“Es war richtig und fair, den Investoren von Preisbock ihr Geld zurückzugeben” – Christian Grötsch von dotSource im Interview

Der von der Internetagentur dotSource (www.dotsource.de) gestartete Live Shoppingdienst Preisbock (www.preisbock.de) wandert nach der Ausgründung und einem Ausflug in die Investorenszene wieder unter das Dach von dotSource. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht dotSource-Gründer […]

Der von der Internetagentur dotSource (www.dotsource.de) gestartete Live Shoppingdienst Preisbock (www.preisbock.de) wandert nach der Ausgründung und einem Ausflug in die Investorenszene wieder unter das Dach von dotSource. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht dotSource-Gründer Christian Grötsch über geringe Margen, Branchenkontakte und Standalone-Modelle.

Was waren die Hauptgründe für die Entscheidung, die anderen Anteilsinhaber bei Preisbock raus zukaufen?
Investoren wollen bekanntlich einen schnellen Exit und brauchen dafür kontinuierliche hohe Wachstumsraten. Das kann unser Geschäftsmodell nicht leisten, die Margen sind gering, es geht also langsamer voran als Investoren recht sein kann. Für dotSource hingegen ist Preisbock auch mit kleineren Wachstumsraten ein Projekt, das wir nicht missen wollen, weil es uns als Internetagentur unheimlich viel Erfahrungswissen bringt. So war es jetzt richtig und fair, den Investoren ihr Geld zurückzugeben.

Was haben Sie für Preisbock auf den Tisch gelegt?
Einen sechsstelligen Betrag.

Bleibt die Übernahme von Preisbock eine einmalige Angelegenheit, oder können Sie sich auch vorstellen weitere Shops oder andere passende Plattformen zu übernehmen?
Wir sind auf jeden Fall offen für neue Geschäftsideen im E-Commerce und Social Commerce. Durch unsere Pitches bei Preisbock konnten wir jede Menge Kontakte knüpfen und wissen genau, worauf es bei einem Investment ankommt. Wenn die Idee stimmt und die Technik dahinter vorhanden ist, dann kann ich mir weitere Investments gut vorstellen.

Vor drei Jahren war Live Shopping in aller Munde. Zahlreiche Anbieter gingen an den Start. Es folgte die große Ernüchterung – selbst Vorreiter wie Schutzgeld.de gaben auf. Warum blieb der dauerhafte Erfolg für Stand-Alone-Anbieter aus?
So kann man das nicht sagen, das Bild ist eindeutig differenzierter. Es gibt im internationalen Vergleich eine ganze Reihe erfolgreicher Live-Shops, und das Konzept entwickelt sich auch ständig weiter. Man nehme nur die regionalen Einkaufsgemeinschaften á la Groupon, die auf der Liveshopping-Idee basieren. Ich glaube weiter daran, dass Liveshopping als ein Standalone-Modell Erfolg haben kann. Woot! – die Mutter aller Live-Shops – ist ein Beispiel dafür. Außerdem iBOOD aus den Niederlanden oder Catch of the Day in Australien.

Warum blieb ein solcher Erfolg in Deutschland aus?
Vielleicht liegt es an der fehlenden Händlererfahrung. Wenn Gründer aus dem E-Commerce kommen, dann fehlen ihnen ja zum Beispiel die jahrelangen Branchenkontakte. Umgekehrt funktioniert es womöglich besser: Händer können sich technische Kompetenz kaufen. Eine andere Frage ist noch, ob ein schmales Sortiment für eine schmale Zielgruppe eine erfolgreiche Strategie ist. Ob es also in einer Nische besser funktioniert. Aber diese Theorie bedarf erst noch einer Prüfung.

Sie haben bereits mitgeteilt, dass Preisbock künftig als Testlabor für Social-Commerce-Features dienen und den Agentur-Blick für die Anforderungen im Versandhandel schulen soll. Wie geht es ansonsten weiter mit Preisbock?
Sie haben wichtige Aspekte bereits genannt. Natürlich werden wir am Preisbock-Modell nicht nur lernen, wir müssen auch wirtschaftlich arbeiten. Preisbock soll weiter zu den führenden Live-Shops im Lande zählen und eine aktive Community haben. Aber wir können jetzt freier entscheiden, was wir tun und wie wir es tun. Und wir werden sicher weiter das ein oder andere ausprobieren.

Bleibt Preisbock eine eigenständige GmbH?
Die Rechtsform bleibt vorerst erhalten. Die Mitarbeiter sind als Team in den dotSource-Abläufen integriert, sie sitzen Tür an Tür mit den anderen Kollegen, die Kommunikation ist eng und sehr gut.

Welchen Stellenwert in der Internetagentur dotSource hat Preisbock künftig?
Preisbock ist unser Tochterunternehmen und zählt als eigenes Profitcenter. Ideell gesehen ist Preisbock für uns eine wichtige E-Commerce-Referenz für das Open-Source-Shopsystem Magento und natürlich Social-Commerce-Praxisbeispiel.

Wie viele Leute kümmern sich künftig um das Projekt?
Drei bis vier. Das ist die Mindeststruktur für einen erfolgreichen Versandhandel.

Blicken Sie bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen drei Jahren so richtig schief gegangen?
In 2008 brach der Server unter der Last des Traffics, der nach den zahlreichen Fernsehberichten kam. 2009 lief eine große Kampagne mit Bannerwerbung – mitten im Sommer. Aus diesem Jahr gibt’s noch keine Negativmeldungen.

Und wo haben Sie Ihrer Meinung nach alles richtig gemacht?
Wir haben Preisbock zur richtigen Zeit gegründet. Wir sind im ersten Jahr unter die Top drei der deutschen Live-Shopping-Anbieter gekommen. Wir haben in 2008 und 2009 mit Business Angels und VC-Gesellschaften erfolgreiche Finanzierungsrunden gehabt. Und auch der Rückkauf durch dotSource ist ein guter und richtiger Schritt. Welche Agentur in Deutschland hat schon das Glück, ein eigenes E-Commerce-Projekt mit Traffic und Umsatz zu besitzen?

Wo steht Preisbock in einem Jahr?
Wir haben einiges vor, das wir noch nicht verraten. Mit Sicherheit werden wir einige Businessmodelle ausprobieren. Als Tochter-Unternehmen wird Preisbock weiter kostendeckend arbeiten.

Zur Person
Christian Grötsch beschäftigt sich seit 1996 mit Softwareentwicklung. Mehrere Jahre wirkte er bei Intershop – unter anderem als Presales-Berater. Während dieser Zeit wuchs seine Leidenschaft für E-Commerce-Standardsoftware. Seit 2006 arbeitet Grötsch als Geschäftsführer der dotSource GmbH, die für Kunden wie Otto, Plus Online, Swarovski, HochzeitsPlaza oder Daily Deal umfassende E-Commerce-Dienstleistungen auf Basis von Intershop Enfinity Suite 6 und Magento erbringt. Seit ihrer Gründung in 2008 ist Christian Grötsch in Personalunion Geschäftsführer der Preisbock GmbH.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Stefan

    Was ist denn das für eine Aussage: “2009 lief eine große Kampagne mit Bannerwerbung – mitten im Sommer.”

    Also ich sehe da keinen Patzer …



  2. arno Nym

    “Den Investoren ihr Geld zurückgeben” trifft es leider nicht ganz. Die Investoren haben weniger als die Hälfte zurückbekommen, der Rest ist verloren. Management war unfähig oder unwillig, in einem dynamischen Umfeld wie eCommerce ein skalierbares Modell zu finden.



  3. Vogelschau

    An wen wende ich mich denn dann, wenn ich ein skalierbares System mit hohen Erlösen und ohne Wareneinsatz habe ?



  4. T

    @ Vogelschau: an mich.

    und arno Nym: Hälfte ist auch besser als nichts. blind Geld reingepumpt und dann nicht gekümmert, oder?



  5. ndp

    es ist halt nicht so einfach, wenn man vom Handel keine Ahnung hat! die Technik allein kann es nicht regeln. Ich möchte auch stark bezweifeln, dass der Preisbock kostendeckend gewirtschaftet hat – wo ist denn das Geld der Investoren?

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