123Skins schlittert in die Insolvenz

Bitterer Gang: Fabian Deschler, Simon Lee und Gregor Moss, die Köpfe hinter dem Geräteverschönerer 123Skins (www.123skins.de), mussten sich vor wenigen Tagen auf den Weg zum Amtsgericht machen und einen Antrag auf Eröffnung des […]
123Skins schlittert in die Insolvenz

Bitterer Gang: Fabian Deschler, Simon Lee und Gregor Moss, die Köpfe hinter dem Geräteverschönerer 123Skins (www.123skins.de), mussten sich vor wenigen Tagen auf den Weg zum Amtsgericht machen und einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Gerüchten zufolge soll eine Kapitalrunde zuvor gescheitert sein. Neben der IBB Beteiligungsgesellschaft waren bei der 123Skins-Mutter tortoise design GmbH auch estag Capital, eine private Beteiligungsgesellschaft aus Berlin, und der Business Angel Holger Czesnat investiert. Das Trio stellte dem jungen Unternehmen rund 450.000 Euro zur Verfügung. Beim Start-up können Nutzer Design-Folien für Elektrogeräte wie Handys, Notebooks und Spielekonsolen kaufen und damit ihre Spielzeuge verschönern. Ursprünglich agierte 123Skins unter dem Namen tortoise design im Markt. Im August des vergangenen Jahres stieg das Start-up auf den eingänglicheren Namen 123Skins um. “Der Name tortoise design war einfach zu kompliziert”, sagte Mitgründer Deschler damals. Am Telefon mussten die Berliner ihren vorherigen Namen immer buchstabieren und selbst wenn etliche Menschen sich den Namen merken konnten, war die Aussprache mitunter ein Problem.

Vor zwei Jahren war 123Skins unter den Gewinner der FTD-Initiative enable2start. Im entsprechenden Gründertagebuch ist davon die Rede, dass 123Skins im September des vergangenen Jahres erstmals den operativen Break­even erreichte: “Bei der betriebswirtschaftlichen Auswertung – die Zahlungen berücksichtigt, die noch nicht auf dem Konto sind, aber für die die Leistung bereits erbracht wurde – machten die Gründer in diesem Monat 6.000 Euro Gewinn.” Danach lief es offenbar nicht mehr so gut. Auch zuvor gab es schon Probleme – etwa Entlassungen im Sommer 2009 und nervöse Investoren, die “Leistung forderten” nachdem die Einnahmen ausblieben. Die letzte ausstehende Investionstranche von insgesamt 60.000 Euro wollten die Geldgeber nur auszahlen, wenn sie im Gegenzug weitere Anteile erhielten. Es folgten Gespräche, Verhandlungen und weitere Gespräche. Letztendlich ging es ohne Anteilserhöhung für die Investoren weiter.

“Jeder Kunde, der etwas bestellt, erhält auch seine Produkte”

Das Abenteuer Investorengeld hat sich für die 123Skins-Macher dennoch nicht gelohnt, das Unternehmen in seiner jetzigen Form ist am Ende. Vielleicht auch, weil nach dem Geldregen die Strategie fehlte. “Wir dachten: Wir stecken einfach Geld ins Marketing, dann läuft das schon”, sagt Mitgründer Lee im Gründertagebuch. Hinzu kamen handwerkliche Fehler und Fehlentscheidungen wie falsche Marketingausgaben – etwa bei der TV-Werbung, die viel zu lange ohne entscheidende Erfolgskontrolle lief. Und wie geht es jetzt bei 123Skins weiter? Wie bei einer Insolvenz üblich, ist noch alles möglich: Weiterführung unter neuem Eigentümer, Verkauf an einen Konkurrenten, eine zweite Chance für die alten Besitzer. Mitgründer Deschler verspricht gegenüber deutsche-startups.de zumindest, dass “jeder Kunde, der aktuell über 123skins etwas bestellt, auch seine Produkte erhält”. Auch der Kundenservice sei täglich erreichbar. Neben 123Skins ist unter anderem DeinDesign (www.designskins.com) im Segemt der Produktverschönerer unterwegs. In das 2006 von Kyan Noack, Manuel Noack und Victoria Chirita gegründete Unternehmen investierte unter anderem Berlin Ventures 5.0, die Beteiligungsfirma der myphotobook-Gründer.

Hausbesuch bei 123Skins

Kunterbunt geht es beim Geräteverschönerer 123Skins zur Sache. Überall verschönern Folien das verwinkelte Büro im Berliner Bezirk Friedrichshain. Einige Eindrücke in unserer Fotogalerie.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Matze

    Hmm, für mich wäre so etwas auch nichts. Ich kaufe doch z.B. nicht für teuer Geld die Apple-Edel-Optik, nur um die dann mit so einer Folie zu zerstören.

    Hatte trotzdem gedacht, dass da ein interessanter Markt hintersteht, für Jugendliche etc. und hier stand ja auch Investorengeld zur Verfügung.

    Insgesamt überrascht mich also die Insolvenz, wobei wenn man bedenkt, dass hier 3 Gründer + Investoren gefüttert werden wollten…

  2. Vor rund einem Jahr, habe ich mir 123Skins auch mal angesehen, mir einen wirklich sehr hübschen Skin für den EeePC zusammengeklickt .. und dann schnell die Seite geschlossen als ich den Preis sah.

    Um die Optik eines 250 EUR Geräts aufzuhübschen um/über 50 EUR hinzulegen, ist einfach ein wenig lächerlich.

    Vielleicht hätten etwas realistischere Preise mehr gebracht, als TV-Werbung.



  3. rocco

    Dass für so eine nette, aber nicht bahnbrechende, Idee jemand Risikokapital gibt, verstehe ich nicht. Erst recht verstehe ich nicht, warum man für sowas unbedingt Fernsehwerbung machen muss (freut nur die Sender). Vielleicht hätten die Gründer erstmal locker mit niedrigen Kosten ein paar ihrer Folien verkaufen sollen, das hätte vielleicht sogar bei cleverer Mund zu Mund Propaganda zu bescheidenen Gewinnen geführt. Stattdessen muss man aber anscheinend gleich die Welt mit Fernsehwerbung erobern. Das ist anscheinend der Blueprint für diese halbgaren Startups: Krude Produktidee, Risikokapital einwerben und dann entweder für Fernsehwerbung oder für Auslandsbüros rausblasen. Wer dafür Geld gibt, ist selbst schuld. Schade nur, dass das mit Steuergeld passiert (IBB).

  4. Kommt für mich auch überraschend. Hätte schon gedacht, dass der Markt für Design-Folien und Schutz-Cover groß genug ist.

    Die Preise für die Folien sind aber in der Tat recht happig.



  5. Mako

    Ist immer schade wenn ein Startup Insolvenz anmelden muss…

    Aber in Zeiten von Markengeilheit kommt es eben drauf an, das man das Logo von Apple oder was immer es da draußen so alles gibt, möglichst prominent zur Schau tragen kann. Überkleben ist da nicht…



  6. Andi

    Mitgründer Deschler verspricht gegenüber deutsche-startups.de zumindest, dass “jeder Kunde, der aktuell über 123skins etwas bestellt, auch seine Produkte erhält”. Auch der Kundenservice sei täglich erreichbar.

    Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Ich kann genau das Gegenteil berichten. Trotz Abbuchung vom Konto kommt keine Ware. Und der Kundenservice ist telefonisch nicht erreichbar. Obacht!

  7. Ich finde es schade, dass es die Gruender nicht geschafft haben. Ich muss zwar zugeben, das wir als indirekter Wettbewerber auch etwas davon Profitieren werden wenn 123skins vom Markt verschwindet, doch als Unternehmer bin ich natuerlich auch bestuerzt das es soweit kommen musste. Zur Kritik einiger Kommentare vor mir, man sollte sich schon vorinformieren bevor man solche haltlosen Behauptungen aufstellt. Ich wunesche den 3 Gruendern jedenfalls das Beste.



  8. Fred

    GelaSkins liefert bessere Skins und Designs. http://www.gelaskins.de

    War nie ein großer Fan der 123Skins.

    Gruß aus Berlin
    Fred

  9. @ David: Das nennt man Insolvenzverschleppung. Aber das muss am ende ein Gericht feststellen. Da ist es auch egal ob man eine GmbH ist oder nicht, als Geschaeftsfuehrer macht man sich somit strafbar und haftet im Zweifel selbst.

    @ Fred: Und GMASK Wraps sind besser als beide zusammen. http://www.gmask.info ;-)

    @ Admin: wenn dich was an dem Beitrag stoert dann Loesche doch am besten nur den betreffenden Teil, Danke.

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