#Interview “Der Wettbewerb ist relativ überschaubar”

"Die Startup-Szene bei uns in Dortmund ist natürlich noch relativ klein. Das hat jedoch den Vorteil, dass ein Startup hier schneller mehr Aufmerksamkeit bekommen und auf regionaler Ebene Präsenz schaffen kann", sagt Hendryk Hosemann, Mitgründer von brytes
“Der Wettbewerb ist relativ überschaubar”

Im Zeitalter von künstlicher Intelligenz lassen sich digitale Ideen immer besser realisieren. Das lächelnde Internet bleibt auf den ersten Moment aber weiter ein scheinbar unerreichbares Unterfangen – nicht für Andreas Christiani, Lukas Fahr, Tim Hausweiler, Hendryk Hosemann und Deni Vidovic, die mit ihrer Firma Brytes seit der Gründung 2017 in einem denkmalgeschützten Anwesen am Rombergpark in Dortmund residieren. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, dem Online-Handel das Lächeln beizubringen. Kunden sollen sich beim Kauf im Internet genauso verstanden fühlen wie in einem Geschäft in der Fußgängerzone jeder beliebigen Innenstadt. Im Ruhr-Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer Hosemann einmal ausführlich über die Startup-Szene im Ruhrgebiet.

Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Das Ruhrgebiet bietet eigentlich eine ideale Struktur für Startups, denn durch die vielen Unis gibt es sehr viele gut ausgebildete junge Menschen, insbesondere aus dem IT-Bereich. Insgesamt ist das Lohnniveau jedoch relativ moderat, durch niedrige Mieten und relativ geringe Lebenshaltungskosten. Natürlich gibt es hier nicht das gleiche Netzwerk wie in Berlin. Allerdings sind Berlin und auch viele andere Städte sehr gut erreichbar.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Dortmund aus?
Die Startup-Szene bei uns in Dortmund ist natürlich noch relativ klein. Das hat jedoch den Vorteil, dass ein Startup hier schneller mehr Aufmerksamkeit bekommen und auf regionaler Ebene Präsenz schaffen kann. Für Marketing und Recruiting-Veranstaltungen hat sich das als sehr reizvoll für uns erwiesen.

Was ist in Dortmund einfacher als im Rest der Republik?
Definitiv das Recruiting. Der Wettbewerb ist im Vergleich zu Berlin relativ überschaubar. Da es nicht so viele Startups gibt, hat man sehr schnell ein Alleinstellungsmerkmal, das auch größere Firmen nicht einfach so bieten können.

Was fehlt in Dortmund bzw. im Ruhrgebiet noch?
Im Ruhrgebiet fehlt immer noch eine bessere Vernetzung der Städte, auch wenn schon intensiv daran gearbeitet wird. Ich denke, der Prozess dauert einfach eine gewisse Zeit. Zusammengenommen leben hier mehr als fünf Millionen Menschen, die theoretisch ein riesiges Potenzial haben. Generell sind viele andere Entwicklungen noch am Anfang, aber grundsätzlich fühlt man sich als Startup insbesondere durch Institutionen wie den Ruhr:HUB sehr gut aufgehoben und unterstützt.

Zum Schluss hast du drei Wünsche frei: Was wünscht du dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Erstens: neue spezialisierte Acceleratoren. Zweitens: mehr globale Präsenz bei speziellen Themen – zum Beispiel bei Cybersicherheit. Drittens: eine bessere Vernetzung der Startups untereinander.

Themenschwerpunkt Ruhrgebiet

#Ruhrgebiet: Gemeinsam mit dem ruhr:HUB berichtet deutsche-startups.de regelmäßig über die Startup-Szene im Ruhrgebiet. Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Digital-Gründer – mehr im Startup Guide Ruhrgebiet. Das Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher” wiederum erzählt die spannendsten Startup- und Grown-Geschichten aus dem Ruhrgebiet.

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Foto (oben): brytes

Sümeyye Algan, Redakteurin bei deutsche-startups.de, mit Blick aufs Ruhrgebiet, seine Geschichten und Persönlichkeiten. Nach zwei Praktika bei der WELT in Berlin und dem WDR in Essen, arbeitete sie u.a. für den WDR und als freie Autorin für Informer Online.