ChicChickClub geht offline – JustFab übernimmt Überreste

Ende! Aus! Vorbei! Alle Rettungsversuche beim ChicChickClub (www.chicchickclub.de) waren vergebens, das Berliner Start-up aus dem Hause Team Europe wird eingestampft. Für viele sicherlich keine Überraschung. Auf der Website verkündet das Unternehmen dies wie […]
ChicChickClub geht offline – JustFab übernimmt Überreste
  • Von Alexander Hüsing
    Freitag, 8. März 2013
  • 17 Kommentare
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Ende! Aus! Vorbei! Alle Rettungsversuche beim ChicChickClub (www.chicchickclub.de) waren vergebens, das Berliner Start-up aus dem Hause Team Europe wird eingestampft. Für viele sicherlich keine Überraschung. Auf der Website verkündet das Unternehmen dies wie folgt: “Der Berliner E-Commerce Shop ChicChickClub stellt Marke und eigenständigen Geschäftsbetrieb ein. Das in 2012 online gegangene Startup, das monatlich persönlich auf den Stil der Kundinnen abgestimmte Schuhkollektionen anbietet, geht in JustFab auf”. Das US-Unternehmen JustFab (www.justfab.com), 2010 gegründet, ging in Deutschland im Sommer des vergangenen Jahres an den Start.

Noch im Dezember startete der letzte Rettungsversuch beim ChicChickClub: Die neue Chefin Ebony Morczinek, früher unter anderem LSG Lufthansa Service, sollte den ChicChickClub vor dem totalen Absturz retten. Schon etliche Monate war das Start-up, das im Herst 2012 25 % seiner Mitarbeiter freistellte, auf der Suche nach einem Geschäftsführer. Mitgründer Nikolaus Meyden verließ den ChicChickClub im vergangenen Jahr, wenige Woche nach dem Start. Viel bewegen konnte Morczinek offenbar nicht mehr. Nun wandert der ChicChickClub – vermutlich zum schmalen Preis – unter die Fittiche von JustFab. “Unsere Stylisten freuen sich auf die ChicChickClub-Kundinnen und ich auf die Zusammenarbeit mit dem ChicChickClub-Team. Für JustFab ist die Investition ein weiterer Schritt, die Marktführerschaft im Bereich Curated Shopping auszubauen”, sagt Gerrit Müller, President Europe bei JustFab. “Wir haben in wenigen Monaten fast 150.000 treue Kundinnen gewonnen. Sie werden jetzt Teil der weltweit fast 10 Millionen Fans zählenden JustFab-Community und profitieren von der enormen Fashionkompetenz,“ sagt ChicChickClub-Abwicklerin Morczinek.

Zu Beginn positioierte sich der ChicChickClub als Abo-Shop rund um das Thema für Schuhe. Zum Monatspreis von 49,95 Euro gab es beim Online-Club Schuhe, Taschen und Accessoires. Später wandelte sich der ChicChickClub in Sachen Außendarstellung: “ChicChickClub ist ein ‘Curated Shopping’ Konzept, das sich an Frauen mit Vorliebe für Fashion, speziell Schuhe, Taschen und Accessoires richtet” hieß es zuletzt in Pressemitteilungen des Unternehmens. JustFab wiederum setzt beim Verkauf seiner Waren auf eine Mischung aus Abomodell und klassischen Abverkauf. Jeden Monat bekommen die registrierten Justfab-Mitglieder eine individuelle Auswahl an Produkten, beispielsweise Schuhe, Handtaschen oder Accessoires. VIP-Mitglied können eines dieser Produkte jeden Monat für 39,95 Euro kaufen. Nicht-VIP-Mitglieder können für 49,95 bis 69,95 Euro bei Justfab kaufen. In den USA verfügt Justfab über 4 Millionen Mitglieder. Der monatliche Umsatz liegt bei über 5 Millionen Dollar. Zuletzt war JustFab in Deutschland wegen “versteckter Abos” in der Kritik. Das Ende für den ChicChickClub kommt nicht überraschend, aber schneller, als gedacht. Zuletzt hieß es, Morczinek habe ein halbes Jahr Zeit, das Ruder rumzureißen.

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Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Marcus

    Verstehe ich das richtig: 150.000 Kunden hatte CCC und die zahlten knapp 50 Euro pro Monat als Abo? Dann kommt bei mir ein Monatsumsatz von 7.5 Mio raus. Und dennoch war das zu wenig?

  2. “Für viele sicherlich keine Überraschung.” – Leicht untertrieben… ;)

    Nur der Zeitpunkt ist tatsächlich unerwartet früh.



  3. Coozy

    @Marcus – Verstehst du falsch. JustFab hat 150.000 Kunden und das nicht nur im Abo Bereich sondern generell und nur in Europa. Das was nicht auf CCC bezogen.

    CCC war ein netter Ansatz aber das war P9Cap und TEV wohl zu langatmig und das Geld hätte man ja auch in die Heldengeschichte pumpen können.

    Deutschland will es halt einfach klassisch. Reinschauen, bestellen und in 1-2 Tagen erhalten (ggf. schiebt sich da noch ein Preisvergleich rein).

    Diese ganzen fancy Shopping Modelle aus den USA wie Curated Shopping, Celebrity Shopping, die 100ste Variante eines Shopping Clubs oder aber Abo Commerce funktionieren hier einfach nicht so wie drüben.

    Hey, es gibt Leute in DE die kennen noch nicht mal Twitter oder denken Kreditkartendaten in einem Shop einzugeben sei mit extremen Risiko verbunden.

    Als Beispiel das Thema “Curated shopping mit Celebrities”: Wen haben wir denn schon in DE mit einer Reichweite von den Olsen Twins oder Justin Timberlake? Keinen? Wer ist denn die Zielgruppe in DE die auf so Jemanden hören sollte? Diejenigen die auch einem Herrn Glöööckler oder einer Sarah Kern auf HSE24 die Tigeroberteile abjuxen. Sprich: 60+++. Und die sind größtenteils schon mit einer simplen E-Mail überfordert.

    Meiner Meinung nach braucht das einfach viel länger hier – daher sollte man einen langen Atem haben. Aber die Seite war sehr schön gemacht.



  4. Marcus

    @Coozy danke dir für deine super informative antwort. bin im bereich fashion clubs nicht so bewandert ;-) mir fällt nur eines auf: die ganzen mode-shops sehen irgendwie alle gleich aus. entweder kopieren die alle untereinander oder vom priumus zalando ihr shop-design oder die werden alle von der gleichen agentur betreut :-)



  5. Susanne

    Die Amis haben einfach mehr Kapital und können dann so einen Laden kaufen, der selbst für große deutsche Inkubatoren wohl zu langsam wächst. Currated shopping wird nie Zalando überholen, aber dass man mit Schuhen kein Geld verdienen kann das glaube ich nicht. Und deswegen ist es smart von JustFab richtig viele Kunden zu kaufen und offenbar ein gutes Team dazu.



  6. Mei

    Wir brauchen mehr Kohle für das deutsche Ökosystem. Die Kanzlerin sollte entweder mehr Schuhe kaufen oder die Bedingungen für Investoren verbessern. Das Modell kann so schlecht nicht gewesen sein, wenn JustFab jetzt zuschlägt und die Früchte der Arbeit des Team einstreicht.

  7. So schnell wie der Betrieb abgewickelt wird, könnte man annehmen, die neue CEO hatte nur den einen Auftrag, nämlich die Betriebseinstellung so gewinnbringend wie möglich zu gestalten?

    Das es in Deutschland an Geld für Start-Ups mangelt wage ich zu bezweifeln – zumindest für den Bereich Web/IT/Communication. Eher scheint es mir an kundenorientierten Ideen für den DEUTSCHEN Markt oder DACH zu fehlen.
    Eine Idee, die sich fertig programmiert beim Exit gewinnbringend an “XYZ” verkaufen lässt, ist selbst noch kein tragfähiges Geschäftskonzept.



  8. CCC

    Leute, CCC war pleite, das Modell von Anfang an ein völliger Misserfolg. JustFab hat jetzt für ganz kleines Geld die Kundendatei gekauft, TEV will uns das gesichtswahrend als “Exit” verkaufen. Die haben “den Resch gemacht”, sonst nix.

  9. @CCC: Selbst Gründerszene spricht nicht von einem “Exit”, also sollte man das TEV auch nicht in den Mund legen. Die wissen ja auch, dass jeder “den Resch” erkennen würde und sind wohl klug genug diese PR-Strategie nicht zu fahren.



  10. christian

    Das Copy Catting in Berlin ist so dreist geworden, sogar Team Europe cloned jetzt wie man “einen Resch” macht.

  11. Wir müssen “den Resch machen” noch einmal genau definieren.

    Die bisherige Definition ist:

    Den Resch machen
    Wenn man sein Unternehmen verkauft, um eine Insolvenz zu verschleiern.
    Beispiel: “Puh, gerade noch so den Resch gemacht! Meine Bude gehört jetzt dem Späti an der Ecke, aber immerhin muss ich nicht nach Charlottenburg zum Amtsgericht!”



  12. Risikor

    @Alex: Bei allem Spaß, als Chefredakteur persönlich solche Floskeln zu etablieren ist sowas von unter aller Kanone, Mobbing vom Feinsten.



  13. christian

    Danke Alex, herrlich :) .

    Jetzt fehlt noch zB einen ” Lieferhelden machen ” dass heisst die Konkurrenz zu schwächen ( ob Legal oder Illegal dass ist Ansichtsache).

    Ein Beispiel hier ” Ich schicke meine Lieferhelden auf die Los ( aus Siberien) “.

    Ich will fair sein, also zB mit einem Viral Video wäre eine übliche Methode oder man kann auch illegal vorgehen und zB Bots aus Siberien nutzen.

    Der Begriff einen ” Lieferhelden zu machen” sollte neutral sein ( irgendwie ) hoffe ich.

    Mach bitte so was wie ein Urban Dictionary aber nur mit Deutsche Startup Slang :) .

  14. @Risikor

    Da der vermeintlich gemobbte die Sache sehr sportlich nimmt, ist für mich alles geregelt.

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