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MeDusch oder die Magie der ganz frühen Zahlen #DHDL

Wie gerne hätte man als Gründer nicht eine Art magisches Mittel, Investoren zu verzaubern. Ganz besonders vor dem Marktstart, wenn man die berühmte Traction, also die ersten Kunden, noch nicht vorweisen kann. MeDusch-Gründerin Jacqueline Torres Martinez zeigt, wo man so etwas "herzaubern" kann.
MeDusch oder die Magie der ganz frühen Zahlen #DHDL
Dienstag, 6. Oktober 2020VonRuth Cremer

Die Energie und Überzeugungskraft der Gründerin riss die Löwen von Beginn an mit, doch es schien sich ein Wendepunkt anzukündigen, als die Frage nach den bisherigen Verkaufszahlen kam. Denn MeDusch – in der Sendung noch als MediDusch unterwegs, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht am Markt, es gab also noch gar keine Verkaufszahlen, und manchem Investor konnte man seine Enttäuschung kurzzeitig sogar ansehen. Doch die Gründerin hörte hier nicht auf und schob direkt hinterher, dass sie in den letzten 2 Wochen schon circa 100 Apotheken abgeklappert hatte, um Vorverkäufe zu machen. 1600 Stück habe sie so verkauft, 98% der angefragten Apotheken haben tatsächlich geordert.

Das sind nicht nur beeindruckende Zahlen, sondern sie zeigen Investoren gleich mehrere Dinge. Zum einen ist Jacqueline Torres Martinez Pharmareferentin und wusste daher, dass Vorverkäufe bei Apotheken durchaus üblich sind. Sie nutzt also ihre Kenntnisse der Branche und ihr Können in ihrem bisherigen Beruf, um ihr Unternehmen voranzubringen. Gleichzeitig zeigt das aber auch, dass ihr bisheriger beruflicher Weg von großem Vorteil für Ihr Startup ist und sie damit genau die richtige Gründerin für diese Geschäftsidee ist. Zum anderen macht sie mit den Vorverkäufen aber auch eindrucksvoll klar, dass sie alles tut, um ihre Geschäftsidee zum Erfolg zu führen: mit großer Leidenschaft schildert sie ihren Einsatz, sogar an Wochenenden losgezogen zu sein um zu zeigen, welches Potenzial ihr Produkt hat. Und Gründer, die die berühmte “Extra-Meile” gehen, sind eben auch extra beliebt bei Investoren. Denn sie können Ideen zum Erfolg bringen, bei denen andere zu früh aufgeben.

All diese Informationen teilt die Gründerin den Löwen mit, ohne explizit danach gefragt worden zu sein. Auch beim Punkt Unternehmensstruktur “pusht” sie zusätzliche Informationen. Nämlich, dass ihr Unternehmern keine Schulden hat und bisher komplett aus Eigenmitteln finanziert wurde. Ein solches “sauberes Paket” ist für die meisten Investoren ein wichtiger Check-Punkt auf ihrer Liste. Dass sie diesen quasi selbst abhakt, zeigt damit den Investoren, dass sie weiß, wie wichtig dieser Fakt sein kann. Doch der Pluspunkt ist damit sogar noch größer: sie zeigt, dass sie sich auch jenseits ihres ursprünglichen Kompentenzgebiets weiter schlau gemacht hat und in der Lage ist, sich in neue und komplexe Themengebiete einzuarbeiten. Eine weitere sehr wichtige Eigenschaft für Gründer.

Als Gründer ist man also gut beraten, sich schlau zu machen, welche Punkte Investoren häufig auf ihrer Check-Liste haben und welche Dinge bei ihnen gut ankommen, um sie dann aktiv zu “pushen”, also von sich aus anzusprechen. Dass können allgemeine Sachen sein, wie das Rechtliche im Fall von MeDusch. Oder auf den jeweiligen Investor bezogene Punkte, die man vorher recherchiert hat.

Denn wenn man z.B. vor Marktstart auf die Frage nach den bisherigen Verkäufen mit einem simplem “keine” antwortet, werden Investoren selten fragen, ob man denn schon irgendetwas anderes getan hat, um zeigen zu können, dass das Produkt echte Marktchancen hat. Getreu nach der Lean Startup-Methodologie gibt es hier aber viele Möglichkeiten: Vorverkäufe ebenso wie Voranmeldungen, Verkaufs-Buttons, die zur Newsletter-Anmeldung führen, Social Media Traction und vieles mehr. Alles, was irgendwie das Interesse der potenziellen Kunden belegen kann, ist wertvoll. Und die Mühe eines Gründers, sich hier zu überlegen, was man machen kann, um praktische etwas zu verkaufen, was es noch gar nicht gibt, zeigt wiederum das berühmte Brennen für das eigene Produkt und Unternehmen.

Schließlich hat genau diese Kombination aus Fakten und Leidenschaft diese “magische” Wirkung auf Investoren. Bei den Löwen scheint es jedenfalls funktioniert zu haben und jeder der fünf Anwesenden wollte investieren. Selbst Carsten Maschmeyer, der zunächst einen Portfoliokonflikt mit dem Aspira-Clip aus einer früheren Staffel sah, von Ralf Dümmel dann aber doch überzeugt werden konnte, dass die beiden Produkte nicht in Konkurrenz zueinander stehen.

Die Kombination von guten Zahlen und Leidenschaft scheint also tatsächlich eine gewisse “Magie” in sich zu tragen.

Tipp: “Nur eine gute Idee zu haben, reicht leider nicht aus” – MeDusch-Gründerin Jacqueline Torres Martinez im Interview

Tipp: Alles über die Vox-Gründer-Show gibt es in unserer DHDL-Rubrik. Die jeweiligen Deals und Nicht-Deals gibt es hier: “Die Höhle der Löwen (8. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (7. Staffel)Die Höhle der Löwen” – Deals (6. Staffel)Die Höhle der Löwen” – Deals (5. Staffel), “Die Höhle der Löwen – Deals (4. Staffel)“, Die Höhle der Löwen – Deals (3. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen – Deals (2. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen – Deals (1. Staffel)“.

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Foto (oben):  TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Ruth Cremer

Ruth Cremer ist Mathematikerin und Beraterin sowie Hochschuldozentin im Bereich Geschäftsmodelle, Kennzahlen und Finanzplanung. Als ehemaliger Investment Manager weiß Sie, worauf Investoren achten und hilft bei Pitch- und Dokumentenvorbereitung auch im Investment- oder Akquisitionsprozess. In der aktuellen sechsten Staffel von “Die Höhle der Löwen” war sie als externe Beraterin in die Auswahl und Vorbereitung der Kandidaten involviert.