Gründerinnen. “Für sein Studium kann man auch mal einen Kredit aufnehmen” – Marianne Voigt von bettermarks

Die deutsche Online-Gründerszene ist ein Männerverein. Auf Kongressen, Tagungen und sonstigen Branchenhöhepunkten sind Frauen die große Ausnahme. Aber es gibt sie! In der Reihe “Gründerinnen” steht deutsche-startups.de unregelmäßig eine interessante, wichtige oder erfolgreiche […]

Die deutsche Online-Gründerszene ist ein Männerverein. Auf Kongressen, Tagungen und sonstigen Branchenhöhepunkten sind Frauen die große Ausnahme. Aber es gibt sie! In der Reihe “Gründerinnen” steht deutsche-startups.de unregelmäßig eine interessante, wichtige oder erfolgreiche Web-Unternehmerin vor.

Mathe zählte nicht gerade zu den Lieblingsfächern von Marianne Voigt. Auch heute noch gehört die Berlinerin nicht zu den Menschen, “die in ihrer Freizeit Knobelaufgaben lösen”. Trotzdem begleitet sie das Thema auf Schritt und Tritt. Die 44-Jährige hilft Schülern, Spaß an einem Schulfach zu entwickeln, das bei vielen nächtliche Schweißausbrüche auslöst. Gemeinsam mit Arndt Kwiatkowski und Christophe Spéroni gründete sie 2008 die Lernplattform bettermarks (www.bettermarks.com). Hier erleben Schüler “die nächste Generation des Lernens, wir sind eine Mischung aus Mathebuch, Matheübungsheft und Tutor”, erklärt Voigt. Das Lernsystem richtet sich nicht nur an Schüler und Eltern, sondern auch an Lehrer, die das Konzept für Hausaufgaben und Gruppenarbeiten einsetzen können. Für Schulen ist der Zugang sogar kostenlos, als privater Nachhilfeunterricht kostet die Nutzung ab Herbst 9,95 Euro im Monat. Familien, die sich das nicht leisten können, müssen trotzdem nicht auf den Lerndienst verzichten. Das Team vergibt kostenlose Abos, die von Stiftungen gesponsert werden.

Die Teambesetzung bei bettermarks ist seit Langem erprobt: Mit ihren beiden Mitstreitern hat Voigt bereits den Immobilien-Marktplatz Immobilienscout24.de (www.immobilienscout24.de) aufgebaut. Auf die Idee, ein Projekt im Bildungsbereich zu starten, kam das Dreiergespann durch verschiedene Begegnungen. Vor allem der Kontakt zu einem indischen Geschäftsfreund, der sich für Schulbildung in indischen Slums einsetzt, war ein entscheidender Impuls. “Bei der Umsetzung entschieden wir uns für Mathe, da dieses Fach für viele ein Schmerzthema ist – vor allem wenn man die Grundlagen verpasst hat”, erklärt Voigt. Bei ihren Recherchen stellte sie fest, dass Kinder und Lehrer im schulischen Bereich wenig Hilfe im Internet bekommen. “Während sich die schulischen Lernmethoden im Laufe der Zeit geändert haben, sind die Mittel noch dieselben wie vor hundert Jahren!”

“Ich fing an zu jonglieren, nahm meinen Kleinen mit ins Büro”

Die Mutter von zwei Kindern hat eine besondere Beziehung zum Thema Bildung. Zunächst studierte sie nach ihrer Banklehre an einer staatlichen Universität, wo sie jedoch bald demotiviert war: “Fünfhundert Leute um mich herum, von denen viele Zeitung lasen – Ich dachte: So geht das nicht weiter.” Irgendwo las sie von der privaten Wirtschaftsschule WHU. Der Gedanke an einen Wechsel erschien ihr verlockend, aber absurd: Die Höhe der Gebühren und des vermeintlichen Niveaus schreckten sie. Trotzdem nahm die Berlinerin am Wettbewerb teil und bekam prompt ein Stipendium. Der Uniwechsel bescherte ihr überschaubare Gruppengrößen, motivierte Kommilitonen und einen Mann, der später ihr Ehemann wurde. Trotz des Stipendiums musste Voigt viel Geld in ihre Ausbildung stecken. Doch sie ist davon überzeugt, dass ein gutes Studium die Basis für jede berufliche Zukunft ist. “Dafür kann man auch mal einen Studentenkredit aufnehmen, leider fehlt uns in Deutschland etwas von dieser Mentalität.” Ihre Zeit an der WHU möchte sie nicht missen: “Dort hin zu dürfen und es geschafft zu haben hat mich geprägt.”

Als Kind eines “sicherheitsorientierten Angestellten und einer Hausfrau” ist Voigt nicht in einer gründergeistgeprägten Umgebung aufgewachsen. Bis die Anfrage zu ImmobilienScout24 kam, war sie selbst angestellt, denn den typischen WHU-Weg – “Investmentbanking oder Beratung” – wollte sie nie gehen. Danach war klar: Die Selbständigkeit bleibt. Auch als die beiden Kinder anrückten. “Ich fing an zu jonglieren, nahm meinen Kleinen mit ins Büro – das kann nur ein sehr flexibles Unternehmen abpuffern.” Die Verbindung von Beruf und Familie erfordere einen riesigen organisatorischen Aufwand, für den man Vorbilder brauche: “Wenn die das kann, kann ich das auch!” Behindert hätten die Kinder sie nie, eher innere Unsicherheiten wie das Gefühl, nicht gut genug zu sein, Ängstlichkeit und Perfektionismus. Heute sei sie da entspannter, “das ergibt sich durch die Kinder”. Aktuell gibt es nur eine Sache, die ihr Sorgen macht: Die Pubertät ihrer Kinder, sie steht zum Glück noch aus. Noch lernen die beiden Jungs mit bettermarks brav Mathematik, genauso wie viele andere deutsche Schüler. Voigt hofft, dass sie irgendwann noch weitere Fächer hinzunehmen werden und eines Tages den Schritt ins Ausland wagen.

Zur Person
Marianne Voigt, Jahrgang 1966, wuchs im hessischen Gießen auf. Nach einer Banklehre studierte sie BWL an der WHU Koblenz sowie an den Universitäten Berkeley und Lyon. Nach Stationen in den Controlling- und Finanzbereichen von Stinnes AG, VEBA AG und der Refugium Holding AG war sie zwischen 1999 und 2008 als Geschäftsführerin für Finanzen, Betrieb und IT-Entwicklung am Aufbau von ImmobilienScout24 beteiligt.

Artikel zum Thema
* Gründerinnen. Heike Helfenstein von Heimathonig
* Gründerinnen. Renata DePauli von Herrenausstatter.de
* Gründerinnen. Claudia Helming von DaWanda
* Gründerinnen. Calina Fontanesi und Carina Runge-Mathis von mamiweb
* Gründerinnen. Alexandra Podeanu von saftfabrik

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. VanDamme

    “Dafür kann man auch mal einen Studentenkredit aufnehmen…”

    – > WENN MAN DENN EINEN BEKOMMT.

    Dieser Promoartikel für einen kostenpflichtigen Bildungsservice ist total überflüssig.



  2. weby

    “Doch sie ist davon überzeugt, dass ein gutes Studium die Basis für jede berufliche Zukunft ist.”

    Da sollte sie aber das gut doppelt und dreifach unterstreichen. Ich habe bereits eine IT-Ausbildung und 3 Jahre Arbeit in dem Bereich hinter mir und studiere jetzt Informatik. Ich kann nur sagen, das die Qualität des Studiums bis jetzt unterirdisch ist. Alles was ich in der Ausbildung gemacht habe war/ist mehr wert als der Mist der einem an der Uni als “Wissen” verkauft wird. Nichts davon kann ist praktisch relevant. Nur heiße Luft in komprimierter Form. Wer behauptet das sei Wissen das man wirklich brauchen kann, lebt vermutlich in einer Scheinwelt.



  3. barbara

    @weby:
    falsche uni erwischt? auch da gibt es gute und schlechte….
    und es zwingt dich doch keiner, dein studium fortzusetzen, wenn es dir nicht gefällt.
    pauschalurteile pro/contra studium sind nie gut, aber du solltest erst einmal kapieren, worum es in einem studium wirklich geht!



  4. weby

    @barbara

    Das scheinen viele aber nicht ganz verstanden zu haben. Denn meine Erfahrung (basierend auf vielen Gesprächen mit Kommilitonen) hat gezeigt, das eine Vielzahl nicht deswegen studieren, weil sie sich Wissen aneignen wollen, sondern wegen des Prestige, einem dicken Gehalt oder eines teueren Firmenwagens, das/den sie zu bekommen glauben. Pauschalisieren lässt sich dies natürlich nicht.
    Einer der Top-Gründe, warum man einen ganz bestimmten Studiengang ausgewählt hat, ist: “XYZ wird immer gebraucht und da wird man nicht arbeitslos.”
    Dieser Grund ist natürlich nachvollziehbar, aber ob diese Personen sich wirklich für die Materie begeistern können und ob solche Absolventen wirklich das beherrschen, was sie studiert haben? Ich vermute eher nicht. Ein sehr gutes Beispiel aus diesem Bereich ist meiner Meinung nach Lehramt. Dieser Studiengang ist ziemlich von Studenten überlaufen, die aus reiner “Sicherheit” Lehramt studieren. Interesse an Kindern oder der Wissensvermittlung ist meist nicht vorhanden. Nicht wenige glauben nach dem Studium als Beamter eine ruhige Kugel schieben zu können und für wenig Arbeit viel Geld zu bekommen.

    Aus persönlichem Interesse habe ich viele Gespräche mit Personalchefs geführt (zufälligerweise gibt es auch einen in meinem Bekanntenkreis). Diese bestätigten mir, das viele Absolventen mit völlig überzogenen Vorstellungen aus der Uni kommen und glauben jetzt, da sie die “Weisheit mit Löffeln gefressen” hätten, ein sofortiges Anrecht auf einen Chefposten mit riesigem Gehalt haben. Dieses Credo wird nicht selten von vielen Professoren an ihre Studenten weitergegeben.

    Aber um jetzt noch die Kurve zu bekommen…
    Glaub mir, ich verstehe sehr genau worum es bei MEINEM Studium geht, denn der Grund für MEIN Studium dürfte ein anderer sein, als der Grund für dein Studium oder der eines/einer anderen Studenten/Studentin. Denn auch die angestrebten Ziele unterscheiden sich von Person zu Person. Kritik an einem Studium aber pauschal abzulehnen und es als Unwissenheit oder vielleicht sogar Dummheit einer Person abzutun unterstützt nicht gerade das Bild eines gebildeten Studenten, denn ein solcher sollte auch damit umgehen können.

    Sich wegen eines abgeschlossenen Studiums generell als etwas besseres zu fühlen ist meiner Meinung nach immer fehl am Platz. Wie sollte so eine Person je eine GUTE Führungskraft werden, wenn sie die “Untergebenen” als Menschen zweiter Klasse betrachtet?



  5. m

    VanDamme: Wo ist das Problem? Ich habe 2 Hochschulabschlüsse, hatte 2 Studienkredite und beide jeweils zurückgezahlt. Alles paletti.



  6. VanDamme

    @m: Das mag für dich sehr schön sein. Du kannst aber nicht von dir auf andere schliessen. Jeder sollte die Möglichkeit haben ein Studium zu absolvieren.

  7. Pingback: Gründerinnen. “Die Männer sind die Bunten” – Kerstin Schilling von Andasa :: deutsche-startups.de

  8. Pingback: Gründerinnen. “Die Deutschen analysieren zu viel” – Daria Saharova von Bellegs :: deutsche-startups.de

  9. Pingback: Gründerinnen. „Wir konnten nicht mehr gerade sitzen“ – Berit Müller von modeopfer110 :: deutsche-startups.de



  10. Markus Kohler

    Der Meinung bin ich auch, dass es sich unter UJmständen durchaus lonhnen kann, auch mal einen Kredit aufzunehmen. Leider sind hier die klassischen Banken sehr vorsichtig und vergeben nur dann an Studenten einen Kredit, wenn sie über ein regelmäßiges Einkommen verfügen, was von ordentlichen Studenten nicht unbedingt erwartet werden kann.

  11. Netter Spam-Versuch, Markus. Mit der URL dann doch etwas offensichtlich.

Aktuelle Meldungen

Alle