#Interview “Die große Ungewissheit ist eine Herausforderung”

"Der Direktvertrieb über unseren Onlineshop ist bisher nicht rückläufig. Dahingehend hat es unsere Branche im Vergleich zum stationären Handel bis zum heutigen Tage nicht so hart getroffen", sagt Jan-Frieder Damm, Mitgründer von sleep.ink, zur aktuellen Situation.
“Die große Ungewissheit ist eine Herausforderung”

Das Berliner Unternehmen sleep.ink, das 2017 von Jakon Repp, Jan-Frieder Damm und Malte Gützlaff gegründet wurde, bietet ein melatoninhaltiges Nahrungsergänzungsmittel an. Vor allem Atlantic Food Labs und Döhler Ventures investieren in der Vergangenheit in das junge Food-Unternehmen. Kürzlich übernahm der Pharmahersteller Dr.Kade dann die Mehrheit am Schlaftrunk-Startup. Dr.Kade hält nun 68 % der Firmenanteile.

“Das ganze Team ist motivierter denn je, möglichst vielen Menschen die wunderbaren Vorteile des guten Schlafs näherzubringen. Das macht mit einem so erfahrenen und gleichzeitig visionären Partner wie Dr.Kade Pharma natürlich doppelt so viel Spaß. Grundlegend geht es für das Team also weiter wie gehabt”, sagt Mitgründer Damm zur Übernahme. Die Corona-Krise traf das Startup bisher kaum. “Der Direktvertrieb über unseren Onlineshop ist bisher nicht rückläufig, sondern entwickelt sich sogar positiv. Dahingehend hat es unsere Branche im Vergleich zum stationären Handel oder der Gastronomie bis zum heutigen Tage nicht so hart getroffen. Trotzdem sind aktuell mehrere bereits bezahlte Messen, Marketing-Aktionen und Aktivierungsmaßnahmen für den stationären Handel verschoben oder ganz abgesagt worden. Und leider bleiben auch einige erwartete Bestellungen unserer Handelspartner aufgrund geschlossener Filialen und reduzierter Personalstärke aktuell aus”, führt der Jung-Unternehmer weiter aus.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht sleep.ink-Macher Damm außerdem über Produktkonzepte, Flexibilität und fachkompetente Beratung.

Wie würdest Du Deiner Großmutter sleep.ink erklären?
Wir helfen Menschen mit innovativen, hochwertigen Produkten und Services besser zu schlafen. War tatsächlich gar nicht schwer meiner Großmutter zu erklären was unser Startup macht. Sie erkundigt sich auch regelmäßig danach “wie das Geschäft denn läuft”.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Unser Konzept entwickeln wir natürlich konstant weiter. Unternehmerisch wäre Stillstand wohl das Ende. Wir versuchen proaktiv zu gestalten und uns mit den Kundenerwartungen und den Marktveränderungen stetig weiterzuentwickeln. So haben wir seit dem Start gezielt verschiedene Vertriebskanäle bespielt und evaluiert und testen auch regelmäßig neue Produktkonzepte, um zu wissen wohin wir unser Produktportfolio für den guten Schlaf weiterentwickeln.

Gerade habt ihr den Verkauf an Dr. Kade verkündet. Wie geht es nun weiter?
Das ganze Team ist motivierter denn je, möglichst vielen Menschen die wunderbaren Vorteile des guten Schlafs näherzubringen. Das macht mit einem so erfahrenen und gleichzeitig visionären Partner wie Dr.Kade Pharma natürlich doppelt so viel Spaß. Grundlegend geht es für das Team also weiter wie gehabt. Geändert hat sich vielleicht nur, dass der für beide Seiten so spannende Austausch mit KADE noch intensiviert hat.

Die Corona-Krise trifft die Startup-Szene derzeit hart. Wie und in welcher Form spürt ihr die Auswirkungen?
Der Direktvertrieb über unseren Onlineshop ist bisher nicht rückläufig, sondern entwickelt sich sogar positiv. Dahingehend hat es unsere Branche im Vergleich zum stationären Handel oder der Gastronomie bis zum heutigen Tage nicht so hart getroffen. Trotzdem sind aktuell mehrere bereits bezahlte Messen, Marketing-Aktionen und Aktivierungsmaßnahmen für den stationären Handel verschoben oder ganz abgesagt worden. Und leider bleiben auch einige erwartete Bestellungen unserer Handelspartner aufgrund geschlossener Filialen und reduzierter Personalstärke aktuell aus. Darüber hinaus arbeitet das ganze Team mit Hochdruck daran, dass wir bezüglich Supply-Chain und Logistik für unsere verschiedenen Produkte operativ handlungsfähig bleiben. Die große Ungewissheit bezüglich der Entwicklung und Dauer dieser Situation ist schon eine Herausforderung. Nur ein ein noch engerer Austausch innerhalb unseres Teams macht es möglich, aktuell fokussiert zu bleiben nicht den Kopf zu verlieren.

Ganz wichtiges Thema: Wie schützt du dich und euer Team?
Wir haben gemeinsam früh entschieden, dass der Schutz des Einzelnen und der Gemeinschaft höchste Priorität hat. Deswegen haben wir früh eine klare Home-Office Empfehlung für das ganze Team ausgesprochen. Flexibilität in der Arbeitsgestaltung war für uns auch vor der Krise schon ein großes Thema, aber aktuell ist es oberstes Ziel, dass jede und jeder im Team sich möglichst sicher fühlt. Wir versuchen gezielt zuzuhören, wie wir die Situation für alle einfacher, sicherer und auch ein bisschen angenehmer machen können. Zuletzt haben wir das Team mit Schutzmasken ausgestattet, die unser Investor Dr.Kade Pharma für alle hat anfertigen lassen.

Welche langfristigen Auswirkungen erwartest du für euer Startup?
Die langfristigen Auswirkungen sind wahrscheinlich für alle schwer abzuschätzen. Wir gehen aber beispielsweise davon aus, dass die stationären Apotheken gestärkt aus der aktuellen Situation hervorgehen. Menschen spüren, wie zentral die “Apotheke vor Ort” für die Versorgung und fachkompetente Beratung ist. Deswegen sind wir froh die Partnerschaften in diesem Bereich schon im letzten Jahr forciert zu haben und auch in 2020 noch weiter auszubauen.

Wie genau hat sich sleep.ink denn seit der Gründung entwickelt?
Wo wir als Team das Unternehmen hin bewegt haben, macht glaube ich allen Beteiligten wirklich Freude. Wir haben viele Dinge professionalisiert, ohne dabei an Flexibilität zu verlieren. Und wir haben phantastische Expertinnen und Experten überzeugen können unser Team zu verstärken. Das Unternehmen hat sich auch dahin entwickelt, dass die Gründer nicht mehr alles selber machen dürfen, weil es für manches jetzt im Team jemanden gibt, der oder die das viel besser kann.

Wo steht sleep.ink in einem Jahr?
Hoffentlich wieder im Büro und nicht mehr im Home Office.

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Foto (oben): sleep.ink

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.