#Interview Ein Travel-Startup, das seine Kunden jetzt mit Koch-Shows begeistert

Das junge Travel-Startup Querido Mundo setzt seit der Corona-Krise auf Koch-Shows und Vorträge. "Als es mit Corona losging, haben wir sofort überlegt, wie wir Menschen in dieser komischen Zeit träumen lassen können", sagt Gründerin Joanna Krupa.
Ein Travel-Startup, das seine Kunden jetzt mit Koch-Shows begeistert

Vor drei Jahren starteten Andrea Babilon und Joanna Krupa das Travel-Startup Querido Mundo, eine Plattform, die sich zum Gruppenreisen für Alleinreisende kümmert. Die Corona-Krise traf die Jungunternehmerinnen hart. “Die Auswirkungen spüren wir zu 100 %. Aktuell weiß keiner, inwiefern Reisen 2020 noch stattfinden können, weil wir von den täglichen Nachrichten und Entscheidungen der Politiker abhängig sind. Aber vor allem auch von der Lage vor Ort in jedem einzelnen lateinamerikanischen Land”, sagt Gründerin Krupa.

Die Kölnerinnen haben eine Möglichkeit gefunden gut mit der Krise umzugehen: “Als es mit Corona losging, haben wir sofort überlegt, wie wir Menschen in dieser komischen Zeit träumen lassen und Vorfreude auf die nächste Reise machen können. Und gleichzeitig lateinamerikanisches Flair ins Wohnzimmer bringen können! Daraus ist unser erfolgreiches Querido Live Cooking entstanden”, erzählt Krupa.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht die Querido Mundo-Macherin außerdem über Weltenbummler, Influencer und den Gründer-Standort Köln.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Querido Mundo erklären?
Querido Omi… also, liebe Omi, du möchtest nach Lateinamerika reisen und all das erleben, was ein Backpacker erlebt: Du möchtest ins Leben vor Ort eintauchen und Einheimische kennenlernen, auch abseits der ausgetretenen Touripfade. Du möchtest unbeschwert unterwegs sein mit viel Freizeit und einfach eine gute Zeit haben. Und das ein oder andere Abenteuer erleben… Auf der anderen Seite hast du keinen blassen Schimmer, wie du so eine Reise planst und organisierst. Du sprichst kein Wort Spanisch. Dann kennst du niemanden, der zum gleichen Zeitpunkt Urlaub bekommt wie du und mit dir reisen würde. Und du hast Angst, dich allein nach Lateinamerika aufzumachen. Warum kommst du nicht einfach mit uns mit und kostest in deinem nächsten Urlaub so vom Leben in Lateinamerika? Zusammen mit neuen Freunden, die du noch nicht kennst! Querido Mundo organisiert alles für dich und du musst dich um nichts kümmern. Ach, Omi… da du ja kein Spanisch sprichst: Querido Mundo heißt übersetzt “Geliebte Welt”.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Bevor Andrea und ich Querido Mundo gründeten, haben wir bereits als Reiseleiterinnen Gruppenreisen geleitet. In der Zeit haben wir unseren Teilnehmern ganz genau zugehört und uns ihre Verbesserungswünsche zu Herzen genommen. Diese haben wir dann bei Gründung als allererstes umgesetzt. Da die meisten Teilnehmer berufstätige Singles zwischen 30 und 50 sind, wollten sie – trotz Backpacking-Charakter der Reise – auf einen gewissen Komfort nicht verzichten. Schließlich handelt es sich um ihren Jahresurlaub. Das heißt im Klartext: Sie wollten sich lieber ein Doppelzimmer mit eigenem Bad teilen statt ein 10er-Zimmer mit Hochbetten und ausgelagertem Großraumbad. Auch bevorzugen sie lieber die liebevoll eingerichtete, einheimische Unterkunft mit Flair, die zum Verweilen einlädt statt das laute Partyhostel. Und bei den Transporten bieten wir einen Mix aus einheimischen Transporten – fürs Flair – und komfortablen Transporten – bei anstrengenderen Strecken – an. Außerdem hat sich unsere Vision im Laufe der Zeit verändert. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, drei gesellschaftliche Probleme in Deutschland aktiv anzugehen: Einsamkeit, Depression und Fremdenhass. Das machen wir, indem wir während einer Querido Reise den Raum schaffen, dass zwischen den Teilnehmern Freundschaften für’s Leben entstehen können. Dann ist die Lebensfreude Lateinamerikas und die unseres begeisterten Teams hochgradig ansteckend. Und unsere Querido Guides erzählen während jeder Reise nicht nur von der fremden Kultur, sondern machen sie verständlich.

Wie ist überhaupt die Idee zu Querido Mundo entstanden?
Andrea und ich haben viele Jahre lang als Reiseleiterinnen in Lateinamerika gearbeitet. Wir waren immer mit kleinen Gruppen unterwegs, zwischen 5 und 14 Leuten. Die Teilnehmer liebten die Art, wie wir die Reisen durchführten und wünschten sich irgendwann ein neues Reiseziel. Anstatt aber nur eine neue Reise auszuarbeiten, machten wir direkt Nägel mit Köpfen und gründeten einen neuen Reiseveranstalter gleich mit. Das war die Geburtsstunde von “Querido Mundo Reisen” mit Kolumbien als allererstem Reiseziel. Übrigens: Herzlichkeit wird bei uns ganz groß geschrieben. Unsere Teilnehmer nennen wie Queridos – liebe Menschen -, und unsere Reiseziele werden auch mir einem “Querido” versehen, zum Beispiel  Querido Mexiko – geliebtes Mexiko.

Die Corona-Krise trifft die Startup-Szene – insbesondere die Travel-Firmen – derzeit hart. Wie und in welcher Form spürt ihr die Auswirkungen?
Die Auswirkungen spüren wir zu 100 %. Wir gehören laut der NRW-Soforthilfe zu den Unternehmen, denen “die Möglichkeiten Umsatz zu erzielen durch eine behördliche Auflage im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie massiv eingeschränkt wurden”. Im März wurde eine weltweite Reisewarnung ausgerufen, die aktuell bis zum 14. Juni 2020 gilt. Somit wird von allen nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland gewarnt. Aktuell führen unsere Reisen ausschließlich in lateinamerikanische Länder. Unsere Querido Kuba Reise im April mussten wir bereits absagen. Und aktuell weiß keiner, inwiefern Reisen 2020 noch stattfinden können, weil wir von den täglichen Nachrichten und Entscheidungen der Politiker abhängig sind. Aber vor allem auch von der Lage vor Ort in jedem einzelnen lateinamerikanischen Land!

Welche langfristigen Auswirkungen erwartest du für Querido Mundo?
Kein Reiseveranstalter kann momentan mit Sicherheit sagen, ob dieses Jahr Fernreisen noch möglich sind. Wir sind allerdings hoffnungsvoll und optimistisch, dass wir spätestens 2021 wieder reisen können. Gerade bekommen wir viele Nachrichten von Reiselustigen, die sehr unter Fernweh leiden. Wir glauben, dass der Trend “Erlebnisse statt Gegenstände sammeln” auch nach der Coronazeit weiter zunehmen wird. Auf jeden Fall ist Aufklärung in punkto “Sicher reisen” wichtig. Corona hat viele Reisende in eine Stockstarre versetzt. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, regelmäßig klar zu kommunizieren, wie die aktuelle Lage sowohl in Deutschland als auch in den lateinamerikanischen Ländern ist.

Macht ihr seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie etwas anders?
Als es mit Corona losging, haben wir sofort überlegt, wie wir Menschen in dieser komischen Zeit träumen lassen und Vorfreude auf die nächste Reise machen können. Und gleichzeitig lateinamerikanisches Flair ins Wohnzimmer bringen können! Daraus ist unser erfolgreiches Querido Live Cooking entstanden. Jeden Monat kochen wir mit der Community zusammen leckere Gerichte aus Lateinamerika via Zoom. Bisher gab’s mexikanische Quesadillas, Quinoa-Champignon-Risotto aus den Anden und argentinische Empanadas. Außerdem haben wir ganz frisch auf unserer Webseite eine Live-Streaming-Plattform gelauncht, das Reisecafé. Hier bieten wir passionierten Weltenbummlern die Möglichkeit, spannende Vorträge zu halten. Und die Zuschauer haben die Möglichkeit zu spenden.

Wie genau bereitet ihr euch auf die Zeit nach der Corona-Pandemie vor?
Dieses Jahr haben wir uns besonders früh um die Reisedaten für 2021 gekümmert. Außerdem nutzen wir die Zeit jetzt, in der wir nicht reisen können, um bekannter zu werden. Wir sind täglich präsent auf Social Media mit wertvollem Content rund um’s Thema Reisen und Lateinamerika und drehen jede Woche Instagram Stories, um unserer Community einen Einblick hinter die Kulissen von Querido Mundo zu geben. Und wir informieren uns täglich über die Lage in den Querido Ländern und setzen uns mit Sicherheitsmaßnahmen auseinander, die “nach Corona” ein sicheres Zusammensein während einer Gruppenreise gewährleisten.

Wie hat sich Querido Mundo seit der Gründung entwickelt?
Im Gründungsjahr hatten wir ein Reiseziel im Programm: 23 Tage Kolumbien. Im zweiten Jahr waren’s dann schon vier Reiseziele. Mexiko, Kuba und die Anden – Peru, Chile & Bolivien – sind noch hinzugekommen. Während wir im ersten Jahr alle Reisen noch selbst leiteten, arbeiten seit dem zweiten Jahr zwei wundervolle Querido Guides mit uns zusammen, Hannah und Sonja. Übrigens: Alle Pilotreisen leiten wir immernoch selbst, um die Qualität der Reise auf Herz und Nieren zu prüfen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Querido Mundo inzwischen?
Alles klar. Da wären einmal Andrea und ich als Gründerinnen. Nächste Woche fängt die dritte Praktikantin bei uns an. Und wie schon erwähnt, Sonja und Hannah als Querido Guides. Dann wäre da noch unsere starke Querido Community, die uns immer tatkräftig mit Tipps und Ideen unterstützt. Unser Umsatz betrug im ersten Jahr 40.000 Euro und im zweiten Jahr 70.000 Euro. In den sozialen Netzwerken kommen wir zusammengenommen auf über 4.000 Follower.

Wo steht Querido Mundo in einem Jahr?
In einem Jahr sind wir deutlich bekannter in Deutschland und haben die Chance genutzt, online Vertrauen aufzubauen, so dass es nach Corona mit voller Power weitergehen kann. Jedes Jahr arbeiten wir mindestens eine Reise in ein neues Reiseziel aus. Gerade machen wir eine Umfrage innerhalb unserer Community auf den sozialen Netzwerken, welches Reiseziel sie sich als nächsten wünschen. Zur Auswahl stehen Ecuador, Costa Rica, Brasilien oder Nordperu. Außerdem möchten wir uns in den nächsten 12 Monaten mit Influencern vernetzen, deren Herz auch für’s Reisen in Lateinamerika brennt. Und mit leidenschaftlichen Unternehmern aus allen Bereichen!

Reden wir zudem noch über Köln. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für Köln als Startup-Standort?
Köln ist zwar nicht so bekannt für ihre Startup-Szene wie Berlin oder München, aber auch in Köln floriert die Gründerszene. Hier gibt es zunehmend mehr erfolgreiche Startups. Und wichtige Startup-Veranstaltungen wie die Dmexco, die Advance und der Pirate Summit werden in Köln ausgetragen.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Köln aus?
Man kann hier super leicht netzwerken, da es in Köln sehr viele Netzwerktreffen gibt. Zum Beispiel das “Mompreneurs”-Treffen einmal im Monat. Das ist ein Startup-Stammtisch für Unternehmermamis wie Andrea. Außerdem gibt es in Köln zahlreiche Business-Angels und eine ganze Reihe Förderprogramme der Stadt Köln.

Was ist in Köln einfacher als im Rest der Republik?
Auch wieder das Netzwerken! Der Grund dafür ist die super lockere und offene Art der Kölner. Hier kommst du ganz leicht in Kontakt und kannst dich sehr schnell austauschen. Das ist auch kein Wunder! Schließlich ist Köln die Hochburg des Karnevals.

Was fehlt in Köln noch?
Co-Working Spaces! Die nehmen in Köln zwar auch zu, aber wenn man auf Berlin und auf München blickt, gibt es doch relativ wenige Orte, wo man sich zum Arbeiten treffen kann.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Köln?
Erstens: Mehr Raum für Co-Working! Zweitens, dass Köln mehr Presse bekommt als cooler Standort für Startups und dadurch mehr kreative Köpfe anzieht. Und drittens wünsche ich mir mehr Offenheit in Bezug auf’s Arbeiten in Cafés. Hier bekommt man, wenn man den Laptop aufklappt, desöfteren negative Kommentare und böse Blicke zugeworfen, obwohl man dort etwas isst und trinkt. Das ist in Köln irgendwie noch nicht so ganz angekommen.

Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness

In unserem Themenschwerpunkt Köln berichten wir gezielt über die Digitalaktivitäten in der Rheinmetropole. Mit circa 400 Startups, über 60 Coworking Spaces, Acceleratoren und Inkubatoren sowie attraktiven Investoren, zahlreichen Veranstaltungen und Netzwerken bieten Köln und das Umland ein spannendes Ökosystem für Gründerinnen und Gründer. Diese Rubrik wird unterstützt von der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH#Koelnbusiness auf LinkedInFacebook und Instagram.

KoelnBusiness

Foto (oben): Querido Mundo

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.