#Interview Ein Security-Startup, das Zeugnisse fälschungssicher macht

Bei Trustcerts aus Gelsenkirchen dreht sich alles um das wichtige Thema Sicherheit. "Durch uns wird es möglich, dass man Dokumenten wirklich vertrauen kann. Damit wären Betrugsmaschen wie der Enkeltrick nicht mehr realisierbar", sagt Gründer Mirko Mollik.
Ein Security-Startup, das Zeugnisse fälschungssicher macht

Das junge Cyber Security-Unternehmen Trustcerts tritt an, um Zeugnisse und Dokumente über die Blockchain fälschungssicher zu machen. “Die Fälschungssicherheit von digitalen Dokumenten ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Digitale Dokumente lassen sich durch eigentlich fast jeden Laien relativ einfach mit Photoshop fälschen”, sagt Gründer Mirko Mollik. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Trustcerts-Macher außerdem über die die Corona-Krise, Transformationen und den Startup-Standort im Ruhrgebiet.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Trustcerts erklären?
Durch uns wird es möglich, dass man Dokumenten wirklich vertrauen kann. Damit wären Betrugsmaschen wie der Enkeltrick nicht mehr realisierbar.

Welches Problem genau wollt Ihr mit Trustcerts lösen?
Die Fälschungssicherheit von digitalen Dokumenten ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Digitale Dokumente lassen sich durch eigentlich fast jeden Laien relativ einfach mit Photoshop fälschen. Die wirtschaftlichen als auch juristischen Konsequenzen für Unternehmen können gewaltig sein, von Rufschädigung bis hin zur Insolvenz. Die Lösung für dieses Problem: Trust as a Service – Mit uns können digitale Originale für alle Zeit gegen Fälschung und Betrug auf Basis der Blockchain-Technologie abgesichert werden. Neben Prävention ist in den meisten Anwendungsfällen auch eine Optimierung durch Automatisierung und der damit verbundenen Kostenersparnis zu messen.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet Trustcerts ein Erfolg?
Mit unserer Blockchain-Technologie arbeiten wir in einem Themengebiet, in dem neben Kryptowährungen noch nicht viele weitere interessante Anwendungsfelder erforscht wurden. Das Potential für neue Produkte in diesem Markt ist also unheimlich groß, da durch die digitalen Stärken bereits vorhandene milliardenschwere Märkte profitieren können. Die Ausgründung aus dem Institut für Internet Sicherheit diente als gute Grundlade, um von Forschungsergebnissen zu Blockchain und weiteren angrenzenden Themen zu profitieren. Somit konnten wir uns direkt von Anfang an die Fehler bei der Entwicklung unserer Blockchain vermeiden, mit denen gerade andere Startups zu kämpfen haben. Der Standort im Ruhrgebiet mit Firmen in der digitalen Transformation bietet Feedback für unsere Entwicklung, da sie letztendlich die zahlenden Kunden sind.

Die Corona-Krise trifft die Startup-Szene derzeit hart. Wie und in welcher Form spürt ihr die Auswirkungen?
Wir spüren die Auswirkungen der Corona-Krise insbesondere in der Geschwindigkeit in der wir unsere Pilotprojekte umsetzen können. Aufgrund der angespannten Lage in vielen Unternehmen und sich viele Unternehmen nun erstmal um andere Dinge kümmern müssen, verzögern sich die Umsetzung der derzeit laufenden und geplanten Projekte. Das spüren wir dann natürlich auch sehr im Umsatz. Die eher ungewisse Lage auf dem VC und Business-Angel Markt macht diese finanziell angespannte Lage natürlich auch nicht einfacher.

Welche langfristigen Auswirkungen erwartest du für Trustcerts?
Ich glaube, dass die Corona-Krise durchaus auch zu einer Chance für Startups werden kann. Viele Unternehmen sehen sich nun dem Zwang ausgesetzt den digitalen Wandel bzw. eine digitale Transformation schneller voranzutreiben als sie vielleicht bisher geplant hatten. Daher glauben wir, dass sobald die Lage wieder etwas geregelter ist sich viele Unternehmen verstärkt fragen werden, welche Prozesse und Bereiche digitalisiert werden können. Das ist natürlich für Startups mit digitalen Angeboten ein Vorteil. Nach Corona wird nicht vor Corona sein. Eine einfache Rückkehr zum Status vor Corona wird denken wir nicht möglich sein. Aber ab wann die Lage wieder geregelter ist, lässt sich natürlich nicht abschätzen. Daher werden wir mit der Ungewissheit wohl noch etwas leben müssen.

Wie genau bereitet ihr euch auf die Zeit nach der Corona-Pandemie vor?
Wir haben vor allem bisher versucht unseren Vertrieb möglichst bzw. vollständig digital umzugestalten. So können wir auch nach der Corona-Pandemie einen möglichst effizienten und ressourcenschonenden Vertrieb fahren. Natürlich bereiten wir uns auch darauf vor, viele Termine nach Corona auch wieder in Person wahrnehmen zu können und vor allem wieder auf Messen gehen zu können. Hier optimieren wir unseren Auftritt weiter, um auch entsprechend aus der Masse dann herauszustechen.

Wo steht Trustcerts in einem Jahr?
In einem Jahr wollen wir ein bekannter Player im Bereich digitaler Signaturen und Blockchain-Anwendungen in Deutschland sein.

Reden wir zudem noch über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Für uns gibt es vor allem zwei Punkte, die das Ruhrgebiet als Startup-Standort sehr interessant machen. Zum einen haben wir eine große Anzahl an Studierenden und eine immensen Hochschuldichte. Zum anderen sind vor allem mit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen und der Ruhruni in Bochum zwei Hochschulen in den Themenfelder Cyper Security und Blockchain stark, die in der Region sind. Das heißt wir finden fähige und gut ausgebildete Absolventen und Studierende für unsere technischen Themen direkt vor der Haustür. Der zweite Punkt, welcher das Ruhrgebiet aus unserer Sicht so interessant macht, sind die Unternehmen. Für uns als B2B Startup sind hier in der Region unheimlich viele potentielle Kunden in greifbarer Nähe.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Gelsenkirchen aus?
Ich würde das gar nicht nur auf Gelsenkirchen beschränken. Aufgrund der extremen räumlichen Nähe gibt es für mich vielmehr eine gesamte Startup-Szene im Ruhrgebiet. Diese macht vor allem aus, dass ein ständiger Austausch und eine große Hilfsbereitschaft zwischen den Startups bestehen. Gerade erfahrene Gründerinnen und Gründer aus dem Ruhrgebiet sind immer wieder gerne dabei jungen Teams unter die Arme zu greifen und sie zu unterstützen. Da kann man als junges Team viel lernen und vor allem Fehler vermeiden.

Was ist in Gelsenkirchen einfacher als im Rest der Republik?
Gerade in Gelsenkirchen und eigentlich im gesamten Ruhrgebiet ist der Wohnraum und Raum zum Arbeiten noch sehr bezahlbar. Hier findet man eigentlich recht schnell ein geeignetes Büro. Ebenfalls einfacher ist das Recruiting von gut ausgebildeten Talenten. Viele davon wollen in der Region bleiben und sehen Startups als relevante Alternative zur Arbeit in etablierten Unternehmen.

Was fehlt in Gelsenkirchen bzw. im Ruhrgebiet noch?
Was im Ruhrgebiet definitiv noch fehlt ist eine Einheitlichkeit auf der Ebene der Kommunen. Wir glauben fest daran, dass das immense Potential des Ruhrgebiets gerade im Startup-Bereich nur realisiert werden kann, wenn auf der kommunalen Ebene mehr Einigkeit besteht und an einem Strang gezogen wird. In Gelsenkirchen selber fehlt es glaube ich noch mehr Mut zu gründen bzw. Gründergeist. Bisher kommen vor allem viele Startups aus anderen Städten der Region.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Erstens: Mehr Einigkeit auf Ebene der Kommunen und mehr gemeinsames Engagement im Startup-Bereich. Zweitens: Das mehr Geldgeber sich im Ruhrgebiet ansammeln bzw. die Startups aus der Region als relevante Player und Investitionsmöglichkeiten sehen. Drittens: Das Unternehmen im Ruhrgebiet ihr Sicherheitsverlangen mehr ablegen und Startups eine echte Chance in der Zusammenarbeit geben.

Themenschwerpunkt Ruhrgebiet

#Ruhrgebiet: Gemeinsam mit dem ruhr:HUB berichtet deutsche-startups.de regelmäßig über die Startup-Szene im Ruhrgebiet. Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Digital-Gründer – mehr im Startup Guide Ruhrgebiet. Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher” wiederum erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet.

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Foto (oben): Trustcerts

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.