaktionen kosten im Zweifel mehr, als sie einbringen und gaben erento bisher einen etwas spionageartigen Charakter.
    Ich denke jedoch, dass die Einstellgebühren, die jetzt umso höher liegen, dem Ziel der Expansion im Wege stehen werden. Schließlich verhindern sie einen Longtail und damit die Expansion vom begrenzten gewerblichen in den privaten Bereich.

    Wir bei frents.com haben uns daher entschieden, das Mieten und Vermieten vollkommen kostenfrei zu halten. So kann jeder User ein endloses Inventar bei frents einstellen und daraus bei Gelegenheit Vermieten oder Verkaufen, wie es ihm beliebt. Gegenstände müssen die Einstellkosten nicht jeden Monat refinanzieren, so dass auch eine komplette Spiele-Sammlung einfach mal eingestellt werden kann.

    Wir sehen den Marktplatz daher als freien Service, der andere Erlöswege ermöglicht. Dieser Weg scheint uns etwas freundlicher und zeitgemäßer.



  2. T

    @ Philipp: Und was sind die anderen Erlöswege?



  3. VanDamme

    Das mit dem Unterschlagen von provisionen bei myhammer habe ich schon immer geahnt und hier auch schon früher gepostet. Schön, dass man jetzt endlich “offiziell” davon eine Bestätigung bekommt.



  4. Sascha Schubert

    Wer von Provisionen leben will muss nicht nur die Aktionen vermitteln sondern auch die Transaktion (Geld) abwickeln.

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