#Hintergrund De Cana Panela: Eine Investorenentscheidung aus dem Bauch heraus?

Eine Art Zucker, die nicht raffiniert ist und damit nicht ihrer kompletten Nährwerte beraubt wird, klingt erst einmal spannend. Vielleicht auch ein wenig exotisch, bedenkt man noch seine südamerikanische Herkunft. Solche Eigenschaften machen ein Produkt schnell zum Nischenprodukt.
De Cana Panela: Eine Investorenentscheidung aus dem Bauch heraus?

Eine Situation, wie es sie in der Höhle selten gibt: drei Löwen unterbreiten unabhängig voneinander ein Angebot. Und um die Entscheidung für die Gründerin Anna Elisabeth so richtig schwierig zu machen, bieten alle drei die gleichen Konditionen. Die Gründerin entschied letztlich „aus dem Bauch heraus“. Für viele mag dies seltsam gewesen sein: Denn ist das Bauchgefühl für Gründer bei einer so wichtigen Entscheidung ein guter Ratgeber?

Eine Art Zucker, die nicht raffiniert ist und damit nicht ihrer kompletten Nährwerte beraubt wird, klingt erst einmal spannend. Vielleicht auch ein wenig exotisch, bedenkt man noch seine südamerikanische Herkunft. Definitiv ein erklärungsbedürftiges Produkt, was sich voraussichtlich nicht allein dadurch verkauft, dass es im Regal steht. Solche Eigenschaften machen ein Produkt schnell zum Nischenprodukt, weshalb zwei der Löwen schon bald Ausstiegen, auch wenn Gründerin Anna Elisabeth sie mit ihrem Auftritt beeindruckte.

Die anderen drei hielten es jedoch für machbar, ein solches Produkt bekannt zu machen und aus seinem Nischendasein einer breiteren Masse schmackhaft zu machen. Dagmar Wöhrl traute sich als erstes, ein konkretes Angebot zu machen, sah sich dann bald aber der Konkurrenz ihrer Löwen-Kollegen Ralf Dümmel und Dr. Georg Kofler gegenüber. Ob sie diese für die Höhle schon fast ungewöhnlich zahlreiche Konkurrenz nicht erwartet hätte oder ob es noch einen anderen Grund gab, warum sie später ihre Vorteile als Investor noch einmal genauer erläuterte, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Wie so einige andere Verhandlungen zwischen Gründern und Investoren zeigt diese aber insgesamt sehr deutlich, wie viel wichtiger als der rein finanzielle Aspekt andere Faktoren eines Investors sein können. Doch wie entscheidet man hier als Gründer, wenn der Mehrwert der Investoren so unterschiedlich ist wie in diesem Fall? Zunächst einmal sollte man sich über seine eigenen Ziele und grundsätzlichen Strategien im Klaren sein. Bei einem Lebensmittelprodukt ist die Frage, ob man möglichst bald in den Einzelhandel möchte oder ob man schwerpunktmäßig den Weg über den eigenen und Partner-Online Shops wählt, schon ein sehr zentrale. Erste Erfahrungen z.B. aus Verkostungen gegenüber Online Marketing können für diese Entscheidungsfindung essentielle Daten liefern.

Als weiterer Faktor ist es auch immer ein guter Tipp, andere Gründer im Portfolio des Investors nach ihren Erfahrungen zu fragen. Wie arbeitet der Investor, wobei hat er besonders geholfen? In welcher Hinsicht hätte man sich vielleicht sogar mehr von der Zusammenarbeit versprochen? Je mehr Klarheit man hier gewinnen kann, umso besser kann man eben auch das Angebot bewerten. Denn jeder Investor, der mit mehr als Geld helfen kann, wird nicht zu der gleichen Bewertung investieren wie ein reiner Finanzinvestor. Vor allem, wenn er noch eigene Arbeitszeit bzw. die seines Teams ohne weitere direkte Gegenleistung mit einbringt.

Nach einer doch sehr sachlichen und faktenbasierten Bewertung von strategischem Fit und Mehrwert bleibt aber auch immer der oft unterschätze, aber unglaubliche wichtige menschliche Faktor, gerade dann, wenn man mit dem jeweiligen Investor eng zusammen arbeiten wird. Kann man sich vorstellen, mit diesem Menschen offen zu kommunizieren, wichtige Entscheidungen abzusprechen und auch Konflikte zu lösen? Je weniger man die betreffende Person kennt, desto mehr muss man sich auf sein „Bauchgefühl“ verlassen. Genau das war auch der Rat des Mannes von Anna Elisabeth, mit dem sie zur Entscheidung telefonierte. Ein Rat, den man eigentlich allen Gründern in einer solchen Entscheidung geben kann: Denn das Gefühl, ob man mit einem Menschen wirklich so eng zusammen arbeiten möchte oder nicht, sollte man niemals unterschätzen. Allein für die eigene Motivation ist es essentiell, dass man sich bei einem so wichtigen Schritt auch wirklich auf die Zusammenarbeit freut. Und bei aller Rationalität nimmt man dann doch eben unbewusst noch viel mehr Informationen auf, die ein solches „Bauchgefühl“ zurück spielt. Es wäre also eher irrational, ein solches Gefühl zu ignorieren oder sogar entgegengesetzt zu handeln. Denn trotz aller Wichtigkeit der Zahlen, Daten und Fakten hört man auch immer wieder den Satz „It’s a peoples’ business“, wenn es um Startup-Investitionen geht, denn es sind letztendlich Menschen, die sich großes Vertrauen schenken und eng zusammen arbeiten müssen, um wirklich etwas voranbringen zu können.

Also: ja, wenn alle Informationen ausgetauscht und ausgewertet sind und es zur finalen Entscheidung kommt, darf man nicht nur „aus dem Bauch heraus“ eine Entscheidung treffen, man sollte es sogar unbedingt tun!

Tipp: Alles über die Vox-Gründer-Show gibt es in unserer DHDL-Rubrik

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Foto (oben):  TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Ruth Cremer ist Mathematikerin und Beraterin sowie Hochschuldozentin im Bereich Geschäftsmodelle, Kennzahlen und Finanzplanung. Als ehemaliger Investment Manager weiß Sie, worauf Investoren achten und hilft bei Pitch- und Dokumentenvorbereitung auch im Investment- oder Akquisitionsprozess. In der aktuellen sechsten Staffel von “Die Höhle der Löwen” war sie als externe Beraterin in die Auswahl und Vorbereitung der Kandidaten involviert.