#Interview

Ein Startup, das Restplätze von Freizeit-Anbietern vermittelt

"Unser Konzept ist in Deutschland und innerhalb der Freizeitbranche einzigartig", sagt Jasper Klimas, Mitgründer von DynAmaze. "Durch die Vermittlung von Restplätzen, die ohne uns verfallen würden, machen wir die Freizeitbranche effizienter."
Ein Startup, das Restplätze von Freizeit-Anbietern vermittelt
Montag, 10. August 2020VonAlexander Hüsing

Das junge Kölner Startup dynAmaze , das von Jasper Klimas, Petur Müller und Timo Gerth gegründet wurde, vermittelt Restplätze von Freizeit-Anbietern aus dem Raum NRW. “Wenn beispielsweise im Kino ein Sitzplatz nicht gebucht wird und quasi ‘verfallen’ würde, bieten wir diesen Platz auf unserer Plattform DynAmaze.de vergünstigt an. Der bei uns angebotene Preis ist dabei dynamisch und richtet sich nach Angebot und Nachfrage”, sagt Mitgründer Klimas. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt er das Konzept einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter DynAmaze erklären?
DynAmaze vermittelt verfallene Restplätze von Freizeitanbietern wie zum Beispiel Kinos, Thermen, Museen, Sportcentern oder auch Zoos. Wenn beispielsweise im Kino ein Sitzplatz nicht gebucht wird und quasi “verfallen” würde, bieten wir diesen Platz auf unserer Plattform DynAmaze.de vergünstigt an. Der bei uns angebotene Preis ist dabei dynamisch und richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Sind also viele Plätze verfügbar ist der Preis niedriger als wenn viele Menschen buchen und somit auch der Preis steigt. Damit kann immer der fairste Preis für Anbieter und Nutzer gewährleistet werden und eine sogenannte Win-Win Situation entstehen. Nutzer werden für aufregende und entspannende Aktivitäten inspiriert und sparen Geld, während die Anbieter ihre Auslastung und Umsätze steigern können. Damit machen wir die Freizeitbranche DYNamischer und begeistern (AMAZE) mit unseren Angeboten die Nutzer.

Welches Problem genau wollt Ihr mit DynAmaze lösen?
Freizeitanbieter haben in der Regel hohe Fixkosten wie zum Beispiel die Miete, Energiekosten eines Gebäudes und Personalkosten. Zusätzliche Kunden verursachen keine zusätzlichen Kosten, da der Film im Kino oder das Wasser in der Therme unabhängig von der Besucherzahl läuft. Die bestehenden Ressourcen sollten also optimal genutzt werden, um möglichst effizient und nachhaltig zu handeln. Leider haben viele Freizeitanbieter jedoch eine geringe oder stark schwankende Auslastung, sodass viele Tickets verfallen. Durch die Vermittlung von Restplätzen, die ohne uns verfallen würden, machen wir die Freizeitbranche effizienter. Konkret inspirieren und motivieren wir die Nutzer durch unsere günstigen Angebote zu einem sozialen Austausch und einer aktiveren Lebensweise. Gleichzeitig verbessern wir die Auslastung der Anbieter und steigern die Umsätze durch eine optimale Preissetzung. Darüber hinaus kann mit DynAmaze der Pro-Kopf-Energieverbrauch der Anbieter gesenkt werden und Ressourcen effizienter und damit nachhaltiger genutzt werden.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet DynAmaze ein Erfolg?
Das Thema Freizeit ist und bleibt ein relevantes Thema, Menschen haben in den letzten Jahrzehnten mehr Freizeit als je zuvor erlebt und werden auch in Zukunft mehr Freizeit erleben. Trotzdem konnte das Problem von stark schwankenden Auslastungen und dem damit verbundenen ineffizienten Einsatz der Ressourcen bisher nicht gelöst werden. Andere Branchen zeigen, dass eine dynamische Preissetzung effizient eingesetzt werden kann – etwa in der Flugbranche – und die Verschwendung von Ressourcen – etwa Too Good To Go in der Lebensmittelbranche – ein zentrales Thema in der Gesellschaft ist. Darüber hinaus haben wir ein interdisziplinäres Gründerteam aus Volkswirten und Informatikern, welches unser Startup in einem tollen Arbeitsumfeld an der Universität zu Köln weiterentwickeln kann. Auch hinsichtlich der aktuellen Herausforderung in Zeiten von Corona sehen wir eine große Chance. Die Freizeitbranche leidet unter dem drastischen Rückgang der Besucherzahlen. Für uns noch mehr Motivation mit unserem Konzept den Anbietern bei dem Ticketverkauf bestmöglich zu unterstützen. Ähnlich zu Kampagnen wie “support your locals” machen wir unsere Nutzer darauf aufmerksam, mit dem Kauf eines Tickets maßgeblich zu dem Erhalt von Kinos, Thermen und vielen anderen Freizeitanbietern beizutragen.

Wer sind eure Konkurrenten?
Unser Konzept ist in Deutschland und innerhalb der Freizeitbranche einzigartig. Natürlich gibt es andere Plattformen wie Groupon oder Social Deal, die auch Rabatte für Freizeitaktivitäten anbieten. Von diesen Konzepten grenzen wir uns jedoch deutlich ab. Wir bieten nur kurzfristige Restplätze mit konkreten Zeitfenstern an und betreiben damit statt einer Maximierung eine Optimierung der Auslastung. Damit können wir die Auslastung deutlich feingliedriger an die jeweilige Personalsituation der Anbieter anpassen, sehr spontan auf Nachfrageänderungen eingehen – etwa Anpassung des Angebots und Preise bei Regen im Zoo – und durch unsere dynamische Preissetzung bessere Preise für die Anbieter erzielen. Dadurch können wir auch langfristig mit vielen hochwertigen Freizeit Anbietern zusammenarbeiten, die mit dem Couponing-Modell von Groupon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Dies wiederum ermöglicht es uns, unseren Nutzern ein vielseitiges und besseres Angebot an Freizeitaktivitäten zu bieten.

Wo steht DynAmaze in einem Jahr?
Unser Ziel bis zum Ende des Jahres ist es in allen deutschen Großstädten vertreten zu sein und deutschlandweit Menschen zu einer aktiveren aber gleichzeitig bezahlbaren Freizeitgestaltung zu motivieren. Derzeit sind wir noch durch ein Stipendium gefördert, streben aber zum Ende des Jahres eine Finanzierungsrunde an, um unser Team, unsere Technologie sowie unsere Marketingaktivitäten für die deutschlandweite Skalierung auszubauen.

Reden wir zudem noch über den Standort Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für Köln als Startup-Standort?
Der Standort Köln hat sich unserer Ansicht nach in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Die Universität zu Köln investiert durch das Gateway Exzellenz Start-up Center viel in den Transfer von Ideen und hat uns seit unserem Start nicht nur durch moderne Arbeitsplätze, sondern auch durch wertvolle Coachings und Kontakte (im Rahmen des Future-Champions-Accelerators) unterstützt. Die Stadt Köln ist im Bereich junge Unternehmen mit ihrer Startup-Unit sehr engagiert und hilfsbereit. Darüber hinaus gibt es auch hier mittlerweile fast täglich Startup- & Netzwerk Events dank vieler toller Institutionen wie den Digital Hubs, dem Startplatz, dem Entrepreneurs Club Cologne oder NUK. Einige erfolgreiche Beispiele der letzten Jahre zeigen, dass man mittlerweile auch in Köln erfolgreich ein Startup aufbauen kann.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?
Die Kölner Startup-Szene ist deutlich kleiner im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland, sodass jeder jeden kennt und man sich ständig über den Weg läuft. Das hilft natürlich tiefere Bindungen aufzubauen, statt oberflächliche Erstkontakte zu pflegen.

Was ist in Köln einfacher als im Rest der Republik?
Die Menschen generell im Rheinland sind sehr offen. Das haben wir u.a. bei unserem Start gemerkt, als wir ohne Netzwerk direkt die führenden Freizeitanbieter von einer Zusammenarbeit überzeugen konnten.

Was fehlt in Köln noch?
Gute Programmierer, weil es keinen technischen Campus in Köln gibt. Auch der Mut seine Idee in Köln zu verwirklichen, ist in unseren Augen noch ausbaufähig.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?
Bürokratische Prozesse für Startups digitalisieren und erleichtern. Derzeit dauern viele Prozesse zu lange und verschlingen zu viel Papier. Dass möglichst viele Startups, gerade im Freizeit- und Kulturbereich, die Corona-Krise überleben. Mehr Mut von Studierenden und Absolventen sich in Köln selbständig zu machen und ein Startup aufzubauen.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln berichten wir gezielt über die Digitalaktivitäten in der Rheinmetropole. Mit circa 400 Startups, über 60 Coworking Spaces, Acceleratoren und Inkubatoren sowie attraktiven Investoren, zahlreichen Veranstaltungen und Netzwerken bieten Köln und das Umland ein spannendes Ökosystem für Gründerinnen und Gründer. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH#Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): DynAmaze

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.